Frohgemut hatte ich vor einiger Zeit die neue CD der mir unbekannten Combo Factory Of Dreams zum Rezensieren bestellt. ...Und mich, als das Werk sich dann schließlich in meinem Laufwerk drehte, einen Narren gescholten. Ich hätte mich genauer informieren sollen. Zunächst kam die akustische Enttäuschung, dann der gelangweilte Blick auf die Bio und die Erklärung: Bei Factory Of Dreams handelt es sich um ein weiteres Projekt von meinem 'neuen Freund' Hugo Flores.
Dieser hatte mir nämlich vor nicht allzu langer Zeit schon mit Project Creation ein zweifelhaftes Vergnügen beschert. Ich fasse diese Erfahrung nochmal kurz zusammen: Dabei handelt es sich um glitzernde Verpackung, die man ständig aufbekommen will - und wenn man es schließlich geschafft hat, erkennt man, dass nichts drin ist. Nur ein bisschen heiße Luft weht einem entgegen. Riecht auch schon etwas abgestanden.
Der Grund dafür: Flores orientiert sich stark am Ayreon-Prinzip mit vielen Gastmusikern und -sängern; und hat sich damit offenbar irgendwie schon einen gewissen Status erwurschtelt, denn es gibt tatsächlich Menschen, die in ihm eine Art 'Mastermind' sehen. Der große, vielgerühmte Künstler, der bitten lässt. So sieht er sich sicherlich. Doch die Realität sieht anders aus, und das tut sie auch bei Factory Of Dreams.
Die Songs sind hier etwas düsterer geraten, und sie werden von einer einzigen Sängerin gesungen. Die technischen Kinkerlitzchen halten sich diesmal im Vergleich zu Project Creation etwas mehr in Grenzen - sind aber trotzdem noch zahlreich vorhanden. Dieses Mal wirken sie aber nicht mehr ganz so oft störend und verwischend. Es gibt wieder sehr klaren und guten Sound, und auch die Sängerin, Jessica Letho, klingt sehr gut.
Die große Schwäche von Hugo Flores' Musik bleibt aber bestehen; was er auch tut, es passiert nie so richtig etwas. Ich bin wirklich niemand, der auf irgendwelchen starren Normen beharrt, wenn es um Musik geht, aber "Poles" hat einfach keinen roten Faden, nichts, an was sich der Hörer festhalten oder orientieren kann. Stattdessen stürzt er in einen einlullenden Abgrund.
Wenn man seine Musik 'Prog' nennt, dann muss man den Hörer auch belohnen, wenn er sich Zeit nimmt und zuhört. Hier geschieht ebendies nicht. Wie schon vor einigen Monaten gibt es wohl auch nette Passagen - aber die sind kaum etwas Wert, wenn sie einfach so im Raum stehen und sich nichts entwickelt.
Durchaus könnte es aber auch für "Poles" eine Hörerschaft geben. Der Promozettel spricht von tollen Reviews, also bin ich vielleicht zu blöd. Ich kann mir auch vorstellen, dass man diese CD bei einem Treffen seines Esoterik-Zirkels im Hintergrund laufen lassen kann. Dafür wäre sie ideal - da man nur alle 30 Sekunden mal kurz hinhört.
Hugo Flores' Musik bleibt also selbstverliebtes Blendwerk, so leid es mir tut. Aber ganz so schlecht, dass er den Bandnamen deshalb in 'Factory Of Nightmares' ändern müsste, ist es auch nicht. ...Ich ruf gleich mal Hugo an und sach' Bescheid. Vielleicht lässt er sich ja diesmal belatschern, auch mal was Anderes als seine eigenen Sachen anzuhören.
Line-up:
Hugo Flores (electric guitars, bass guitars, synth bass, synthesizers, additional drum arrangements)
Jessica Lehto (lead vocals, harmonies and vocal arrangements)
Chris Brown (fretless bass)
Tracklist |
01:Transmission Fails
02:The Sight Of A Better Universe
03:Air Powerplant
04:Factory Of Dreams
05:Gliding Above The Ocean Of Memories
06:Peace Echoing
07:Stream Of Evil
08:The Piano In The Sea
09:Generator Of Illusions
10:Electric Boom
11:Crossing The Bridge To The Positive Pole
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