iH8 Camera / Same
Same Spielzeit: 50:50
Medium: CD
Label: Trip In Time, 2009
Stil: Psychedelic Rock

Review vom 05.05.2009


Joachim 'Joe' Brookes
Burg Herzberg Festival, 2006.
Die Anreise der belgischen Band ih8 Camera (I Hate Camera) muss eine Art Odyssee gewesen sein, denn die sechs Musiker kamen nicht nur 'just in time' an, sondern setzten ihre Eindrücke der Fahrt direkt in tonale Epen um.
So ist es auch zu verstehen, dass iH8 Camera seinen Songs Ortsnamen verpasst hat. Das Album ist ein Live-Dokument, obwohl die Platte diese Atmosphäre nicht exakt reflektiert. Zuschauer-Reaktionen vernimmt man nicht. Sehrwohl ist spürbar, dass die Band auf einer Bühne, genauer der Freakstage des Festivals performt.
iH8 Camera gründete sich im Jahr 2004 und ist eher als eine lockere Zusammenkunft von Musikern zu verstehen. Unter anderem sind mit Craig Ward sowie Rudy Trouvé zwei Deus-Musiker mit von der Partie. Außerdem finden sich Musiker aus der Band The Love Substitutes.
iH8 Camera hat wohl versucht, den Festivalort aus allen möglichen Richtungen kennenzulernen.
Den ersten Song widmet man der Gemeinde des Events: "Breitenbach am Herzberg". Schon in den ersten Minuten der CD wird deutlich, dass iH8 Camera für freie musikalische Improvisation steht. Die Gitarren sind die tonangebenden und Ideen-produzierenden Instrumente. Die Live-Mitschnitte des Konzerts hat man für den Hörer in ein astreines Soundformat gebracht. Hier entgeht einem kein Ton. Einziges Manko: Der 'Gesang' ist etwas zu sehr im Hintergrund. So wirklich kann man die mehr erzählten Odyssee-Geschichten nicht verstehen.
Musikalisch bietet das Kollektiv eine riesige Bandbreite an Einfällen, die, so ganz gemäß den Reiseerlebnissen, auch stressig sein können. Allerdings sind die gut 50 Minuten eine so interessante Angelegenheit, dass man gar nicht auf den Gedanken kommt, die Skip- oder Stopp-Taste zu drücken.
Von den Gitarren angetrieben, serviert uns iH8 Camera einen galaktischen Sound-Cocktail der wirklich anderen Art. Als Hörer begleitet man die Band in Sphären, zu denen wohl eher selten Gruppen vordringen. Das Sextett begibt sich zeitweise an den äußersten Rand der musikalischen Milchstraße, besonders dann, wenn tonale Gedanken in Richtung Jazz wandern.
Die Ereignisse um "Grebenau" müssen zweigeteilt gewesen sein, denn einerseits ist der Track sehr aufgewühlt und andererseits finden sich auch ruhige Momente, in denen Jeroen Stevens seinen Drumsticks auch mal eine Pause gönnt.
Die Gitarren dienen auch dazu, Geräusche zu erzeugen und dabei kommen schon Erinnerungen an die ganz jungen Pink Floyd auf. Stellenweise legt man Sound-Landschaften an, die den Blick bis zum Ende des Horizonts schweifen lassen. Schaut, oder besser hört man da genau hin, gibt es dort immer noch etwas zu entdecken.
Es ist nun aber nicht so, dass iH8 Camera-Erzeugnisse nur Gefiepse, Rückkopplungen oder Klangspielereien sind. In den Nummern finden sich auch Melodien.
Zum Beispiel ist "Schlitz" eine rechte relaxt vor sich hinfließende Angelegenheit. Wie Zellteilungen entwickeln sich die Tonfolgen oder Riffs. Das An- sowie Abschwellen der Dynamik ist ein weiteres Markenzeichen der Band. Man kann sich nach hektischen Phasen herrlich zurücklehnen und mit zum Teil ganz sparsamen Mitteln werden tolle Effekte erzeugen.
"Niederaula" hat iH8 Camera wohl in nicht so guter Erinnerung, denn neben Bass als auch Drums erzeugen die Gitarren eine mächtige Geräusch-Kulisse, indem viele Effektgeräte aktiviert werden und das 6-Saiter-Solo hat jazzige Anleihen.
In "Unter Schwarz" schien die Welt wieder in Ordnung gewesen zu sein. Das Sonnenlicht scheint sich in den kleinen Wellen eines Baches zu reflektieren. Dann drückt man doch das Gaspedal weiter durch und es ist nichts mehr mit der verträumten Situation.
Mit "Haunetal" treiben die Leute die psychedelische Musik an die Schnittstelle zur experimentellen Musik. Dieser Track ist wahrlich nichts für schwache Nerven. Definitiv wird es Personen geben, für die das keine Musik mehr ist. Was auf der Fahrt zum Festival geschehen ist, wissen nur die sechs iH8 Camera-Musiker, aber man hört auch eine nachgeahmte Polizeisirene...
In "Ottrau" ist die Welt wieder in Ordnung, denn dort groovt es prächtig und die Gruppe findet, nach den Wirren im vorherigen Track, ein ausgeglichenes sowie versöhnliches Ende.
Nicht einfach, aber dennoch sehr gut sind die musikalischen Experimente der Gruppe iH8 Camera. Echt hörenswert, nur nicht zu jeder Tages- oder Nachtzeit.
Insgesamt wünsche ich der Band weiterhin gut Fahrt und bei dem Talent sowie Einfühlungsvermögen der Musiker bin ich mir sicher, dass es nicht lange dauern wird, bis die Psychedelic-Abteilung bei RockTimes wieder etwas von den Belgiern zu berichten hat.
Line-up:
Rudy Trouvé (voice, guitar, synthesizer)
Elko Blijweert (synthesizer, guitar, voice)
Craig Ward (guitar, soprano saxophone, drums, voice)
Teuk Henri (guitar)
Bert Lenaerts (bass)
Jeroen Stevens (drums)
Tracklist
01:Breitenbach am Herzberg (10:03)
02:Grebenau (10:12)
03:Schlitz (6:35)
04:Niederaula (4:35)
05:Unter Schwarz (7:25)
06:Haunetal (4:35)
07:Ottrau (7:23)
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