Icewind / Again Came The Storm
Again Came The Storm Spielzeit: 52:01
Medium: CD
Label: Metalodic Records, 2010
Stil: Melodic Metal

Review vom 08.01.2011


Boris Theobald
Das Leben ist manchmal eine einzige Baustelle. Zu spüren bekamen das die Jungs von Icewind gerade mal wenige Wochen nach der Veröffentlichung ihres zweiten Albums "Again Came The Storm". Mitte November kam der "All Is Dust"-Nachfolger raus - und am vorletzten Tag des Jahres 2010 dann die News: Sänger Gabriel Langelier hat sich entschlossen, die Band zu verlassen und sich ganz auf seine Karriere als Opernsänger zu konzentrieren. Einen festen Bassisten suchte die Band schon vorher - für 2011 heißt das also einen arbeitsreichen Start ins Jahr mit viel Rumgemaile und Telefoniererei. Aber auch, wenn man erstmal versucht, speziell in der heimischen Kante rund ums kanadische Montréal fündig zu werden - mit diesem starken Album in der Hinterhand sollte die Suche nicht so schwer werden …
"Again Came The Storm" ist eine kanadische Metallperle, die ganz im Stil von Supermelodikern wie Sonata Arctica oder vor allem Angra glänzt. Die euphorischen und euphorisierenden, extrem weit ausholenden Melodien lenken den akustischen Blick auch immer wieder gen Italien - Liebhaber großer Namen wie Rhapsody (Of Fire) oder Labyrinth sowie 'kleinerer' Kollegen wie
Flashback Of Anger oder Vision Divine dürfen auch in Nord-Nordamerika CDs sammeln gehen. Die Trademarks sind bewährt und bemerkenswert gut in die Praxis umgesetzt: temporeiches Filigran-Geschredder und dazu exzellente Melodien, majestätische Melodien im Überfluss. Das Zusammenspiel der beiden Gitarren ist eine Wonne, der Mix aus Rhythmik und Melodik diffudiert semipermeabel durch das Trommelfell. Soll heißen: geht geschmeidig ins Ohr und bleibt im Kopf.
Die Volldampf-Rhythmusgruppe streut mit viel Feingefühl Atempausen ein und spielt gekonnt am Druckregler. Besonders gelungen ist das beim längeren "The Last March (We'll Meet Again)", einem herrlichen kleinen Epos, bestehend aus etlichen Geschwindigkeiten und Atmosphären. Seinen B-Part hat aber eigentlich jedes Stück. Die größeren oder kleineren Zwischenspiele mit oder ohne Gesang, balladenhaft und weich mit Streichern ausstaffiert oder als Spielwiese für Solo-Instrumente - so bekommen auch Vierminüter ihren epischen Anstrich. Das sehr aktive Keyboard, das die Melodien in allen Lagen mit lyrischen, aber auch treibenden Klavierklängen abrundet, ist das i-Tüpfelchen im Melodic Metal-Powersound der Band.
Noch mehr als das ist der Gesang von (Ex-) Sänger Gabriel Langelier. Der thront über allem und scheint erstmal kaum zu ersetzen. Der Gesang ist hoch und klar und druckvoll, lebendig und variabel, schwebt über allem und brennt sich mit irre hohen Dopplungen und leidenschaftlichen Backings in die Erinnerung. Gerade als Opern-Fachkraft bringt Langelier auch diesen Funken Pathos, dieses Theatralische - nicht übertrieben - mit in die Chose ein. Das reißt mit. Wirklich unersetzlich? Icewind planen da einen besonderen Coup, damit 'der' Nachfolger nicht in Grund und Boden verglichen werden kann: Sie suchen eine Nachfolgerin! Und wenn das keine zerbrechliche Mäuschenstimme wird, könnte es richtig, richtig gut passen. Eine Powerstimme, vielleicht ebenfalls mit Opern-Hintergrund wäre bestimmt nicht schlecht - und Humor sollte sie Neue auch haben … das sieht man schon an den Email-Adressen, über die sich Kandidaten für die vakanten Positionen melden können:
»imthenexticewindsuperhotchixsinger@icewind.ca«
und
»imthefuturebadassicewindbassplayer@icewind.ca«
Line-up:
Alex Dubé (drums)
Gab Langelier (vocals)
Jay Ménard (guitar)
Vinni Poliquin (guitar)
Tracklist
01:Signs Of Temptation (4:54)
02:Blood Stained History (3:54)
03:My Glorious Burden (4:25)
04:My Own Tragedy (4:14)
05:The Last March (We'll Meet Again) (7:10)
06:The Gappening (4:16)
07:As Fools We Dance (4:18)
08:Hymn For A Brighter Dawn (5:49)
09:Oh Winter Morning (5:05)
10:Again Came The Storm (7:56)
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