"Corrugated Road" ("Wellblechpiste") bezieht sich natürlich auf sein ständiges Touren quer durch das Land. Irgendwann hat seine Karre schlapp gemacht und er ist einfach in dem kleinen Nest im Nirgendwo geblieben, wo er gestrandet war. Eine Gartenhütte diente für die nächsten Monate als Unterkunft und die Auszeit nutzte er für die musikalische Reflektion seines Lebens und Unterwegsseins.
Allerdings hat der Mittdreißiger die dort geschriebenen Songs nicht als lonesome Hobo mit Lagerfeuerromantik eingespielt, die Tracks sind ansprechend instrumentiert und er hat das ganze Album sehr geschmackvoll selbst produziert. Es verströmt eine emotional ausgesprochen dichte Atmosphäre, gleichzeitig intim und dennoch offen für die Zuhörer. Klar, zuhören sollte man dem Aussie schon, er schreibt schöne Poesie. Aber die zehn Songs sind so aus einem Guss, dass die Platte durchaus auch als Soundtrack für eine Sonnenstunde auf der Terrasse (bzw. eine gemütliche Runde auf dem Sofa in den dunklen Tagen) bestens geeignet ist. Und bietet neben viel Ohrwurmqualität auch jede Menge Reminiszenzen an die Großen der Zunft.
Gleich der Opener "Wild Blue Sky" hat das alles. Ganz eindeutig eine Hommage an
'Ol' Neil' mit der "Heart Of Gold"-Harp. "Wonderment" wäre ein weiterer Hit für
Norah Jones und zeigt, dass Geigenuntermalung keineswegs kitschig sein muss. Eine leichte Brise West Coast weht mit "How She Looked" und
Hunt erhält stimmliche Unterstützung von
Ida Trovato. Und das Küsten-Lüftchen wird bei "Watch Me Go" schon etwas kräftiger. Das Gitarrenzwischenspiel klingt schwer nach
CSNY und Konsorten. Der country-angehauchte Titeltrack shuffelt mit dem Besen über der Snaredrum, einem schönen Melodieriff auf den tiefen Gitarrensaiten und verhallter, warmer Stimme. "Make It Home", wieder mit der guten
Ida im Duett, bringt balladeske Spannung und staubt tiefrot.
Wer hätte hinter "Mona Lisa" einen satten Rocker vermutet?
Jonathan Burnside brennt einmal mehr mit seiner E-Gitarre Leuchtspuren in den Southern Sky und
Hunt bluest auf seiner Harp. Wer beim Titel vom puristisch eingespielten "She Gave Me Shelter" schon mal an Mr.
Dylan denkt, der liegt überhaupt nicht verkehrt. Allerdings klampft, bläst und singt der Typ aus dem Outback um Welten besser! Und der lässt mit seinem "North West Wind" die Melancholie einer vergangenen Liebe über die weite Prärie wehen. Und erneut mit Maid
Ida an der Seite sowie "She's Waiting" sein wunderbares Album ausklingen. Fast. Es gibt noch einen 'Hidden Track' - einen satten Delta-Shuffle mit der Harp zum Zungeschnalzen.
Freunde des weiten Felds 'Americana', lasst euch dieses Album nicht entgehen! Zieht es euch rein und lernt die Texte zum Mitsingen auswendig, bis Brett Hunt dann im Sommer in die Clubs kommt.