Wenn aus dem Wort 'Geriatrie' per Wortspiel der Bandname Guerilla Tree wird, wie Band-Mitgründer Rene Krov in einem Interview verrät, dann weiß man schon mal: Die Jungs haben Spaß an dem, was sie da tun. Weniger 'launig' ist die Stimmung, die die 2010 bis 2011 in Leverkusen zusammengefundene Truppe verbreitet. Ihr Deübtalbum "Mental Leaps" klingt nämlich sehr düster und ernst - aber damit lassen sich ja im Prog-Genre bekanntlich ordentlich Punkte sammeln. Das tut die Band! Und es ist den fünf Mitgliedern anzuhören, dass es keine absoluten Jungspunde sind, sondern dass sie schon Jahre lang in anderen Bands (u.a. Jois, Sky's Shadow, Paranoia, Strife Zero) Erfahrung gesammelt haben.
"Mental Leaps" klingt wuchtig, tieftönig - sehr ausgereift für ein Debütalbum - und macht von Anfang an keine Gefangenen. Der Stil von Guerilla Tree ist geprägt von erdigen, groovenden Dampfwalzen-Riffs. Und die heavy vor sich hin arbeitende Dampfmaschine verwendet als Schmiermasse glühend heißes Schweröl aus Orgelsounds. Alternativ haben die Keyboardklänge auch schon mal diesen gewissen spacig-psychedelischen Klang mit einem Hauch von 'Retro'. Und genau dann klingen Guerilla Tree plötzlich ein bisschen nach Dream Theater in dramatisch-monumentaler "Octavarium"-Gangart. Und das ist nur eine von vielen Referenzen, die einem in den Sinn kommen.
Der ernste Dunkel-Prog mit einer gewissen dramatischen Grundspannung erinnert an Redemption, in elegischen Sequenzen sogar eher an Tool - und das kommt des Öfteren vor, weil die Band schon mal gern im zähen Tempo agiert, Zeitlupen-Double-Bass inklusive. Dazu kommt noch sehr organischer Sound, bei dem die Drums richtig knallen - das macht Eindruck! Guerilla Tree verarbeiten auch zahlreiche Gothic-Einflüsse von Paradise Lost bis hin zu Type O Negative - da, wo es ganz dramatisch düster wird. Dazu passt auch Rene Krovs etwas klagender, markanter Gesang - theatralisch, teils elegisch. Das hat auch etwas von Pain Of Salvation.
Die Stärke der Band liegt nun aber auch darin, dass man sich beim Hören gar nicht allzu lange an dem Bekannten entlang hangelt. Man lässt nach ein paar Takten immer wieder gerne los, denn Guerilla Tree klingen in ihrem Gesamtmix eigen und warten mit vielen kleinen und großen Highlights auf: die weit ausholende, sehr emotionale Gesangsmelodie von "Time", das eingängige und fast 'Hit'-verdächtige "Hear What I Say", die genial-graue, melancholische Hookline von "Indocyanine Green", das Spiel mit den Tempi inklusive überraschend dynamischer Drives in "G-Land" und "The Time Has Come", die tiefschwarze Bann-Atmosphäre von "Fields Of Joy" oder das beachtliche Frickel-Solo über Orgelteppichen in "My Lovely Pain".
Einziges Manko dieses Debütalbums ist unterm Strich, dass einige Atmosphären einander ziemlich ähneln. Ins Positive verkehrt, ließe sich aber genau so gut sagen: Die Band hat ihren kraftvollen, authentischen Sound und ihren mysteriösen, düster-spannenden Stil und präsentiert das konsequent. Und die hohe technische Qualität gepaart mit gutem (bewusst nicht allzu sperrigem) Songwriting macht "Mental Leaps" so fein zu hören. Das geheimnisvoll anmutende Artwork der CD samt Fotoshooting mit feinsinnigem Spiel aus Licht und Schatten rundet den Eindruck dieser Band richtig gut ab. Es ist eine Band, von der es bestimmt - und hoffentlich - in Zukunft noch viel zu hören geben wird.
Line-up:
Rene Krov (vocals, guitar)
Sascha Trojahn (guitar, backing vocals)
Chris Müller (keyboards, sound effects)
Robin Steffens (bass)
Robert Braune (drums)
| Tracklist |
01:The Healer (6:57)
02:Time (5:18)
03:Hear What I Say (4:46)
04:G-Land (4:37)
05:Indocyanine Green (7:02)
06:The Time Has Come (4:58)
07:Fields Of Joy (5:43)
08:My Lovely Pain (7:14)
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