Um etwa über neue oder gar noch unentdeckte Details von Steve Hacketts Ausflügen
in dessen ganz eigenen musikalischen Sphären zu berichten, müsste man
die sprichwörtlichen Eulen nach Athen tragen.
So wandelt Steve diesmal wiederholt abseits der ausgetrampelten Pfade, genau wie
die wildwachsende Orchidee, die bezeichnenderweise auch als Titel für die aktuelle Platte herhalten musste.
Hackett über den Albumtitel: »Die Orchidee ist als kultivierte Pflanze berühmt, der
Duft ihrer wilden Form scheint aber wesentlich kräftiger und süßer. Das Album
stellt einige ungezähmte Charaktere vor, die am Rande leben und Verwüstung anrichten.«
So schafft der Künstler mit den vielen Gesichtern sozusagen eine musikalisch wohlige
Konsistenz seiner gespaltenen Persönlichkeit.
Eine besondere Affinität entwickelt der Ausnahmekünstler, wie schon bei seinem
letzten Output, zur Klassik-Thematik, wobei er auch diesmal wieder vom so genannten Underworld-Orchestra begleitet wurde.
»Wenn klassische Musik funktioniert, ist es für mich, als erhielten wir die Möglichkeit
mit den Engeln zu fliegen«, meint Hackett dazu. »Ich liebe es, Dinge zusammenzubringen, in diesem Fall den Club und die Kathedrale.«
Ansonsten gesellen sich neben seiner aktuellen Stammbesetzung, die viele auf
To Watch The Storms und den letzten Tourneen schon schätzen lernen durften (allerdings diesmal ohne
Bassist Terry Gregory), noch Hacketts kleiner Bruder John (Flöte) und ein
Mitstreiter aus vergangenen Tagen, Tastenzauberer Nick Magnus dazu.
Mit diesem exzellenten instrumentalen Hintergrund katapultiert uns der Maestro eine
grenzenlose Vielfalt an Stilen und Sounds um die Ohren, die den Zuhörer fast erschlägt, aber gleichzeitig auch fasziniert.
Zwischen rockigen Band-Kompositionen, klassischen Orchester-Arrangements,
elektronischen und produktionstechnischen Experimenten, kommt dieses neue Machwerk
seinen musikalischen Visionen und Ambitionen wohl am Nächsten.
Es eröffnet ein ständiges Wechselbad der Stimmungen, mal intensiv lyrisch, oder eher
klassisch-impressionistisch, dann wieder zupackend rockig oder tonal völlig frei, ein
beeindruckendes Kräftespiel zwischen seiner künstlerischen Intention und dem Kompendium seiner bisherigen musikalischen Laufbahn.
Den Wunsch, die Tiefen seines Instruments auszuloten und dessen Geheimnisse spielerisch
zu ergründen, hatte Steve Hackett schon während seiner Zeit bei Genesis, deren Musik er zweifelsohne mit seinem eleganten Saitenspiel prägte.
Auf "Wild Orchids" zelebriert er wieder ein pas de deux mit seiner geliebten Nylon-Gitarre, welche aber per se nie untergebuttert wird, sondern das bestimmende Werkzeug bleibt.
Ob es aber dabei von Nöten sein musste, gar ein Bob Dylan-Cover ("Man In The Long Black Coat") seinen treuen Fans ins Gemüt zu dreschen, wird wohl unter den Die-Hard-Progfans zu kontroversen Meinungen führen.
Hackett versteht es souverän, jedem seiner musikalischen Modelle einen innigen
und individuellen Ausdruck zu verleihen. Wer sich als Hörer darauf einlässt,
taucht in ein fesselndes Klanguniversum zwischen Vergangenheit und Zukunft ein.
Diejenigen, die die letzten beiden Alben von ihm gemocht haben, können hier
auch wieder bedenkenlos zugreifen, um sich an 57 Minuten (bei der Special-Edition
72 Minuten) grandiosen Artrocks zu erfreuen.
Die Coverzeichnung stammt, wie gewohnt, von seiner Ehefrau Kim Poor, welcher er auch dieses Album gewidmet hat.
"Wild Orchids" erscheint als Regular-Edition sowie als Special-Edition im Jewel Case-Schuber, mit erweitertem Booklet und vier Bonustracks.
Tracklist |
01:A Dark Night In Toytown
02:Waters Of The Wild
03:Set Your Compass
04:Down Street
05:A Girl Called Linda
06:To A Close
07:Ego And Id
08:Man In The Long Black Coat
09:Wolfwork
10:Why
11:She Moves In Memories
12:The Fundamentals Of Brainwashing
13:Howl
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