Als ich die gute Lea vor einiger Zeit in der Dortmunder Westfalenhalle live erlebte und danach ihre CD "One Million Songs" anhörte, die wunderbar knackig frech produzierten, englisch besungenen Pop (mit dezentem Rock) offerierte, dachte ich wow, ein echtes Talent das Mädel, das sich wohltuend von so manchem künstlich herangezogenen Popsternchen
abhebt. Die Welt schien in Ordnung, ein hoffnungsvoller Karrierestart stand bevor.
War es das Ausbleiben des kurzfristigen kommerziellen Erfolges oder etwa die berühmte Baggerattacke von Bryan Adams (den Lea als Tour-Support begleitet hatte), welche die Bremerin vom internationalen Pop abschwören ließ? Wer weiß? Reine Spekulation wäre auch zu vermuten, dass sie dabei irgendwie in die tröstenden Arme eines Mitgliedes der 'Mannheimer Connection' gelangt sein muss, eine andere Erklärung habe ich eigentlich nicht für die plötzliche Wandlung zum deutschsprachigen Schnarchnasen-Pop, den sie uns jetzt auf ihrem neuen Silberling "FinnLand" zelebriert.
Sicher, die Idee auf dem qualitativ doch arg begrenzten Markt unseres Landes Fuß zu fassen, erscheint angesichts ihres Talents recht plausibel, aber muss so was wirklich in Sphären zwischen Langweiler Naidoo und Yvonne Catterfeld geschehen? Mir fehlen die Worte. Als Übeltäter mache ich Florian Sitzmann aus, der bei erstgenanntem Interpreten auch schon die Finger mit im Spiel hatte, und sich für einen Großteil des Songwritings und der laffen Produktion verantwortlich zeigt. Dabei ist der Beginn noch recht verheißungsvoll. Der dezent folkige Opener "Höchstwahrscheinlich Unwahrscheinlich" besticht jedenfalls durch witzige Wortwahl und Dichtung.
"Ich Weiß Und Du Weißt" hat zwar vom Text her echten Biss (»Ich kann nur hoffen, dass das Beste nicht die Zigarette danach ist«), dürfte aber als Zugpferd für den beim von Stefan Raab organisierten Bundesvision Song Contest, bei dem Lea am 09.02.2007 antritt, einen schweren Stand haben. Die bluesig-cool, leicht soulig wirkende Nummer fesselt nicht wirklich. Da hätte meiner Meinung nach das beste Stück des Albums, "Kann Nicht Ohne Dich", wegen seiner recht reizvoll gestalteten musikalischen Umsetzung und der schönen Melodie vielleicht größere Chancen gehabt. Der wunderbar metaphorische Text (kann sogar in zwei Richtungen interpretiert werden, 1.Nikotinsucht, 2.unglückliche Liebe), wirkt aber für so einen Rahmen allerdings auch eher zu ernst und pessimistisch.
Ab hier bekommt man dann Ruhe und Melancholie pur serviert. Das Stück "Sommermärchen" muss wohl vorab durch irgendwelche dunklen Kanäle in die Hände des Großteils der Spieler meines Lieblings-Fußball-Vereins Rot-Weiss Essen gelangt sein, die dieses Lied scheinbar fortwährend, wie einst die Klinsmann-Jungs, in der Kabine vor der Partie zu hören pflegen, anders kann ich mir ihre geistige und körperliche Lethargie seit Monaten nicht erklären. Ein echtes Schlafmittel. Zu Finns Ehrenrettung muss man allerdings sagen, dass viele Texte (zum Teil auch sehr ernst wie bei "Odyssee" - es geht um das Thema Wachkoma) und der Gesang zumindest mit der musikalisch transportierten Stimmung harmonieren.
Das zeitweilig eingeflochtene Catterfeld-ähnliche Gesäusel nervt allerdings an einigen Stellen. Selbst der nach gut zwei Minuten einsetzende Hidden-Track ("Leicht"?) am Schluss trottet träge vor sich her. Meine persönliche Messlatte im deutschen weiblichen Pop-Rock-Bereich heißt hier eindeutig Jule Neigel, und vom Typ her hätte meiner Ansicht nach diese Art von Musik viel besser zu Lea Finn gepasst. So bleibt Lea Finns "FinnLand" wohl doch eher Stoff für introvertierte, nachdenkliche Mädchen, irgendwelche Heutzutage-Mehr-Oder-Minder-Promis, die sich mit ein wenig Intellekt schmücken wollen (z. B. Verona Pooth: »Guck mal Franjo, Finnisch ist gar nicht so schwer, wie die Leute behaupten! Hört und ließt sich fast wie Deutsch, nur meine Rechtschreibung ist irgendwie anders...«) oder die 'Mannheimer-Klientel', die wohl das größte Käuferpotential darstellen dürfte. Für mehr als einen Sympathie-Bonus beim RockTimes-Redakteur reicht das leider nicht, gähn!
| Tracklist |
01:Höchstwahrscheinlich Unwahrscheinlich
02:Ich Bleib Mit Mir Stehen
03:Ich Weiß Und Du Weißt
04:Meilenweit
05:Mein Herz
06:Tränen
07:Kann Nicht Ohne Dich
08:Leise Von Hier Fort
09:Sag Nein Zu Mir
10:Ein Sommermärchen
11:Überall Gesucht
12:Sommernacht
13:Schlaflos
14:Weite
15:Oyssee
|
|
Externe Links:
|