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Randbemerkung: Der Kopf auf dem Coverbild ist nur ein Teil von Dominik Schmitts zeichnerischem Werk namens »aua II«. Auch hier darf geschrieben werden, dass Kunst Geschmackssache ist. Die Musik gehört auch zur Kunst und ist ebenfalls Geschmackssache. Everblame ist ein Trio aus Ludwigshafen. Film ist auch Kunst. In Ludwigshafen werden gute Tatort-Folgen gedreht.
Stöbert man im Plattenladen die Neuheiten durch, wird einem das "Frantic"-Cover bestimmt auffallen. Mag sein, dass das Album genauer unter die Lupe genommen oder einer Hörprobe unterzogen wird. Songtitel wie "Psycho", "Aggressive Addiction" oder "Anger Please" lassen schon aufhorchen. Hier scheint es was auf die Lauscher zu geben.
Im Jahr 2005 wurde Everblame gegründet und mit "Sina" (2007) sowie "Flowers" (2009) hat man bereits zwei Vorgänger-Platten von "Frantic" auf den viel bevölkerten Musik-Markt losgelassen. "Flowers" ist eine EP mit einem Video und drei Titeln, von denen zwei den Weg auf vorliegende CD gefunden haben. Everblame hat schon so einige angesagte Festival (unter anderem Rock am Ring, Hurricane) auf der Visitenkarte stehen und ist live eh ungemein viel unterwegs. So heißt es im Promotiontext: »Denn auf der Bühne liegt das Herz von Everblame - und da gehören sie auch hin.« Danach wird die nächste Platte bestimmt ein Live-Album. Doch zunächst soll sich alles um "Frantic" drehen. Immerhin steht im Booklet: »RECORDED LIVE ...«
Der Motor des Trios ist eine gut getunte, PS-starke Maschine und hat auf dem Prüfstand so manche Belastungsprobe überstanden. Bei der heftig zupackenden Musik haben die drei Band-Mitglieder einen gemeinsamen Einfluss und der heißt Danko Jones. Für "Frantic" pflückte Everblame im Obstgarten unterschiedliche Früchte. Rock, Grunge, Rock'n'Roll, Stoner oder Metal waren schließlich in unterschiedlicher Größe im Eimer und siehe da: Everblame macht daraus seinen ganz eigenen Saft. Der hat süßliche wie auch herbe Anteile, mundet allerdings immer, weil die Mixtur sehr ausgewogen ist.
Mit "Pessimistic Poem Pirate" zeigt die junge Combo, wohin der Weg des Albums grob führen soll. Da wird ordentlich, aber auch gekonnt auf das Gaspedal gedrückt und gleich im Opener zeigt Raphael Isenhuth, zu welchen Leistungen seine Stimmbänder in der Lage sind. Singen, growlen, schreien ... der Mann hat die gesamte Farbpalette der Emotionen auf dem Kasten. Ihre Instrumente haben Gitarrist Isenhuth, Basser Florian Rohlf sowie Tobias Heidinger am Schlagzeug voll im Griff und ihr Songwriting weist Klasse auf.
"Psycho" besitzt eine gute Portion Rock'n'Roll und bei "Frantic" heißt es nicht: Ah, Grunge ... Nirvana, sondern ... ah, Grunge ... Everblame. Man höre sich nur das fantastisch arrangierte "Firehead" an. Da gibt es eine verträumte Einleitung, deren Staffelstab von einer noch größeren Portion Rock'n'Roll als vorher übernommen wird. Diese ruhigeren Phasen im Track sind zum Niederknien und der 'Feuerkopf' ist eines der Highlights auf der Platte.
"Lose Control" verfügt über ähnliche Gene, allerdings kann Everblame die Färbung von Gitarrensound sowie Rhythmik immer wieder vom Feinsten wechseln, sodass man bei jedem Track darauf gespannt ist, was kommen wird. "Take A Blow" richtet einen kurzen Blick auf den beliebten Stoner Rock mit seinem typischen Gitarren-Riffing, das ein klein wenig Blues-Blut geleckt hat. Auch hier macht sich ein Markenzeichen der Band breit. Everblame hat immer wieder ruhigere Phasen eingeschoben.
"Fake It Till The Morning Breaks You" und das streckenweise groovende "Flowers" sind durchaus nicht deckungsgleich, verfügen aber im Hintergrund über ähnliche Gitarrenläufe. Egal, die Tracks sind einfach gut und mit dem Wechselbad der Geschwindigkeit in "Anger Please" findet "Frantic" einen klasse Abschluss.
Um auf die eingangs erwähnte Szene im Plattenladen zurückzukommen: Das Album hätte eingescannt werden müssen und zuhause wäre der Silberling stante pede in den Player gewandert. Everblame hat verdammt viel Potenzial, das auch in Zukunft zum Tragen kommen wird. "Frantic" ist eine Empfehlung für die Fans der härteren Gangart.
Line-up:
Raphael Isenhuth (vocals, guitar)
Florian Rohlf (bass)
Tobias Heidinger (drums)
| Tracklist |
01:Pessimistic Poem Pirate (3:28)
02:Psycho (3:23)
03:Firehead (3:16)
04:Aggressive Addiction (3:17)
05:Lose Control (3:22)
06:Aerogear (4:01)
07:Like Megan Fox (3:21)
08:The Picture (4:36)
09:Take A Bow (3:44)
10:Fake It Till The Morning Breaks You (3:37)
11:Flowers (2:43)
12:Anger Please (3:20)
(all songs written by Everblame)
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