Ihr Heimatland Australien haben Hussy Hicks bereits im Sturm erobert. Aber dabei ist es nicht geblieben, denn auch in den Vereinigten Staaten (u. a. im Vorprogramm von Bob Dylan) und beim englischen Glastonbury Festival haben sie schon ihre Spuren hinterlassen. Nun soll schließlich der europäische Kontinent ebenfalls dran glauben. Exklusiv dafür wiederveröffentlicht wurde in Deutschland das zweite Album, "A Million Different Truths". Davor wurden bereits das Debüt "Life Plays Out" (2008) und die DVD "Hussy Hicks Live At The Soundlounge" (2009) auf die Öffentlichkeit losgelassen. Die vorliegende Scheibe wurde im Land der Kängurus im letzten Jahr veröffentlicht.
Hinter dieser vermuteten Band, die eigentlich ein Duo ist, verbergen sich Leesa Gentz und Julz Parker. Zum festen Stamm gehören jedoch sowohl die Bassistin Tracy Stephens wie auch der Schlagzeuger Rohan Hems. Die Musik der beiden australischen Ladies setzt sich aus einer Mixtur aus Folk, Country, Singer/Songwriter und Blues zusammen, wobei sich Julz Parker zu Hause bereits den Ruf einer Ausnahme-Gitarristin erspielt hat. Was sie auf den vorliegenden zwölf Tracks auch eindrucksvoll unter Beweis stellt. Dabei geht sie gar nicht mal halsbrecherisch oder reißerisch vor, vielmehr liegt die Stärke ihres Spiels in der abgeklärten Kraft der Routine und des massenhaft vorhanden Feelings.
Alle beide Musikerinnen haben Lead Vocals übernommen, wobei Lessa Gentz hier ganz klar den Löwenanteil für sich hat. Und mit "Good Things Take Time" eröffnet sie dann auch den Song-Reigen. In lockerem Folk/Pop perlen die Akkorde wie auch der gute Gesang aus den Boxen, wobei sich letzterer in der Bridge und dem Refrain mit guten Hooks aufwarten kann. Schon hier fallen die starken Gesangs-Harmonien der beiden Protagonistinnen sehr angenehm auf. "Sunday Song" ist dagegen eher zurückhaltend-melancholisch, punktet aber durch eine dichte Atmosphäre und Leesas rundum starken Gesang.
Insgesamt gesehen ist das Album sowohl locker-flockig, wie auch getragen. Auf's Gaspedal wird vollkommen verzichtet, vielmehr setzen die Mädels vom fünften Kontinent verstärkt auf Stimmungen und hervorragende musikalische wie gesangliche Leistungen. Es gibt allerdings einige Ausbrecher, wie zum Beispiel "My Fault", bei dem Gentz' Gesang sich zunächst geradezu zerbrechlich in Szene setzt, um dann nach zwei Minuten in überraschend brachiale bluesig/soulige Höhen abzuheben. Wie auch bei "Confusion: Im Prinzip ähnlich aufgebaut und klasse mit Jazz-Besen unterlegt, bricht Leesa Gentz auch hier nach knapp drei Minuten plötzlich aus wie ein Vulkan, der nicht mehr zu stoppen ist. Stark!
"Millisecond" beginnt als cooler Guitar-Stomp und zieht sich, gesanglich dieses Mal von Julz Parker veredelt, bis zum Ende so durch. Unterstützung liefert hier Greg Parker an der Harmonika. "Six Bar Jail", einmal mehr von den Jazz-Besen Hems' unterlegt, ist ein langsamer Blues, der allerdings auf die 12-Takter-Stilistik verzichtet und sich mit eher leisen, eindringlichen Tönen Gehör verschafft. Das Gitarren-Solo am Ende wird dabei wahrscheinlich nur Toten keine Gänsehaut mehr verpassen. Ähnlich, aber anders und einmal mehr umwerfend das totsterbens-gefühlskranke "Lonely", das mit nicht mal dreieinhalb Minuten leider viel zu kurz geraten ist. Mein Tipp: Rewind-Taste drücken!
Hussy Hicks haben mit "A Million Different Truths" ein tolles Album vorgelegt, das es wert ist, entdeckt zu werden. Dazu wird im Begleit-Text zur CD versprochen, dass diese Chose live auf der Bühne noch mal doppelt und dreifach so eindringlich wirken soll. Zum Reinhören würde ich "Good Things Take Time", "My Fault", "Confusion" und "Lonely" empfehlen. Vielleicht ist den beiden Ladies (noch) kein Album für die einsame Insel gelungen, aber wenn die zwei in Zukunft mit dieser Methodik weiterarbeiten und vielleicht noch ein, zwei Tracks mit richtigen Killer-Hooks einbauen, dann kann ich mir vorstellen, dass wir von diesen Australierinnen noch einiges hören werden.
Line-up:
Leesa Gentz (vocals, acoustic guitars, percussion)
Julz Parker (guitars, vocals)
Tracy Stephens (bass)
Rohan Hems (drums)
Mit:
Nathan Manton (didgeridoo - #4)
Marshall Okell (slide guitar - #4)
Ando (Hammond organ -#8)
Greg Parker (harmonica - #9)
Tracklist |
01:Good Things Take Time
02:A Million Different
03:My Fault
04:Don't Talk To Me
05:This Time
06:Confusion
07:Six Bar Jail
08:Lonely
09:Millisecond
10:Sunday Song
11:Secrets
12:You Are
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