John Alexander Ericson / Songs From The White Sea
Songs From The White Sea Spielzeit: 48:55
Medium: CD
Label: MIG-music, 2010
Stil: Alternative Music

Review vom 25.06.2010


Joachim 'Joe' Brookes
The Northern Territories (TNT) sowie Alberta Cross muss man mit dem Künstler John Alexander Ericson in Verbindung bringen. Die beiden Bands stehen für sehr unterschiedliche Musik und letztere Gruppe hat schon als Support für Oasis, die Dave Matthews Band sowie Them Crooked Vultures gespielt. John Alexanders Bruder Petter Ericson Starkee ist der Frontmann von Alberta Cross, wobei TNT eine Band des Protagonisten ist.
Seine erste Soloplatte mit dem Titel "Songs From The White Sea" hat einen höheren Verwandtschaftsgrad zu TNT. Der Musiker Ericson kommt aus Schweden und fühlt sich sowohl in London als auch Berlin wohl. In der deutschen Hauptstadt, genauer Weißensee, hatte er ein Studio. Weißensee... "Songs From The White Sea". Einige Kompositionen entstanden in Berlin. Allerdings wurden alle Songs in Wales beziehungsweise zwei Londoner Studios aufgenommen. Zusätzlich ist das Coverbild, festgehalten von Tido von Oppeln, eine Aufnahme der Stadt. Sein Standort war die Warschauer Brücke. Ericsons eigenes Label heißt Warsaw Records.
"The Songs From The White Sea" ist Stimmung sowie Atmosphäre pur. In der Hauptsache begleitet sich der Schwede am Piano beziehungsweise legt er den Riemen auf den Moog. Unverkennbar kommt schon im Opener "Blended For The Highway" eine akustische Gitarre mit ins Spiel. Ganz langsam schleichen sich die Moogklänge auf Samtpfoten in den Track ein. Ist die Stimmung zunächst sehr intim und etwas düster, wird der Song durch die künstlich erzeugten Klanglandschaften wie von einem strahlend hellen Licht durchflutet. Die akustische Gitarre, zu Beginn sehr dominant, hat ab der Mitte des Tracks ihren Dienst getan.
Was ist das denn jetzt? Nach einer herrlich arrangierten ersten Komposition erschrecken den Hörer fast schon die relativ harten, künstlich erzeugten Beats. Dieses stellt man im Vergleich zum ersten Track zunächst einmal fest. Geblieben ist Ericsons sympathisch melancholische Stimme, die aber auch nach ganz viel Sehnsucht klingen kann und er ist auch noch sein persönlicher Chorsänger. Die synthetischen Klänge blitzen ab und an auf. Eine am Anfang aufkommende Skepsis verfliegt beim wiederholten Hören. Die Atmosphäre des Tracks ist schon stimmig. Gedanken an den Synthie Pop der Achtzigerjahre werden vom Tisch gefegt, denn der Einsatz von Synthesizern ist der wohlüberlegten Kunst des Arrangierens zuzuschreiben.
Nachdem sich "Midnight Warriors" in den Gewässern des Openers wiederfindet und mit einem herrlichen Chorus aufwarten kann, ist "Mary Song" eine vom Piano angeführte Ballade der Sentimentalität. Das Piano steht im Vordergrund und irgendwie vermisst man bei aller Sehnsucht einen Rhythmuserzeuger gar nicht.
"The Man In White" steht ebenfalls unter einem besonderen Stern. Hier schafft es der Protagonist durch einfache, aber effektvolle Handclaps für einen differenzierten Rhythmus zu sorgen. Auch andere Percussions kommen zum Einsatz und Ericson liefert jetzt tolle Lautmalereien als Hintergrund für seine Musik. Interessant, wie daraus ganz langsam wieder der Songtext herausgefiltert wird. Die sechs Minuten sind jede Sekunde Hören wert.
Mit "Let It All Come" hat "Songs From The White Sea" einen ersten Gipfel erklommen. Diese Nummer ist ein wirklich sehr gut gespielter Entschleunigungssong. Der Moog-Synthesizer hat wohl auch Schalter oder Hebel, um eine Ähnlichkeit zum Harmonium herzustellen. Vorne weg, wenn auch sehr sparsam, sind wieder einmal das Piano und die Handclaps zu hören. Zwischen dieses Stück und den Hörer passt kein Zeitungspapier mehr. So intensiv mit einer deutlichen Betonung des Gefühls habe ich einen Song in letzter Zeit nicht gehört.
Manchen Kompositionen, wie "The Light Machine" mag ein schöner Wave-Charakter anhaften und "Over The Darkness And Over The City" ist ein abschließender Beleg für gute musikalische Ideen. Allgemein hat John Alexander Ericson mit seinen "Songs From The White Sea" in der Einsamkeit von Wales ein vortreffliches Album mit viel Stimmung aufgenommen.
Line-up:
John Alexander Ericson (all instruments, vocals)
Tracklist
01:Blinded By Highways (4:27)
02:Always Leave Them Waiting More, Johanna (4:58)
03:Midnight Warriors (3:14)
04:Mary Song (3:43)
05:The Man In White (6:05)
06:Let It All Come (4:35)
07:In The Eleventh Hour (4:43)
08:The Light Machine (3:32)
09:Through The Devil's Eyes (4:57)
10:The World Is Waiting (3:50)
11:Over The Darkness And Over The City (4:29)
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