Indian Handcrafts / Civil Disobedience For Losers
Civil Disobedience For Losers Spielzeit: 38:29
Medium: CD
Label: Sargent House/Cargo Records, 2012
Stil: Stoner Rock

Review vom 09.12.2012


Joachim 'Joe' Brookes
Ist der Van auf dem Coverbild zu erkennen? So, oder so ähnlich fühlt man sich, wenn die achtunddreißig Minuten Tour de Force der kanadischen Band Indian Handcrafts vorbei sind. Band? Was heißt hier Band? Indian Handcrafts ist ein Duo. Daniel Brandon Allen bearbeitet die Gitarre, Brandyn James Atkins bedient die mit Fellen bespannten Feuerkessel beziehungsweise heißen Becken des Schlagzeugs und beide Musiker singen. Trotz der zusätzlichen Trommelaktionen von Dale Crover und Coady Willis sowie »Karate screams, robo-noises, tambeau, Scorpions-style vocal coaching, showering with Thin Lizzy provisions and professional tour-guiding by Toshi Kasai« (Porn (The Men Of), Big Business) steht fest, dass hier ein Zweier für den ultimativ-gefälligen Lärm des Stoner Rocks sorgt. Hammer, diese beiden Künstler haben an wohl allen Töpfen des Genres geschlabbert und sich die Rosinen aus dem fetten Stollen gepickt.
Zwischen Stoner Rock, Grunge und metallischen Dampfhämmern lässen es sich Indian Handcrafts so richtig gut gehen. Das Duo erschafft seinen eigenen musikalischen Kokon-Kosmos, dessen Hülle man manchmal mit aller zur Verfügung stehen Power und bis zum Anschlag strapazierten Stimmbänder zersprengt.
Wenn sich Indian Handcrafts mit zwei Schlagwerkern von The Melvins zusammentun, dann darf man davon ausgehen, dass es beim Opener "Bruce Lee" (mit Dale Crover und Coady Willis) auch entsprechend sludgig zugeht. Richtig spendabel geht man mit den spacigen Riffs um und über ein geringfügig ruhiger gestaltetes Intermezzo setzt man in der Folge auf eher metallische Riffs und somit andere Stimmung. In "Centauri Teenage Riot" hat Dale Crover seinen zweiten Gastauftritt. Bei dieser Nummer schalten Indian Handcrafts einen Gang zurück, servieren uns aber dennoch eine extrem lange Garderobenstange an Riffs, die zu Beginn aus dem erdigen Blues stammen und sich zum Schluss infernalisch gen Himmel propellern.
Der Gesang von Daniel Brandon Allen sowie Brandyn James Atkins ist, wie die inszenierten Gitarrenberge, extrem ausdrucksstark und stellt das Nervenkostüm des Hörers ein ums andere Mal auf die Probe. Nichtsdestotrotz passt die vokale Akrobatik sehr gut zum Hardcore Stoner Rock der beiden Kanadier.
Nach mehreren Hördurchgängen bleibt man immer wieder bei "Red Action" stecken. Hier groovt das Duo mit allem, was ihm zur Verfügung steht und bei aller Energie darf man doch Bezüge zu den Siebzigerjahren herstellen. Im Blitzlicht-Solo geht es sogar melodisch zu und ähnlich wie im ersten Lied wird das Tempo dann etwas zurückgefahren, um sich abermals über einen infernalischen Weg in die Ionosphäre zu beamen.
"Civil Disobedience For Losers" ist Dauer-Power-Beschallung der interessanten Art. Indian Handcrafts wissen genau, wie man sich abwechslungsreich durch knappe vierzig Minuten spielt. Das Strickmuster der sich innerhalb der Nummern verändernden Tempi und Rhythmen ist bei dem Duo definitiv in Fleisch und Blut übergegangen und man kann mit dieser Combo eine tolle Stoner Rock-Party abfeiern.
Die Songtitel klingen interessant bis lustig. Bei der Artikulation der Stimmen und Einbettung in die aufgewühlte Musik ist es dem Hörer leider nicht möglich, Lyrics nachzuvollziehen. Mit seiner Heftigkeit könnte "Worm In My Stomach" zu Sodbrennen führen und der Quicky "Terminal Horse" ist handgeschnitzter, sperriger Rock'n'Roll.
So minimalistisch, wie sich Indian Handcrafts als Duo geben, so bombastisch ist deren Album "Civil Disobedience For Losers". Als Verlierer steht man garantiert nicht da, wenn man sich das Album einverleibt. Die Männer gleiten nicht durch den Stoner-Kosmos, die jagen eher an den Planeten vorbei und sind schon lange nicht mehr dort, wo sich der Van auf dem Coverbild befindet.
"Civil Disobedience For Losers" ist das erste Indian Handcrafts-Silberling-UFO und damit hat man den Hörer schon sehr überzeugt. Wie wäre es mit einer Fortsetzung, Daniel Brandon Allen und Brandyn James Atkins?
Line-up:
Daniel Brandon Allen (guitars, vocals)
Brandyn James Atkins (drums, vocals)

With:
Dale Crover (extra drums - #1,8)
Coady Willis (extra drums - #1)
Tracklist
01:Bruce Lee (4:30)
02:Red Action (3:09)
03:Starcraft (4:40)
04:Zombies (3:15)
05:Worm In My Stomach (3:06)
06:Terminal Horse (1:44)
07:Coming Home (3:29)
08:Centauri Teenage Riot (4:00)
09:Truck Mouth (3:42)
10:The Jerk (3:25)
11:Lion At The Door (3:28)
(all songs written by Brandyn James Atkins and Daniel Brandon Allen)
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