Brad Hatfield / Uphill From Anywhere
Uphill From Anywhere Spielzeit: 41:59
Medium: CD
Label: Eigenproduktion, 2012
Stil: Blues

Review vom 22.05.2012


Joachim 'Joe' Brookes
Brad Hatfield kommt aus Cincinnati, Ohio und begeisterte sich schon in jungen Jahren für den Blues. Als er zehn war, griff er zur Gitarre und im Alter von fünfundzwanzig Jahren erlitt er einen tragischen Unfall, durch den Hatfield gelähmt war. Nach einer Rehabilitations-Ewigkeit hatte er sich erholt, allerdings musste er die Gitarre an den Nagel hängen. Seine Finger machten leider nicht mehr mit. Der Blues als Antriebsfeder sorgte dafür, dass er zur Harmonika griff und nun sein Debütalbum mit dem richtungweisenden Titel "Uphill From Anywhere" auf dem Markt hat.
In allen elf Tracks, von denen sieben Eigenkompositionen und zwei aus der Feder seines Gitarristen Jon Justice stammen, spürt der Hörer, dass Hatfield den Blues hat... sowohl am Gesangsmikrofon, als auch beim Harp-Spiel. Das Album beleuchtet alle möglichen Fassetten des Genres und natürlich darf in gewisser Weise der Blues aus Chicago auch nicht fehlen. Richtig gut ist der Gitarrist Jon Justice. Sehr gut gefällt auch der Tastenmann Bernie Hatfield. Der ist auf vorliegendem Album fleißig wie eine Biene und ergänzt den Band-Sound ungemein. Durch die klasse Produktion von Justice kann man sich ohne Probleme mal auf die Keybords-/Pianospielereien von Bernie Hatfield einlassen. Der Mann ist eine Wucht und kommt natürlich auch solistisch zu Wort.
Obendrein hat Brad Hatfield noch eine klasse Stimme mit einem leichten Rauheits- und Soul-Faktor. So etwas kommt beim Hörer selbstredend gut an und wenn die Combo ganz geschmeidig in den Slow Blues gleitet, dann weiß man, dass das Feeling ganz tief in der Seele verankert ist. Justice hat viele Saiten-Variationen parat und auch das Bottleneck kommt zu seinem Einsatz. Bei der
Son House-Nummer "Death Letter" geht es ab ins Delta und hier wird die Percussion von Michael Bram in ganz großen Lettern geschrieben. Toll, wie er den Schellring zu einem der dominierenden Instrumente des Stücks macht. Oh, welche Emotionen serviert uns Brad Hatfield und sein Vater Bernie spielt ein herrlich Retro-Piano. Da kann man erahnen, woher die Blues-Gene des Sohnemanns stammen.
Ganz weit zurück in die Geschichte des Blues geht es mit der zweiten Fremdkomposition "John The Revelator" von Blind Willie Johnson. Hammer, was Hatfield & Co. aus dieser Vorlage machen. Die Rhythmusarbeit ist exotisch gut, handgemacht und effektiv. Dazu singt der Protagonist. Der letzte Track ist das Sahnehäubchen! Die Platte besteht auch mehrer Hördurchgänge und ist so weit entfernt vom üblichen 12-Takter-Einerlei, der einem manchmal vorgesetzt wird.
Dieser Jon Johnson verblüfft dann auch noch mit einem Gitarrenspiel zwischen Warren Haynes und Derek Trucks. Folglich geht die "Uphill From Anywhere"-Reise auch zum Southern Rock mit Blues-Wurzeln. Die Fußwippe wird ständig aktiviert und wenn es auf der Platte Boogie-Time ist, dann definitiv. Beim mehr oder weniger erzwungenen Wechsel von der Gitarre zum Mississippi-Saxofon zeigt den Mann in einer hervorragenden Form am kleinen Instrument. Auf der CD findet man noch weitere Perlen und Brad Hatfield hat eine echt gute und frisch aufspielende Band hinter sich. Respekt! Einige Musiker wie zum Beispiel Jon Justice oder Gast-Gitarrist Dave Gross können auf eigene Alben verweisen.
Brad Hatfields Debüt "Uphill From Anywhere" ist überzeugend und darauf lässt sich eine weitere Karriere prächtig aufbauen. Klasse ist auch Gast-Harper Dennis Gruenling, der "Too Good To Give Away" zu einem Hinhörer werden lässt. Das Blues-Spektrum ist weit gefächert und in allen Bereichen kann der Protagonist punkten.
Line-up:
Brad Hatfield (vocals, harmonica)
Jon Justice (electric guitar, acoustic guitar)
Bernie Hatfield (electric piano, organ, Wurlitzer, upright piano)
Scot Hornick (electric bass, upright bass)
Michael Bram (drums, percussion)

Special Guests:
Dave Gross (acoustic guitar - #2, rhythm guitar - #3)
Dennis Gruenling (harmonica - #10)
Tracklist
01:Witness To My Misery [Hatfield] (4:03)
02:Fit To Be A Fool [Hatfield] (3:51)
03:One More Night [Justice] (4:07)
04:She Got Time [Hatfield/Justice] (3:02)
05:Somebody's Git To Lose [Hatfield] (3:41)
06:End Of Time [Justice] (3:54)
07:Livin' Out The Lie [Hatfield] (4:17)
08:Death Letter [House/Finnigan] (5:07)
09:Headstrong Baby [Hatfield] (2:55)
10:Too Good To Give Away [Hatfield] (4:21)
11:John The Revelator [W. Johnson] (2:41)
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