Jah Wobble / Heart & Soul
Heart & Soul Spielzeit: 54:55
Medium: CD
Label: 30 Hertz Records/Trojan Records, 2007
Stil: Dub, Electronic Music

Review vom 21.06.2007


Norbert Neugebauer
Der RockTimes-Beauftragte für die Äußeren Soundgalaxien hat sich in den Dub-Spiralnebel gewagt und wird nun hypnotisch in das Schwarze Loch der sanft wabernden, grummelnden, tiefdumpfen und elektronisch verzerrten Töne, die irrlichternd durch Zeit und Raum driften und in gütigen Momenten an die groovenden Rhythmen eines Ganja-seligen Rastaman erinnern, gezogen.
Jah Wobble ist der Kapitän des Sternenkreuzers 'Sweet Dream' der 'Slow Motion'-Klasse auf dem Weg durch die unendlichen Weiten der unterschwelligen Empfindungen, der oszillierenden Gummiriffs und St. Peppriger Gefühlszustände. Der Herr über das extrem niederfrequent pulsende Atom-Herz; den alle Töne, alle Strukturen, alle Melodien gierig aufsaugenden Schlund, der diese halb verdaut und in neuer, unerhörter Zusammensetzung, häppchenweise, mit blubbernden Digitalrülpsern versetzt, wieder hervorquellen lässt und den Arsch, der so wundersam mit Melodica- und Mandolinentönen furzt.
Jah Wobble, der mit seinem Bass Public Image Ltd. gepeitscht hat, der im Alkohol- und Drogennebel fast untergegangen wäre und der 2000 ein Studium der Geisteswissenschaft erfolgreich absolvierte. Der mit seiner Band The Invaders Of The Heart und als Sample-Magier seines eigenen Labels 30 Hertz Records die Themse in sanften Zuckungen rückwärts schwabbeln und den ewigen Regen Ihrer Majestät sanft rosa leuchten lassen kann, wenn er nur will. Der mit seinen fernöstlichen Einflüssen 'Zen-Dub' kreiert, zu Ambient und Club-Sounds nahtlos English und Celtic Folk integriert und mit so unterschiedlichen Leuten wie The Edge, Björk, Holger Czukay, Ginger Baker oder Sinéad O'Connor zusammen gespielt hat. Und der mit "Heart & Soul" einen weiteren Beweis seiner Kreativität liefert.
Der gemeine Rockmusik-Fan schluckt natürlich erst mal kräftig. Nichts ist da, an dem sich die Hörgewohnheiten festhalten können. 17 sehr unterschiedliche Stücke, mehr Soundcollagen, als herkömmliche Songs. Elektronisch verfremdete Stimmen, Samplefetzen, haufenweise übereinander gestapelt; Flow, wo sonst gängige Rhythmen und Riffs Strukturen bilden. Scratching und Sinustöne, mehr Effekte als Instrumente, Emotionen aus der Konserve. Aber immer ist da dieser Wahnsinnsbass, dieser abgrundtiefe, warme, melodische Bass, gepaart mit wunderbar weichen Stimmen. Zutaten des Abendlandes, des Morgenlandes und künstlicher Welten. Selten etwas, das an herkömmliche Rockmusik erinnert, aber das dennoch Form hat.
Das ist zweifelsohne gewöhnungsbedürftig, sehr sogar. Abgedreht, aber interessant, eindeutig - und sehr gekonnt gemacht. Vielleicht sogar genial. Ein Trip ins Unbekannte, ins Unerforschte, ins Unterbewusste, ins Unmögliche? Rockfan trau dich, lass die Badewanne mit Deep Space-Liquid ein, fütter den Player mit der Scheibe, nuckle an deinem Anhalter-Handtuch und entfleuche …
Tracklist
01:Desolation
02:The Sweetest Feeling
03:I Remember That Time
04:I Remember That Time Dub
05:And Some May Say
06:Plainsong Dub
07:Through The Mist And Up The Mountain Dub
08:Eternal Wanderer
09:Appalachian Mountain Dub
10:Take Me Home Dub
11:Dust Bowl Dub
12:Lord Keep Me Dub
13:As Dawn Breaks Over London
14:Whatever Happens
15:I'd Love To Take You Away
16:I'd Love To Take You Away Version
17:Heart And Soul
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