Golden Reef / Mockery Moaning
Mockery Moaning Spielzeit: 34:01
Medium: CD
Label: Eigenproduktion, 2007
Stil: Rock, Independent

Review vom 26.04.2007


Norbert Neugebauer
Wieder mal was aus einem Rock-Exotenland. Diesmal aus Österreich.

Nein, das ist kein weiterer Beitrag zur Liebesbeziehung zu unseren südlichen Nachbarn. Aber ehrlich gesagt - wem fallen auf Anhieb mehr als drei echte Rockbands aus dem Alpenland ein? Mir nicht mal zwei.

Und deshalb ganz unvoreingenommen ans Werk.
Innerhalb der letzten Wochen ist die Scheibe überdurchschnittlich oft in meinen Musikkisten gelaufen. Was heißt, sie gefällt mir. Nicht, dass das ausgesprochen meine Mucke wäre oder ich darin einen unverzichtbaren neuen Bestandteil abendländischer Kultur erkennen würde. Aber auch trotz eher mäßiger Aufnahmequalität (deshalb der Querhörer durch die unterschiedlichen Wiedergabegeräte) und keineswegs inhaltsschwerer Songs, klingt das gut und macht mir Laune.
Viel Information gibt's auch nicht über den Austria-Vierer. Im grafisch sehr ansprechend gestalteten Booklet (ein recht auffälliger Kontrast zur Musik) ist nicht einmal aufgeführt, wer für was zuständig ist. "Mockery Moaning" ist das zweite Album der Band aus Egg (Vorarlberg), die seit 2002 besteht. Zwischenzeitlich hat sie sich in London rumgetrieben, ist im Promozettel zu lesen. Das hat ihr nicht nur offensichtlich gut getan, sondern auch hörbar Spuren hinterlassen.
Und was machen Golden Reef nun für Musik? Keine Ahnung, wie das einzuordnen ist. Zwei meist scheppernde Gitarren, ein dünner Bass, Schlagzeug wie aus der Waschküche und dazu das Shouter-Organ von Christoph Comper, der auch für das Songwriting verantwortlich zeichnet. Einfach Rockmusik - unkompliziert gestrickt, schnörkellos runtergespielt und mit lässigem Garagen-Appeal im Retro-Sound aufgenommen. Nirgends spektakulär, klingt eher sogar nach amateurhafter Unbedarftheit - aber irgendwie passt das richtig zusammen und geht ab. Zehn Songs in einer guten halben Stunde, allein das zeigt, dass die Jungs schnell zur Sache kommen.
Irgendwie erinnert mich das an ganz frühe Beatzeiten, absolut Lo-Fi und immer fröhlich drauf los. Inzwischen bin ich mir jedoch sicher, dass das keineswegs so im Vorbeigehen aufgenommen wurde, wie es sich oberflächlich anhört. Von wegen 'Affengestöhne'! Das ist wohlüberlegt und richtig gut gemacht; die Scheibe hat sich nicht von ungefähr immer wieder dann vorgedrängt, wenn ich mal wieder 'einfache' Musik hören wollte. Funktioniert im Auto genauso wie auf dem Billig-Henkelmann im Hobbykeller.
Mit einem simplen Gitarrenriff beginnt "Kick In The Teeth" und dann rumpelt es kräftig los. Immer wieder kurze Breaks und schnelle Akkordwechsel, Comper röhrt mit einem "My Generation"-Stotterer kräftig drüber. Golden Reef haben wohl auch mal öfters in die Punk-Schuppen an der Themse reingeschaut. Beim Titelsong taucht ein Stranglers-Bass auf und dann wird mit "Pickin Stars" erstmal der Gang rausgenommen. Hört sich ein bisschen nach Entspannung à la Hootie & The Blowfish an. "Dance On Its Grave" ist ein reichlich melancholischer Slow-Song, der jeder gestandenen Americana-Band Ehre machen würde.
Schluss mit der Gefühlsduselei: "Easy As Hell" rifft und hat eine tierische Hookline - that's Rock'n'Roll and I like it! "Outside The Doors" ist der nächste Hammer aus der Beatkiste, aus der die Who, die Kinks, die Small Faces und die Spencer Davis Group frech rausschauen. Etwas poppiger, mit unterlegtem Chuck Berry-Riff schließt sich "Are You Lookin At?" an, Status Quo haben bei "Knockin" mal ihre Boogie-Blaupause hergeborgt und "King Of The Road" setzt noch einen drauf - das ist der perfekte rotzige Retro-Rocker. "Would You" schließt das leider etwas knapp geratene Album mit sparsam-akustischer Begleitung ab. Comper unterstreicht, dass er zwar nicht gerade ein begnadeter Sänger ist, aber mit so einem hemdsärmelig-gefühlvollen Song wohl jede Tussi rumkriegt.
Ich wette, die Jungs gehen live richtig ab! Ab Mai 2007 stehen einige Auftritte in Österreich an, deren Termine ihr auf unserer Tourseite erfahren könnt.

Und für das nächste Album bitte etwas mehr Spielzeit und dafür weniger Garagensound. Schönen Gruß nach Egg!
Line-up:
Christoph Comper (guitar, vocals)
Johannes Bischof (sologuitar)
Raimund Natter (bass)
Mathias Niederwolfsgruber (drums)
Tracklist
01:Kick In The Teeth
02:Mockery Moaning
03:Pickin Stars
04:Dance On Its Grave
05:Easy As Hell
06:Outside The Door
07:Are You Lookin At?
08:Knockin
09:King Of The Road
10:Would You
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