Johnny Hawthorn / Death & Taxes
Death & Taxes Spielzeit: 29:17
Medium: CD
Label: Abe's Records, 2009
Stil: Roots Rock, Americana

Review vom 24.08.2009


Markus Kerren
Johnny Hawthorn kommt eigentlich aus Philadelphia, entschloss sich aber vor etwas mehr als zehn Jahren, von der Ostküste zur Westküste, genauer gesagt Los Angeles, umzusiedeln. Nach einer musikalischen Ausbildung blieb er dann dort hängen und arbeitete als Leih-Musiker, zur heftigsten Zeit gar für sechs Bands gleichzeitig. Einen großen Schritt nach oben machte er, als er von der in den USA sehr angesagten Band Toad The Wet Sprocket angeheuert wurde und diese Truppe seit dem Jahr 2002 vor allem als Live-Musiker unterstützt.
Sein Solo-Debüt, bzw. die gleichnamige Scheibe der Johnny Hawthorn Band lieferte der Multi-Instrumentalist 2007 ab und konnte damit bei Kritikern wie auch Fans kräftig punkten. Und jetzt, im Sommer 2009 liegt das Folgewerk vor. Diesmal ohne Band? Tatsächlich, Johnny hat hier fast alles selbst erledigt. Er hat produziert, sich sogar um die Tontechnik gekümmert, außer einem Cover-Song alle Tracks selbst verfasst und obendrein auch noch fast sämtliche Instrumente ganz alleine eingespielt. Neben sporadischen Gästen war lediglich Mike Sauer am Schlagzeug bei allen neun Tracks im Einsatz.
Bei "Death & Taxes" handelt es sich um ein Album, über das man sicherlich den 'Mantel' Roots Rock oder Americana legen kann, in sich ist es jedoch sehr vielfältig und deckt mehrere Bereiche ab. Der Opener "Punk In The Street" ist ein flotter Midtempo-Rocker mit kräftigen Akkorden, während der Gesang sehr schnell ins Ohr geht und Spaß macht. Der warme, natürliche Sound tut sein Übriges dazu, diese Scheibe erfolgreich zu eröffnen. Kreiert von einer schreienden Slide und einer feinen Hammond B 3.
Der folgende Titel-Track macht ebenfalls keine Gefangenen, sondern drückt das Gas-Pedal eher noch ein Stückchen weiter nach unten. Die Drums shuffeln vor sich hin und eine tot einsame Harmonika macht keinen Hehl daraus, dass sie schwer den Blues hat. Wieder sehr eingängig. Mit "Bamboozled" folgt das erste Instrumental und die Spielwiese für Hawthornes abgedrehte Hillbilly-Gitarre, die uns hier mit einer Mischung aus Rock'n'Roll, Surf und Blues Rock gut in die Ohren geht. Dass er es aber auch ganz anders kann, zeigt uns der Protagonist mit dem Country-Schmachtfetzen "Loser's Game", bei dem einmal mehr die Slide im Hintergrund ihr warmes Netz spinnt.
Den einzigen Cover-Song der Scheibe stellt Led Zeppelins (oder besser gesagt 'Blind' Willie Johnsons) "In My Time Of Dying" dar, bei dem Hawthorn zwar schon den Hut vor den vier Zeps zieht, den Track aber mit der Akustischen doch wesentlich flotter und kürzer bringt. Feine Version, cool und interessant. In eine vollkommen andere Szene, nämlich zurück in die fünfziger Jahre und in Jazz-Crooner-Bereiche a la Frank Sinatra und Dean Martin bringt uns dann "When I Kiss You", während alles ganz relaxt wird und die Besen die Felle streicheln.
Beherzt rockend mit einer kraftvollen Slide dann wieder der Blues Rocker "Cold Hearted Woman", der keine Gefangenen macht. Ein Titel der Marke Allman Brothers Band - "Statesboro Blues" (schon klar, dass auch die Allmans das Stück gecovert haben), der die nötige Power zum Fluss des Albums zurück bringt. Yeah, man, der "Traveling Riverside Blues" ist ein eben solcher, versehen mit einem echten Story-Text und der neben dem Gesang allein herrschenden Akustischen versehen, die mal pickt und mal slidet. Den Abschluss bildet "St. Stephen's Green", das zweite Instrumental der Scheibe, mit einer tollen, atmosphärischen Gitarre. Stark gemacht, aber auch sehr nahe an
(Peter Greens) Fleetwood Mac - "Albatross" angesiedelt.
Es gibt nicht viel zu meckern an "Death & Taxes"! Außer, dass die Scheibe mit weniger als einer halben Stunde Material zeitlich doch sehr, sehr dürftig ausgefallen ist. Für mich vollkommen unverständlich, denn aufgrund der hier dargebotenen Songs wird klar, dass Hawthorn jede Menge Potenzial und garantiert noch wesentlich mehr Tracks in der Hinterhand hat. Und wenn ich auch selbst kein Freund von Alben mit Laufzeiten von 60 Minuten und mehr (Ausnahmen bestätigen die Regel) bin, so sind meiner Meinung nach gesunde plus/minus 40 Minuten schon angebracht. Speziell in einer Zeit, in der man sich zu vergleichsweise früher fünf Alben heute gerade mal noch zwei leisten kann.
Aber wie dem auch sei, "Death & Taxes" ist ein qualitativ hochwertiges Album, bei dem bezüglich Songwriting, Sound und Einspielung alles stimmt. Ein kurzes, aber gutes Teil!
Line-up:
Johnny Hawthorn (lead vocals, guitars, bass, Hammond B3, harmonica & percussion
Mike Sauer (drums & percussion)
Tris 'Duke' Carpenter (bass - #3,7)
Steve Breitman (bass - #6)
Dean Dunning (Hammond B 3 - #1)
Carl Brown (Hammond B 3, piano - #7)
Nicole Gordon (background vocals - #1)
Tracklist
01:Punk In The Street
02:Death & Taxes
03:Bamboozled
04:Losers Game
05:In My Time Of Dying
06:When I Kiss You
07:Cold Hearted Woman
08:Traveling Roadside Blues
09:St. Stephen's Green
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