Fields Of Lentils / Beside The Bluegrass Parkway
Beside The Bluegrass Parkway Spielzeit: 39:54
Medium: CD
Label: Eigenproduktion, 2012
Stil: Roots


Review vom 28.12.2012


Markus Kerren
Es ist immer wieder erstaunlich, welch kleine Perlen einem manchmal wie aus dem Nichts zugeflogen kommen. Bereits als ich die Band Fields Of Lentils vor wenigen Wochen eher ungeplant in kleinem Rahmen live auf der Bühne erleben durfte, horchte ich umgehend aufgrund ihrer tiefen Wurzeln in der Roots Music und dem starken Gesang von Gitarrist Niels Noortwijck auf. Nach dem relativ kurzen Gig (etwa eine halbe Stunde) erhielt ich dann auch ein Rezensionsexemplar des in diesem Jahr aufgenommenen Debüts "Beside The Bluegrass Parkway".
Bereits beim Opener "Motown In The Sky" fühlt man sich vom Feeling und der Atmosphäre des Tracks mindestens vierzig Jahre in die Vergangenheit zurück versetzt. Eher langsamer gehalten und deutlich vom Blues durchtränkt, groovt sich der Dreier so langsam warm. Schon hier verleihen dem Album das Cajon von Berthold Hering und der mit tonnenweise Gefühl sowie Soul ausgestattete Gesang von Noortwijck eine ganz spezielle Aura, während Marc Haiber am Bass dem Ganzen ein felsenfestes Fundament verleiht.
"This Night" setzt dann durch sein starkes Songwriting sogar noch einen drauf, während die Nummer von ihrer Stilistik einen ganz fetten Johnny Cash-Einschlag (der frühen Jahre) aufweisen kann. Auch der Gesang frisst sich ohne Widerspruch zu dulden in die Gehörgänge und weigert sich beharrlich, sich von dort in näherer Zukunft wieder zu verabschieden. Das nächste absolute Highlight (und davon hat diese Scheibe nicht gerade wenige aufzuweisen) hört auf den Namen "Four Red Roses". Relativ simples Riffing beginnt den Track, der sich dann aber zu einem weiteren Ohrwurm entwickelt, der dazu mit einem ganz feinen Gitarrensolo veredelt wird.
Manche Stücke (wie etwa "Used By All" oder "Only One Tear To Cry") der Nussdorfer (unweit von Ludwigsburg gelegen) erinnern mich vom Gitarrenspiel und Sound auch etwas an die englischen Blueser der Endsechziger (wie etwa Peter Green's Fleetwood Mac oder Chicken Shack). Berthold Hering wechselt zwischen den Songs immer wieder mal vom Cajon zum Schlagzeug und wieder zurück, was zusätzliche Abwechslung bringt. Richtig schön flott und wieder im Johnny Cash- (und irgendwie auch jungen Elvis Presley-) Land angesiedelt kommt dann "Get Shorties". Das ist einfach supergeil gemacht und geht die Ohren runter wie Öl.
Die Songs sind insgesamt gesehen eher schlicht gehalten, aber was die Instrumentalisten daraus machen, lässt sich allemal hören. Dazu kommt der (man kann es nicht oft genug sagen) sensationell gute Gesang von Noortwijck, der authentisch, echt und ehrlich rüberkommt. Ein weiterer Favorit des Rezensenten ist "Heartbroken In An Empty World", das einmal mehr als groovender Blues auf ganzer Länge überzeugt. Aber es gibt sowieso keinen einzigen Ausfall unter den zwölf Titeln auszumachen.
Beim Rausschmeißer "In Your Car" wird dann nochmal richtig schön gerockt. Man hört dieser Scheibe sprichwörtlich an, wie viel Liebe und Herzblut bei der Produktion in sie reingesteckt wurde. Ein klarer Tipp für alle, die auch nur im Entferntesten etwas mit Roots, Americana, Country und Blues anfangen können. Unbedingt also mal bei MySpace anchecken. Und wer Lunte gerochen hat, kann dieses großartige Album direkt bei der Band über die Mail-Adresse streetfightingmarc@freenet.de ordern.
Line-up:
Marc Haiber (bass)
Berthold Hering (drums, cajon)
Niels Noortwijck (guitars, vocals)
Tracklist
01:Motown In The Sky
02:This Night
03:Sunny Days
04:Four Red Roses
05:Used By All
06:Only One Tear To Cry
07:Rags And Bones
08:These Things Are Not My Cup Of Tea
09:Get Shorties
10:Hitsville Motown
11:Heartbroken In An Empty World
12:In Your Car
Externe Links: