Die Schwemme der Album-Veröffentlichungen aus dem Americana-/Roots-Sektor scheint speziell in den letzten Jahren unerschöpflich, zu sein. Der schöne Aspekt dabei ist die Tatsache, dass da wirklich kaum schlechte Scheiben über den großen Teich zu uns herüber geschwappt kommen. Der nicht ganz so schöne, dass eine Vielzahl dieser Alben zwar gut bis sehr gut sind, die jeweiligen Protagonisten jedoch keinen wirklich felsenfesten Eindruck hinterlassen. Oder, um es anders zu sagen: Man hat - als Ausnahme möchte ich hier gerne mal The Dustin Bentall Outfit anführen - eher selten den Eindruck, dass die jeweiligen Protagonisten bärenstarke Persönlichkeiten mit dem gewissen Etwas sind. Aber aufgepasst, denn hier schlägt gerade eine absolute Granate auf:
Aus dem Nordosten der Vereinigten Staaten, um genauer zu sein aus Pennsylvania, kommen JD Malone & The Experts, die mit "Avalon" ihr Debütalbum vorlegen. Und das mal gleich mal ganz dick und fett, denn zu der bereits mit über 79 Minuten voll gestopften CD wurde auch noch eine 37-minütige DVD beigelegt. Wenn das nicht 'value for money' ist, dann weiß ich auch nicht mehr weiter. Aber noch viel wertvoller ist die Musik, die uns Malone mit seinen Experten hier vorlegt. Und dies sogar gleich auf mehreren Ebenen...
Die wichtigste zuerst: Bei JD Malone hat man sofort den Eindruck, es mit jemand ganz Besonderem zu tun zu haben. Mit einem gestandenen Songwriter, Sänger und Frontmann, der in der Tradition solcher Leute wie z. B. Steve Earle, John Cougar Mellencamp oder Bruce Springsteen steht. Selbst, wenn sich Malone die ganz großen Sporen der Vorgenannten natürlich noch erarbeiten muss, so gibt uns sein Debüt-Album schon mal einen sehr überzeugenden Eindruck davon, was noch folgen könnte. Neben seinen eigenen Fähigkeiten hat der Amerikaner dazu noch weitere vier Musiker in der Band, die seine Songs authentisch, powervoll, perfekt und mit jeder Menge Feeling aufs Band gezaubert haben.
Ganze 37 Jahre musste JD alt werden, bis er uns so geile Rocker wie etwa "Silver From", "She Likes" oder auch "Leave Us Alone" um die Ohren hauen konnte. Darüber hinaus hat der Mann aber noch viel mehr zu bieten. Bei "Emmit Meets A Demon" wird es zum Beispiel richtig swampig, der Hörer wird umgehend in die schwülen Sümpfe Mississippis versetzt, die Zeit bleibt stehen und ein gar etwas gespenstisch wirkender Song walzt sich durch die lähmende Hitze. Sehr geil! Mit dem nach über vierzig Jahren textlich immer noch aktuellen "Fortunate Son" ist auch ein Cover von Creedence Clearwater Revival vertreten.
Und auch das kommt richtig schön rotzig, aufgebracht und wird mit voller Überzeugung überliefert, so wie es bei diesem Song auch nicht anders sein darf. An den - zugegebenermaßen nicht zu übertreffenden - wutschnaubenden Gesang John Fogertys auf dem Original kommt Malone zwar nicht ganz ran, aber er ist auch nicht weit davon entfernt. Bezüglich der langsameren Titel macht u. a. "Sweet Evil Things" großen Eindruck. Klasse Slide-Arbeit trifft auf starkes Songwriting und einen Frontmann, der diese Bezeichnung endlich mal wieder verdient. Ganz stark!
Nicht minder gut und auf voller Länge überzeugend kommt "Emerald Lake" um die Ecke. Eine hammermässige Country-Ballade, befreit von jedem Schmalz und mit sehr eindringlichem Gesang versehen. Bei der Ballade "Black Yodel" schafft Malone es sogar, von der Stilistik und dem Songwriting extrem an die schottische Legende Frankie Miller zu erinnern. Stimmlich kann man die beiden sicherlich nicht vergleichen, aber diese Nummer hätte ganz locker auch auf ein Miller-Album aus der zweiten Hälfte der Siebziger gepasst. Bei den restlichen Tracks handelt es sich um Midtempo-Groover bzw. -Rocker, die das vollkommen überzeugende Bild dieser Scheibe gekonnt abrunden.
Nach den eigentlichen 13 Songs der Scheibe gibt es dann nochmal fünf Audio-Bonus-Tracks, die (bis auf den Radio-Edit von "Just Like New") von der (auch zu diesem Package gehörenden) DVD stammen. Genau, dann wie gesagt die DVD mit ganzen 37 Minuten Spielzeit, die Probedurchläufe für die Aufnahmen im Studio zeigt und mit immerhin zwei zusätzlichen Stücken aufwarten kann, die es wohl nicht auf die Debüt-Scheibe geschafft haben.
JD Malone & The Experts haben eine Hammer-Debüt-Scheibe abgeliefert, die ganz viel Lust auf Mehr macht. Der Band-Leader hat das Zeug dazu, ein ganz Großer zu werden. Und selbst wenn ab und zu noch Einflüsse seiner eigenen Helden durchscheinen, so hat er sich bereits mit "Avalon" fast vollkommen freigeschwommen und sein ganz eigenes Universum erschaffen. Bleibt zu wünschen, dass der Band der notwendige Erfolg beschieden wird, um weitermachen zu können bzw. auch mal den Sprung nach Deutschland zu schaffen und die hiesigen Bühnen zu beehren. Ganz dicker Tipp!!
Line-up:
JD Malone (lead & background vocals, acoustic guitars)
Tom Hampton (12 string electric guitar, baritone guitar, lap & pedal steel guitar, dobro, mandolin, high-string acoustic guitar, background vocals)
Tommy Geddes (drums)
Avery Coffee (electric guitars)
Jim Miades (bass)
Jayda Hampton (background vocals - #3,5,7,9)
| Tracklist |
CD:
01:Silver From
02:Still Love You
03:Leave Us Alone
04:She Likes
05:Sweet Evil Things
06:Just Like New
07:Avalon
08:Ballad Of Mr. Barbo
09:Black Yodel
10:Fortunate Son
11:Do What You Can
12:Emerald Lake
13:Emmit Meets A Demon
Bonus-Tracks:
14:Just Like New (Radio Edit)
Audio Tracks from the DVD:
15:Silver From (Live)
16:I Think It Was A Monday (Live)
17:She Likes (Live)
18:I Should Have Known It (Live)
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DVD:
01:Silver From
02:I Think It Was A Monday
03:She Likes
04:Just Like New
05:Black Yodel
06:Still Love You
07:I Should Have Known It
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Externe Links:
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