The Fastback / Nero 3:33
Nero 3 33 Spielzeit: 47:47
Medium: CD
Label: Eigenproduktion, 2013
Stil: Hard Rock

Review vom 09.07.2013


Joachim 'Joe' Brookes
Mit einem "Eat Me (Like A Walking Dead)"-Funken bringt The Fastback den ein ganz klein wenig vom Punk angehauchten Rock-Brummkreisel fast schon zum Glühen. Im Zusammenhang damit verbieten sich Assoziationen bezüglich ihrer venezianischen Herkunft. Eines steht jedenfalls fest: Die italienische Combo hat mit ihrer musikalischen Schere ein richtig frisches Geschenkpapier für das Genre parat. Gegründet 2010 »they took the band name (and lyrics imaginary) from the "70's violence/fastcars/naked girls/horror featured movies".«
Dabei ist The Fastback durchaus wörtlich zu nehmen, denn beim Thema Filmzitate hat das Quartett definitiv keine Sparstrümpfe an. Oft zieren Ende und Beginn einer Nummer Originaltexte/-szenen. So dient der Film-Epilog von "I Walked With A Zombie" als gelungene Überleitung von "Heartless" hin zu "Demons, Demons, Demons". Die cineastischen Auszüge nehmen den Kompositionen durchaus die eine oder andere halbe Minute.
Gerade dieser Track offenbart uns aber auch die etwas andere Seite der The Fastback-Musik, denn hier regiert viel mehr der knackig gespielte Hard Rock. Der Punk hat Pause. Wie aus meiner Sicht überhaupt der Punk höchstens als eine dünn galvanisierte Schicht unter der Rock-Schwarte existiert. Seine Stimme kann Sänger El Lello durchaus flexibel einsetzen. Kombiniert mit der fetzigen Musik bekommt man auch noch einen Haufen Spaß mitgeliefert. Keles Leadgitarre ist ständig am Drücker der Aktionen und entsprechend stark rifft El Lello auch seinen Rhythmus-Sechssaiter.
Die Suche nach Hinhörern ist relativ einfach. Da gibt es so einige. Eher fällt die Entscheidung für einen der vielen Klasse-Songs schwer. "Nero 3:33" ist ein in sich geschlossenes Werk geworden. The Fastback hat vor diesem Album eine EP mit dem Titel "Thunderized" auf den Markt gebracht. Gemessen am Zündstoff der vorliegenden Platte kann man von einer direkten Fortsetzung ihres ersten Tonträgers ausgehen.
Der Vierer versteht sich auf die gut in Szene gesetzten Riffs, die einen in Sympathie zu den knallenden Tracks die Luftgitarre schultern lässt, in protziger Männermanier breitbeinig in den vier Wänden die Flying V krachen lässt. Okay, an dieser Stelle ist hoffentlich ein wenig Klischee erlaubt.
Beim "Nero 3:33"-Durchhören stellt man fest, dass El Lellos Stimme eine nicht unbedeutende Rolle spielt. Neben den Gitarren-Attacken ist sein Gesang jedenfalls ein nicht von der Hand zu weisendes Markenzeichen. Mit zunehmender Spielzeit sollte man sich auch ganz vom Punk verabschieden.
Der Rausschmeißer "It's Witchcraft, Baby" ist so wie bei einer Party der Gedanke zu gehen, aber man bekommt dann doch nicht den Dreh ... noch eine Zigarette ... noch ein Bier ... man will noch gar nicht wirklich nach Hause. In die finalen gut fünf Minuten (inklusive einem letzten, kurzen Filmzitat) packt The Fastback alle Qualitäten, die die Combo schon in den vorherigen zehn Tracks gezeigt hat.
"Sunlight Kills" steht ganz im Zeichen, Vampire fernzuhalten und dazu zum Spaß einen Freudentanz zu veranstalten. Schon zu Beginn von "Nero 3:33" hat The Fastback die Fäden einer gut arrangierten Scheibe fest in der Hand. Balladen können sich hier kaum platzieren. "Snake" schlängelt sich vom Tempo her etwas langsamer durch den heißen Hard Rock-Sand, aber balladesk ist diese Nummer nicht. Schade, eine verlangsamte Nummer auf der Platte wäre vielleicht nicht schlecht gewesen. Bei "Tons Of Thunders" hat man den Stadion Rock im Visier und in "To The Very End" steht der Rock'n'Roll als Taufpate direkt hinter Keles hitzigem Solo. Toll!
The Fastback serviert uns mit ihrem Debütalbum "Nero 3:33" eine durchweg gute Hard Rock-Platte, die mit wenigen Punk-Anleihen und einigen Filmzitaten durchsetzt ist.
Line-up:
El Lello (vocals, guitar)
Kele (guitar)
Mav (bass)
Cipo (drums)
Tracklist
01:Eat Me (Like A Walking Dead) (4:09)
02:Sunlight Kills (3:13)
03:Heartless (4:02)
04:Demons, Demons, Demons (6:40)
05:Ghost Stallion On A Desert Highway (4:58)
06:Salem's Nightmare (4:26)
07:Snake (4:36)
08:She Dances With Knives (4:09)
09:Tons Of Thunders (2:56)
10:To The Very End (3:24)
11:It's Witchcraft, Baby! (5:06)
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