The Groundhogs / 22.04.2010, Bluesgarage, Isernhagen
Bluesgarage
The Groundhogs
Bluesgarage, Isernhagen
22. April 2010
Stil: Blues Rock, Psychedelic


Artikel vom 02.05.2010


Jürgen Bauerochse
GroundhogsLegt man das Gründungsjahr 1962 zugrunde, so steuern The Groundhogs, benannt nach dem "Groundhog Blues" von
John Lee Hooker, stramm auf ihr fünfzigjähriges Bühnenjubiläum zu. Okay, es gab immer wieder Unterbrechungen in der Bandgeschichte, in denen Gitarrist/Sänger Tony McPhee unter seinem eigenen Namen oder als Mitglied verschiedener anderer Gruppen (The Dollarbills, Herbal Mixture, John Dummer Blues Band) dem Blues und seinen diversen Spielarten frönte. Doch ganz konnte er sich nie von seiner Stammband verabschieden, und so kam es immer wieder zu Reunions der Groundhogs in wechselnden Besetzungen.
GroundhogsDieses Wechselspiel ging bis ins Jahr 2004 so weiter, genauer gesagt bis zum 4. Oktober, denn an diesem Tag verkündete Tony »das endgültige Ende der Band« im Internet. Bis dahin hatten die Groundhogs als Begleitband von
Champion Jack Dupree und John Lee Hooker auf ihren jeweiligen Touren durch England die größten Erfolge erzielt, ohne jedoch auf dem Plattenmarkt großartig punkten zu können. Die Band galt weiterhin lediglich als Geheimtipp unter den Fans, wobei besonders der zwischen Blues- und Psychedelic Rock angesiedelte Gitarrenstil McPhees Vergleiche mit Jimi Hendrix aufkommen ließ. Doch finanziell brachten die Groundhogs nicht all zu viel auf die Beine.
GroundhogsDoch Tony wäre nicht er selbst, wenn auch der 'endgültige' Split der Gruppe nur eine Momentaufnahme gewesen wäre. Schon im Jahr 2005 war er wieder unterwegs in den Clubs des Vereinigten Königreiches, unter anderem auch im Paket mit Wishbone Ash, und konnte so allen Groundhogs-Anhängern die Unverwüstlichkeit der Band demonstrieren. Bis zum Juni 2009 gab es fast keine Pause, aber dann ereilte den Protagonisten aus heiterem Himmel ein Schlaganfall und setzte ihn für längere Zeit außer Gefecht. Doch der Unverwüstliche rappelte sich erneut auf. So ist ein neues Studio-Album in Arbeit, und mit dem Gig in der Bluesgarage wurde die Deutschland-Tour 2010 an diesem Donnerstag beendet. Ein Tony McPhee lässt sich eben nicht so leicht unterkriegen!
GroundhogsNeben dem Mastermind bestand das Band Line-up aus Drummer Carl Strokes, sowie dem Bassisten Dave Anderson, der schon in den achtziger und neunziger Jahren zum festen Stamm der Groundhogs gehörte und außerdem vorher die dicken Saiten bei Amon Düül II und Hawkwind bediente. Für die Vocals war diesmal die Sängerin Joanne Deacon zuständig, mit der Tony McPhee inzwischen auch ein akustisches Duo gegründet hatte, denn seine Stimme war noch nicht wieder voll hergestellt. So übernahm er lediglich bei einem Song den Gesang und überließ ansonsten der Lady die Kommunikation mit dem Publikum, was sich aber nicht als Nachteil herausstellen sollte, denn Joanne verfügt über eine wirklich starke Stimme.
GroundhogsUnd auch optisch war die Shouterin mit ihrer Show eine absolute Bereicherung auf der Bühne. Ständig in Bewegung flitzte sie von einem Ende zum anderen und trieb so die übrigen Bandmitglieder immer wieder an. Ihr Tanzen und Mitgehen zu den Sounds wirkte fast schon ansteckend beim kleinen aber feinen Publikum, das sich ansonsten wohl ausschließlich auf die Ausbrüche von Tony McPhee konzentriert hätte, und in der Tat ließ es der Gitarrist wieder mal ordentlich krachen. Der Verzerrer an seinem Instrument hatte kaum eine ruhige Minute und war schon sehr schnell auf die richtige Betriebstemperatur gebracht. Und wenn dann auch noch das Bottleneck-Röhrchen zum Einsatz kam, dann war der inzwischen 66-jährige Tony ganz in seinem Element.
GroundhogsDoch leider ließ der Sound bei diesem Konzert ein wenig zu wünschen übrig. Während die Rhythmusgruppe, die übrigens perfekt harmonierte, klar und deutlich aus den Boxen dröhnte, wirkte der Klang der Gitarre doch irgendwie schwammig und kam nicht optimal zur Geltung. Auch das Lautstärkeverhältnis zwischen Tony und dem Rest der Band war nicht ganz ausgewogen, denn in manchen Passagen wurde die Leadgitarre fast von Bass und Schlagzeug übertönt. Auch Joannes Gesang ging bei einigen Songs ziemlich unter. Schade, denn bei den ruhigeren Blues-Nummern zeigte sich deutlich, wie stark sie am Mikrofon wirklich war. Hier wäre etwas mehr Feingefühl am Mischpult sehr angebracht gewesen.
GroundhogsAnsonsten bot das Konzert eigentlich genau das, was ich von der Band erwartet hatte. Blues Rock mit einigen heftigen Ausflügen in den Psychedelic Rock-Bereich. Tony McPhee mit seinem typischen schrägen Gitarrenstil, für den er bekannt ist. Immer am Rand zu ausufernden Frickeleien, aber nie den Blues aus den Augen verlierend, ließ er die Saiten glühen und bewies so sein enormes Feeling an der Gitarre. So etwas ist wahrscheinlich nur möglich, wenn man jahrzehntelang fast täglich auf der Bühne steht und so sein Instrument verstehen lernt.
Leider war nach nur einer Zugabe und fast genau neunzig Minuten schon wieder Schluss. Trotzdem können wir zufrieden sein, diesen Mann nach so einer schweren Erkrankung wieder einigermaßen fit auf der Bühne erlebt zu haben. Wie schon geschrieben: Ein Tony McPhee lässt sich eben nicht so einfach unterkriegen, und das ist auch gut so!
Line-up:
Tony McPhee (guitar)
Joanne Deacon (vocals)
Dave Anderson (bass)
Carl Stokes (drums)
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