Ich muss ehrlich gestehen, dass ich die Intention von
Gary Hughes bei seinem neuem Album "Veritas" auch nach dem bestimmt neunten oder zehnten Hördurchgang noch immer nicht so richtig durchschaue. Anmerken muss ich allerdings, dass dieser mir mit seiner musikalischen Vorgeschichte weder solo, noch mit seiner Band
TEN bisher bekannt gewesen ist. Aus diesem Grunde bin ich natürlich bei der Beurteilung solcher Scheiben immer besonders um eine größtmögliche Neutralität bemüht, die hier aber ein eher negatives Gesamturteil nicht verhindern kann.
Zum einen frage ich mich, wie ein auf den ersten Blick rein äußerlich sehr charismatisch wirkender Sänger permanent so seicht rumsäuseln kann, zum anderen, warum er sein zweifellos vorhandenes Gesangspotential nicht einfach ausschöpft, denn bei einigen Stücken sehe ich durchaus die Möglichkeit, sich auf dem Niveau eines David Coverdale zu bewegen, wenn man ein wenig mehr emotional aus sich herausginge. Man hat den Eindruck Hughes singt nur mit angezogener Handbremse.
So bleiben zwar der flotte Opener "Veritas", das AOR-gemäße "See Love Through My Eyes" (hier passt die helle Stimme ganz gut), "In My Head" und "Time To Pray" aufgrund ihrer markanten und gut merkbaren Refrain-Titelzeilen, "All I Want Is You" und "The Emerald Sea" mit Ähnlichkeiten zu
Whitesnake (hier singt
Hughes mal in
Coverdale-Sphären) und das in den Strophen ein wenig an
Richard Marx erinnernde, balladeske "Wide Awake In Dreamland" ganz gut im Gedächtnis kleben, aber die integrierten, breiigen Soundteppiche und die vielen ziependen Synthie-Parts nerven auf die Dauer erheblich.
Vor allem am Stück über sechzig Minuten ist die Musik für mich nur schwer zu ertragen. Die recht häufig eingeflochtenen Melodic Rock-typischen Gitarreneinlagen sind technisch gar nicht mal schlecht, wirken aber trotzdem oftmals wie zwanghaft eingespielte Fremdkörper. Ganz schlimm das über acht Minuten dauernde "Synchronicity", das zusätzlich zu Hughes' Weichei-Gesang noch mit mehrfachen, grauenvollen "Na-na-na"-Kindergesängen bestückt wurde.
Auch wenn die Wahrheit zu Gary Hughes' "Veritas" vielleicht bitter klingt, der Protagonist hat aus meiner Sicht mit seinem Werk insgesamt weder sich, seiner Klientel, noch irgendeinem Rockmusikliebhaber einen Gefallen getan.