Jack Haunt / Busking Tunes
Busking Tunes Spielzeit: 35:01
Medium: CD
Label: Timezone Records, 2014
Stil: Singer/Songwriter

Review vom 23.07.2014


Markus Kerren
Heute verzichte ich mal auf meine so gern verwendeten Kurzvorstellungen zu Anfang eines Reviews und gehe gleich in die Vollen. "Busking Tunes" heißt das neue Album von Jack Haunt. Diesen Jack Haunt gibt es allerdings gar nicht (zumindest spielt er nicht auf dieser Scheibe, aber immerhin ist ein Song nach ihm benannt), sondern der Name wurde lediglich dem zu reviewenden Projekt gegeben. 'Busking' kommt von 'Busker', was im britischen Sprachgebrauch für die Leute steht, die sich mit einer Gitarre (oder wahlweise auch anderen Instrumenten) in Fußgängerzonen oder wohin auch immer stellen und ihren Hut vor sich aufstellen, während sie Songs zum Besten geben, die ihnen entweder gerade im Kopf herumspuken oder die am meisten Einnahmen zu versprechen scheinen.
Für einen 'Busker' gibt es natürlich keine feste Definition. In der Grafton Street in Dublin tummeln sich diesbezüglich beispielsweise erfolglose Profimusiker, Studenten und auch Obdachlose zwischen Monsterläden wie dem HMV oder Tower Records, auch Theologie-Studenten kann man (ab und zu mal) dort ihre Lehren verbreiten hören. Aber um es mal auf den Punkt zu bringen: Zu allermeist wirken diese 'Buskers' (zumindest in Dublin, aber auch an vielen weiteren Orten) verloren, suchend, in einer anderen Welt, auf der ewigen Suche nach etwas, was sie höchstwahrscheinlich niemals finden können. Oder um bei den irischen Legenden zu bleiben: Sie sind auf der Jagd nach dem Sagen-umwobenen 'Crock of gold'.
Jack Haunt scheint mit diesen Leuten sehr wenig zu tun zu haben. Auf dem vorliegenden Album geht es... ja, regelrecht fröhlich zu. Die Tracks wirken bestenfalls wie Strand-Musik, zum Nebenbeigenießen gemacht, und irgendwie kommt mir hier immer wieder der unsägliche Achtziger-Hit "Sunshine Reggae" in den Sinn. Im schlimmsten Fall hat man gar das Gefühl, es hier mit einer optimalen Songzusammenstellung für einen Kindergeburtstag zu tun zu haben, so unbeschwert leicht kommen die Stücke aus den Boxen. So was kann man natürlich mögen, aber mir ist das ehrlich gesagt viel zu blutleer, viel zu beliebig und selbst für einen Hängematten-Nachmittag auf der Paradies-Insel Oahu hätte ich garantiert irgendeine andere Scheibe im Player.
Ich bin mir nicht wirklich sicher, was uns Daniel Stryczek, der Kopf hinter Jack Haunt, mit dieser Scheibe sagen will. Aber ich glaube, dass es um die Liebe im Einzelnen und Gesamten geht. Die Songs versuchen oft auch, Mut zu machen und den Hörer in Richtung Selbstvertrauen aufzubauen. Das sind auch ganz sicher lobenswerte Intentionen und ich bin der letzte, der ein solches Unterfangen kritisch hinterfragt, wenn es auch nur einem einzelnen Menschen weiterhilft.
Mir sind diese zehn Tracks allerdings nicht wirklich auf dem Gaumen zerronnen. Die Gründe habe ich bereits aufgeführt und um nochmal auf Irland zurück zu kommen, gibt es auch jene Zeile in diesem Song von The Popes (die Ex-Begleitband von Shane MacGowan), wo es heißt: »...the buskers, just beggars with guitars...« (aus dem Song "Holloway Boulevard"). Jack Haunt braucht nicht zu betteln und das ist auch gut so, gut für den Bandleader und alle anderen beteiligten Musiker.
Falls ihr auf leicht-locker-fröhlichen Folk bzw. ebensolches Singer/Songwritertum steht, dann hört euch auf jeden Fall mal ein paar Songs an. Jack Haunt hat viele positive Statements am Start, rein musikalisch ist "Busking Tunes" allerdings nicht wirklich überzeugend.
Line-up:
Daniel Stryczek (guitars, lead vocals)
Ludwig Johann Trommsdorff (upright bass, background vocals)
Björn Deussen (mandolin)
Katja Muckenschnabl (mundtrompete, background vocals)
Annette Kluge (percussion)
Niklas Neßelhut (shakers)
Tracklist
01:Let's Say Grace
02:Jack Haunt
03:In Parliament
04:I Know I Can
05:Shine
06:When We Fly
07:With You
08:Fit Your Own Skin
09:Right Into Your Arms
10:Lost
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