Guru Freakout! / Mothership
Mothership Spielzeit: 75:19
Medium: CD
Label: Purple Pyramid Records (Cleopatra Records), 2014 (Hallelujah, 1971)
Stil: Experimental, Psychedelic

Review vom 26.09.2014


Ulli Heiser
So geht es manchmal ...
Da beendet man gerade ein Review und der Postmann bringt Nachschub. An sich nichts Ungewöhnliches. Aber wenn die vor Minuten beendete Besprechung das neue Album der Krautrocker Guru Guru zum Inhalt hatte und die eben aus dem Briefkasten gefischte CD den Bandnamen Guru Freakout! auf dem Cover stehen hat, vielleicht doch.
Und mit Sicherheit hat sich der allmächtige Musikgott etwas dabei gedacht, denn die Band heißt nicht aus dem Blauen heraus Guru Freakout!, sondern hat an Drums und Percussion niemand anderes sitzen als Mani Neumeier von, ja, Guru Guru.
Da schrieb ich eine halbe Kaffeetasse vorher »Möge der E-Lurch Mani weiterhin mit ausreichend Strom versorgen...« und schon liegt das brandneue Projekt Manis vor mir. Und da aller guten Dinge drei sind, beinhaltet die CD-Version von "Mothership" drei Bonustracks, von denen zwei auf den Namen "Elektrolurch-Mutation" hören. Diese Nummer habe ich auf "45 Years Live" vor Minuten noch in der Guru Guru-Version gehört.
Ob nun Musikgott oder der Lurch ... wer glaubt da noch an Zufälle?

Guru Freakout! ist wie bereits angemerkt, ein neues Projekt, welches neben Mani aus Jürgen Engler von der Industrial-Band Die Krupps sowie Scott Telles von den texanischen Experimental- und Psychedelic-Rockern ST 37 besteht. Jürgen Engler bedient Gitarre und den Moog, während Scott Telles für die tiefen Frequenzen zuständig ist. Bis auf die beiden Lurch-Nummern ist das Album vollständig instrumental, was bei der Ausrichtung nicht weiter verwundert, denn es handelt sich um experimentelle Musik, die das Label treffend als »... one of the wildest rides into the outer reaches of experimental music« beschreibt.
Die musikalische Reise streift in der Tat die Grenzen der Melodik, was aber mitnichten bedeutet, dass man sie nur alleine anhören kann. Die Moog-Sequenzen sind nicht übertrieben eingesetzt und immer wieder sorgt die Gitarre für Wohlfühlmomente. Manis Arbeit ist natürlich nicht direkt mit der bei Guru Guru zu vergleichen. Alleine schon mal, weil er dort ja als singender Schlagzeuger mit enormem Showeinsatz zugegen ist. Scott Telles muss man eine astreine Bassarbeit attestieren. Ansonsten sind die Basser ja arme Hunde, die meistens für eine passende Begleitung sorgen. Beeindruckend ist hier sein Spiel auf Augenhöhe.
Natürlich gibt es bei den Projektaufnahmen auch einige Spielereien, die mit Sicherheit auf Manis Kappe gehen, aber im Gesamten gesehen sind da drei gleichwertige Musiker am Werk, die fernab irgendwelcher Konventionen einen Raum eröffnen, der allerlei Platz für 'gezielte Improvisation' und musikalische Freiheit bereit hält. Die drei Musiker scheinen sich blind zu verstehen - so, als würden sie schon immer miteinander musizieren. Wahrscheinlich ist es so, dass sie in ihren Hauptbands, so unmainstreamig die allesamt sind, trotzdem irgendwie gerne mal ausbrechen.
Dabei war das musikalische Zusammenkommen wohl eher einem Zufall geschuldet. Jürgen lebt in Austin und sein langjähriger Freund Mani traf zu einem Besuch ein. Jürgen arbeitete gerade mit Scott, der wiederum unbedingt Mani kennenlernen wollte. Und dann jammten sie einfach etwas in Scotts Proberaum.
Dem Ergebnis - ich wiederhole mich - ist zu keiner Zeit anzuhören, dass aus einem Jam heraus ein so perfektes Teamwork entstanden ist. Das spricht für die Klasse und Professionalität der Protagonisten. Meinen Dank an die Verantwortlichen, die diese Aufnahmen zur Veröffentlichung gebracht haben.
Line-up:
Mani Neumeier (drums, percussion)
Jürgen Engler (guitar, Moog)
Scott Telles (bass)
Tracklist
01:Notre Dame (Mothership) [31:14]
02:The Snows Of Mt. Bonnel [13:42]

Bonus Tracks:
03:A Little Bit Spacier [7:50]
04:Elektrolurch-Mutation [11:39]
06:Elektrolurch-Mutation (Live at the Salvage Vanguard, Austin TX) [11:39]
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