The Gracious Few / Same
Same Spielzeit: 58:15
Medium: CD
Label: earMusic/Edel, 2010
Stil: Rock

Review vom 11.12.2010


Joachim 'Joe' Brookes
Aus zwei mach eins. Allerdings wird man erst einmal ganz vorsichtig, wenn es um eine musikalische Zusammenkunft einer Band wie The Gracious Few geht. Chad Taylor, Patrick Dahlheimer sowie Chad Gracey von Live machen gemeinsame Sache mit den Candlebox-Leuten Kevin Martin und Sean Hennesy.
Dass die neu formierte Gruppe über Potential verfügt, steht wohl außer Frage. Ob die gebotene Musik des Quintetts auch zu Freudensprüngen Anlass gibt, gilt es noch zu erkunden. Ein Dutzend Songs mit einer Gesamtspielzeit von fast einer Stunde stehen auf dem Prüfstand. Ganz zum Schluss gibt es ein Stück von guten zehn Minuten.
Beim Hören stellt man fest, dass die Musiker ihre Vergangenheit hinter sich gelassen haben und die Zukunft auf einem neu gegossenen Fundament aufbauen wollen. Das Album klingt frisch und rockt richtig gut ab. Die beiden Gitarristen Chad Taylor und Sean Hennesy variieren ihre stürmischen Saitenfahrten zwischen Seventies-Hard Rock, geschmiert mit ein wenig 12-Takter-Öl, und Grunge-Attitüden. Hier macht The Gracious Few seine Sache enorm qualifiziert und der Hörer bekommt richtig Spaß an dem Rundling.
In den besinnlicheren Momenten der Platte rutscht die Band schon einmal in eine gewisse Beliebigkeit ab. Versetzt mit rhythmischen Ansätzen von Reggae ist "Crying Time" eine Ballade, der die Gruppe nicht soviel Pathos einhauchen konnte, damit sie ankommt. Stilistisch hat das Stück kaum Enterhaken und beim Hörer reagieren die Gefühle eher mit einem Lotusblüten-Effekt. So etwas konnten zum Beispiel die frühen U2 besser. "What's Wrong", die langsame Nummer zwei ist da schon aus anderem Tränendrüsen-Stoff. Martin hat einfach mehr Emotionalität auf den Stimmbändern und die Gitarren legen ihr Augenmerk eher auf Farbtupfer, als mit der Quaste zu arbeiten. Feiner Song!
Die zehn Minuten "Sing" sind dann ein Dauerbelastungstest für das Feuerzeug und zum Mitsingen ist dieser dynamische Track allemal. Zwischendrin wird's gut rockig und man kann dem Anzünder dann doch eine Pause gönnen.
"Appetite" ist genau die richtige Eröffnung für das Debüt-Album der Amerikaner. Sphärisch-ätherisch kommt die Nummer zunächst besinnlich aus den Startblöcken. Dann wird aber gerockt, dass die Schwarte kracht. Es ist die erste Minute, die eine falsche Fährte legt. Chad Gracey trommelt hervorragend und der hymnische Männerchor im Refrain sorgt für viel Aufmerksamkeit. "Honest Man" ist nicht ganz so ehrlich, wie es der Titel ausdrückt. Fast wie eine Stoner Rock-Band schmust The Graceious Few mit den Siebzigern und hier speziell als blinder Passagier im Luftschiff.
"Guilty Fever" hat schon längst vergessene Grunge-Anleihen und mit "The Few" gibt man ordentlich Gas. Die Schwachstelle des Albums ist "The Rest Of You". Gemessen am vorher gebotenen harten Rock liegt dieser Song wie schwerverdauliche Kost im Magen.
Für die Produktion hat man den bereits bei Live aktiven Ex-Talking Heads-Mann Jerry Harrison wieder verpflichten können und einer im Informationsblatt zitierten Äußerung von Gracey mag man so gar nicht Glauben schenken, wenn er meint, »dass es in einem Raum ohne Druck, nur so zum Spaß, wieder funken würde.«
Nur so zum Spaß? Dann ist das Debüt schon eine feine Sache. Will man allerdings im Rockzirkus ein dauerhaft ernstes Wort mitsprechen, dann ist ein ganz guter Anfang gemacht. The Gracious Few schwebt mit ihrem Erstling noch nicht in himmlisch hohen Regionen.
Line-up:
Kevin Martin (vocals)
Sean Hennesy (guitar)
Chad Taylor (guitar)
Patrick Dahlheimer (bass)
Chad Gracey (drums)
Tracklist
01:Appetite (5:15)
02:Honest Man (4:12)
03:Guilty Fever (3:06)
04:The Few (3:54)
05:The Rest Of You (4:02)
06:Crying Time (5:28)
07:Silly Thing (4:28)
08:Closer (3:25)
09:What's Wrong (4:16)
10:Tredecim (4:36)
11:Nothing But Love (5:26)
12:Sing (10:09)
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