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Ein neues Gesicht in Sachen Blues Rock erreichte die RockTimes-Redaktion in Form der Debüt-Scheibe von Vince Hawkins & Company Slave. Informationen über die Vergangenheit des aus Toronto stammenden Kanadiers sind kaum zu finden, aber fest steht, dass die hier vorliegenden Songs noch mit wechselnden Begleitmusikern an Bass und Schlagzeug aufgenommen wurden, während der teilweise beteiligte Schlagzeuger Gary Glynn mittlerweile festes Bandmitglied ist. Für die dicken Saiten wurde das Line-up mit dem bei den Aufnahmen noch nicht eingegliederten Andy Bynoe komplettiert. Vince Hawkins selbst hat nicht nur alle Titel im Alleingang komponiert, sondern zusätzlich auch noch produziert.
Wenn es um Blues Rock geht und man dazu weiß, dass es sich bei der vorzustellenden Band um ein Power-Trio handelt, hat man eigentlich immer schon eine gewisse Vorstellung davon, was einen erwartet und das größte Fragezeichen ist, welchen Sound der Gitarrist wohl fahren wird. Im Fall von Vince Hawkins stellt sich bereits beim Opener "The Gods Made Love" (genau, auch der Songtitel weckt Assoziationen) heraus, dass er ein großer Verehrer von Jimi Hendrix ist. Die Nummer kommt mit mächtig viel Druck, abgefahrenen Gitarren-Effekten und macht schon mal Lust auf mehr. Der Gesang ist dabei stellenweise etwas im Sound vergraben, was noch ein Stück mehr an den 1970 verstorbenen, oben erwähnten Gitarren-Hexer erinnert.
"Goin' To The South Side" schließt nahtlos am Opener an und katapultiert den Hörer wie in einer Zeitmaschine etwa vierzig Jahre zurück in die Vergangenheit. Wobei hier, gegen Ende des Stücks, plötzlich auch Southern Rock-Einflüsse auftauchen. Und genau in diesem Metier sind wir mit "Three Kings" dann plötzlich angekommen. Einerseits ein seltsamer Stilwechsel, der aber passt und der Korrektheit halber muss auch erwähnt werden, dass die ersten beiden Tracks zu einem anderen Zeitpunkt an einem anderen Ort mit unterschiedlichen Musikern aufgenommen wurden. Auch "It's Time" klingt vom Sound zeitgemäßer und hier kann Hawkins zum ersten Mal so richtig mit seinem kraftvollen Gesang punkten.
Im Laufe der Scheibe tauchen dann immer wieder mal weitere Namen wie Stevie Ray Vaughan, Robin Trower, Frank Marino oder auch Eric Clapton vor dem geistigen Auge auf, wobei es der Protagonist aber fast immer schafft, sich seine Eigenständigkeit zu bewahren. Klasse immer wieder die wirklich gute Gitarrenarbeit, bei der mit der Hinzunahme des Wah Wah-Effekts nicht gespart wurde. Die Stücke, bei denen Hawkins zusätzlich noch den Bass übernommen hat, fallen zwar durch gutes Spiel des Viersaiters, aber auch durch deutlich weniger Druck vom Langholz kommend, auf. Trotzdem ist z.B. "Is Love" eine richtig geile Nummer, die melodisch und sehr schnell ins Ohr geht. Rein technisch hat es Hawkins voll drauf und die Gitarrenspuren hören sich mit Ecken und Kanten sowie jeder Menge Dreck unter den Fingernägeln eingespielt an.
Und auch der Gesang kommt richtig gut, kraftvoll, nicht 'schön', aber dafür sehr echt wirkend. Ein langsamerer und konventioneller Blues ist mit "Ashes In My Whiskey" vertreten. Klar, nichts wirklich Neues hier, aber klasse gespielt und gesungen ist das allemal. Der einsame Krieger, der sich von der Welt ungerecht behandelt fühlt und sich in einer Bar den Frust runterspült, sozusagen. "Big City Blues" schaltet dann aber umgehend zwei Gänge nach oben und gleich ist wieder Feuer unterm Dach. Ebenso stark im bluesigen Rock verwurzelt ist "My Ship", während "Cathouse" ("Red House" kommt in den Sinn) das Album danach mit einem reinen Blues beschließt, bei dem Hawkins noch einmal seine ganze Technik aufblitzen lässt sowie sein pralles Feeling in die Waagschale wirft.
Vince Hawkins & Company Slave ist zweifelsfrei ein kraftvolles und richtig gutes Debüt gelungen, das sich einen feuchten Kehricht um Radio-Einsätze oder Mainstream kümmert, stattdessen sehr authentisch und konsequent wirkt. Der Gesamtsound und die Stilistik verfügen zwar noch über einige Querverweise zu anderen Gitarristen, aber der Kanadier ist definitiv auf einem guten und richtigen Weg, der ihn, wenn er ihn denn unbeirrt weiter geht, über kurz oder lang ganz sicher in die obere Liga führen wird. Aber auch bereits auf diesem Debüt-Album bekommt man knapp fünfzig Minuten starken Blues Rock geboten. Unbedingt mal reinhören!
Line-up:
Vince Hawkins (gutars, bass, vocals)
Gary Glynn (drums)
With:
Darcy Hawkins (bass - #7,11)
Josh Shaw (drums - #1,2)
Marcel Krasa (drums - #3,9)
| Tracklist |
01:The Gods Made Love
02:Goin' To The South Side
03:Three Kings
04:It's Time
05:Peace On Earth
06:Is Love
07:Medusa's Dream
08:Ashes In My Whiskey
09:Big City Blues
10:My Ship
11:Cathouse
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