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"Sound Proof" ist mittlerweile das zwölfte Solo-Album des Gitarren-Virtuosen Greg Howe, der seit 1988 in relativer Regelmäßigkeit Platten veröffentlicht.
Auch mit seiner aktuellen Instrumental-CD bleibt er seinem messerscharfen Mix aus Rock, modernem Jazz und Funk der letzten Ausgaben treu.
Der allererste Eindruck machte allerdings mein Blut verdammt dickflüssig, weil der Opener "Intro" etwas ganz anderes als erwartet bietet, denn es geht irgendwie Hip-Hop- oder Rap-mäßig los.
Der Schreck darüber verzieht aber verdammt schnell, denn bereits "Emergency Exit" legt alle Qualitäten des Gitarristen offen: klasse Songwriting, Gitarrenspiel zwischen Nieder- und Hochspannung, das auch vor dem Schreddern keinen Halt macht.
Howe hat für "Sound Proof" mit dem Bassisten Jon Reshard, Gianluca Palmieri (drums) und dem Multi-Instrumentalisten David Cook eine ganz starke Band zusammengestellt.
Als Gast spielt Dennis Hamm ein bemerkenswertes Keyboard-Solo in "Side Note".
Nochmals zurück zu den ersten dreizehn 'Schrecksekunden'. Howe wirft weitere solcher Schnipsel in den Ring: "Rehearsal Note" und "Write Me A Song". Der in zwei Parts aufgeteilte Track "Connoissuer" ist, wie "Write Me A Song", ein aufgezeichnetes Telefongespräch.
Insgesamt wenig erbaulich und es sollte wohl das Geheimnis des Protagonisten bleiben, warum er damit das Album gefüllt hat.
Mit einer Ausnahme stammen alle Songs aus Howes Ideen-Quelle und mit "Tell Me Something Good" krallt er sich ausgerechnet einen Stevie Wonder-Song.
Hier steht dann auch viel Funk-Gitarre mit Wah Wah-Antrieb auf dem Speiseplan. Überhaupt scheint er in dieses Pedal verliebt zu sein, denn es gibt reichlich davon.
Insgesamt verfügen alle Stücke über einen ungemeinen Spannungsbogen. Howe ist einerseits in der Lage, die Genres zu einer eigenständigen Einheit zu verschmelzen, anderseits kann er den Hörer aber auch durch pure Rock-Riffs oder Jazz-Licks erfreuen.
Nicht nur durch das vertrackte "Emergency Exit" wird deutlich, dass er mit David Cook einen kongenialen Partner gefunden hat, dem der Gitarrist über die gesamte Spielzeit ausreichend Gelegenheit zur persönlichen Entfaltung gibt.
Howe hat Spaß am Experiment mit unterschiedlichsten Klängen und Melodien. Was er in Serie an Sound mit seiner Gitarre kreiert, ist atemberaubend.
"Sound Proof" eben.
Klar steht er im Mittelpunkt und stets geschickt wechselnde Stimmungen lassen beim Hörer nie das Gefühl der Langeweile aufkommen.
Schiebt man den "Connoissuer Part 1" mal beiseite, schwingt das Pendel vom Wonder-Funk zum Latin-Flair mit heißen Rhythmen. Hier lässt er David Cook sehr viel Raum für Solo-Ausflüge und "Reunion" soll punktuell nur als ein Beispiel für die Klang-Kreativität des Amerikaners dienen.
"Morning View" ist geprägt durch das Wechselspiel zwischen akustischer und elektrischer Gitarre und hier stellt Cook die Knöpfe seines Keyboards auf Piano-Klang. Für eine Ballade ist das vorgelegte Tempo von Drummer Gianluca Palmieri und Bassist Jon Reshard noch zu hoch.
Erst in "Sunset In El Paso" zeigt der Saiten-Virtuose, was es heißt, eine Jazz-Ballade zu kredenzen. Nur vom Piano begleitet, wird dieses Stück, durchgängig auf der Akustischen gespielt, zu einem Highlight der CD. Die 56 Minuten brauchen solche Phasen.
"Sound Proof": Den Titelsong muss man schon als eine Besonderheit auf dem Album betrachten, denn die Komposition ist von der ersten bis zur letzten Sekunde feinster Jazz Rock. Ein dickes Lob geht an den Schlagzeuger Gianluca Palmieri. Der ist erste Sahne!
Die Basic-Tracks wurden in den kalifornischen Prairie Sun Studios eingespielt und die zusätzlichen Gitarren und Keyboards in Gregs eigenem Studio. Somit hört man in "Child's Play" nicht zum ersten Mal zwei 6-Saiter. Zu funkiger Untermalung improvisiert Howe variantenreich.
"Walkie Talkie" ist ein geschickt arrangiertes Konglomerat an diversen Stilen. Rockig eingeleitet wechselt Howe zum Jazz Rock. Schwer pumpt der Bass und Palmieri trommelt differenziert. Darüber liefert Cook ein obskures Keyboard-Solo. Große Klasse!
Zum Glück wird die Schredder-Gitarre nicht zu oft ausgepackt.
Ansonsten würde der Rezensent für "Sound Proof" keine 7-8 von 10 RockTimes-Uhren anfassen.
Man muss allerdings ein Fan von Jazz Rock mit experimentellem Charakter sein, sonst geht hier gar nichts.
Line-up:
Greg Howe (guitar)
Jon Reshard (bass)
Gianluca Palmieri (drums)
David Cook (keyboards)
Dennis Hamm (keyboard solo - #9)
| Tracklist |
01:Intro (0:13)
02:Emergency Exit (7:31)
03:Tell Me Something Good (5:37)
04:Connoissuer Part 1 (0:29)
05:Reunion (5:52)
06:Morning View (4:36)
07:Walkie Talkie (6:14)
08:Rehearsal Note (0:17)
09:Side Note (7:13)
10:Sunset In El Paso (4:15)
11:Write Me A Song (0:30)
12:Child's Play (4:26)
13:Sound Proof (6:41)
14:Connoissuer Part 2 (2:28)
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Externe Links:
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