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Ein Radwimps auf eigenen Pfaden. Yojiro Noda ist der Frontmann der japanischen Formation Radwimps und diese Rockband hat in ihrem Heimatland bereits so etwas wie Kultstatus. Yojiro Noda taufte sein Soloprojekt illion. "Ubu", was übersetzt so viel wie 'das Allererste' heißt, ist somit das Debütalbum. Der japanische Künstler ist ein Multiinstrumentalist, denn bis auf wenige Ausnahmen ist er autark, was Instrumente, Songwriting sowie Produktion angeht. Das Mixing haben Masayoshi Sugai und Dave Sardy übernommen. Gemastert hat Ted Jensen in den Sterling Studios.
Eine musikalische Kompassnadel ist nicht in der Lage, eine genaue Stilrichtung von "Ubu" anzuzeigen. Singer/Songwriter, Alternative Music, Neo Folk, Piano oder elektronische Soundwelten machen die insgesamt vierzehn Eigenkompositionen (wenige davon in japanischer Sprache gesungen) höchst interessant. Aber keine Sorge, dem Booklet liegt ein Blatt bei, auf dem die englischen Übersetzungen dieser Songtexte abgedruckt wurden.
Ganz geschickt versteht es der Musiker, auch die musikalischen Traditionen seines Heimatlandes einfließen zu lassen. Diese hören sich in den Händen von Yojiro Noda beziehungsweise illion dann verdammt modern an. Neben durchaus experimentell klingenden Klangeskapaden hat der Mann ein nicht von der Hand zuweisendes Faible für herrliche Melodien.
"Ubu" ist global, kosmopolitisch, bietet allerdings auch Mikrokosmisches, denn gerade in "Planetarian" gibt es Klänge, bei denen man die schottischen Highlands assoziiert. Überhaupt ist diese Nummer sehr gelungen, denn ein weiteres Element von illion ist ein Hang zu einer infizierenden Rhythmik, die nicht nur durch das Schlagzeug entstehen. Man hört in den einzelnen Tracks eine Vielzahl von Handtrommeln und anderen Percussioninstrumenten.
"Ubu" ist sowohl Rock als auch Jazz und kann mit sehr vertrackten, fast improvisierten Arrangements/Klangkaskaden brillieren. Das musikalische Verständnis von illion kennt keine Grenzen. Das Album kommt mit einem umwerfenden Sound daher. Man könnte fast sagen, dass so etwas im Zusammenhang mit vorliegender Platte auch zum Pflichtprogramm gehört, denn dem Hörer darf keine Note, kein Ton entgehen.
Vergleiche verbieten sich aus meiner Sicht. Im Informationsblatt steht, dass »Yojiro Noda vor kurzem als Tokyos Antwort auf Radiohead-Sänger Thom Yorke« bezeichnet wurde. Okay, wer ein Äquivalent braucht ... bitte schön. Für mich etwas weit hergeholt.
"Beehive" ist ein mit experimentellen, freakig-jazzigen Sounds versehener Industrial-Tanzboden und es ist kaum zu glauben, aber wahr ... danach serviert uns illion mit "Dance" eine Singer/Songwriter-Ballade, die zwischen Neo Klassik und britischer Lullaby-Melancholie pendelt. Wunderbar! Wenn die Gäste mit von der Partie sind, dann verzaubern sie die eh schon bemerkenswerte Atmosphäre mit Cello (Udai Shika), Tabla (U-zhaan) oder Ba (Seiji Kameda). Nur in "Aiwaguma" gibt illion das Gitarrenspiel in die Hände des psychedelisch-rockenden Yukia Nagoshi. Die Refrains des Protagonisten haben einerseits Mitsingcharakter und sind andererseits hymnenhaft. Nicht nur in "γ" demonstriert uns illion seine Pianokünste, hier gepaart mit vielen urigen Klangcollagen. Dieses Tasteninstrument steht meines Erachtens in vielen Kompositionen auch im Vordergrund.
Ein Textauszug des gerade erwähnten Track soll verdeutlichen, dass illion auch mit den Lyrics Aussagen trifft:
»If I could see a human inside out
Then I would never have to spend these words
And I just don't even have to take whole time to
hate each other only 1.2.3.4.5. sec will do«
"Ubu" hat nichts mit Radwimps' Rock zu tun. Yojiro Noda aka illion macht sich auf beeindruckende Art und Weise selbstständig. "Ubu" ist etwas für aufgeschlossene, vorurteilsfreie Musikanhänger.
Line-up:
illion (all instruments, vocals)
Except:
Yukio Nagoshi (guitar - #2)
Udai Shika (cello - #1,5,11)
Seiji Kameda (ba - #2)
U-zhaan (tabla - #2)
| Tracklist |
01:Brain Drain (4:28)
02:Aiwaguma (3:47)
03:Planetarian (4:02)
04:Mahoroba (4:45)
05:Beehive (3:57)
06:Dance (4:14)
07:γ (3:25)
08:Finger Print (2:54)
09:Lynch (3:56)
10:Un&Do (3:20)
11:Gasshow (3:04)
12:Inemuri (1:08)
13:Especially (2:43)
14:Birdie (3:51)
(all songs written, produced and performed by illion)
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