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Für das neue Live-Album hat Joe Jackson (JJ) die langjährigen Weggefährten Graham Mayby (Bass) sowie den Schlagzeuger David Houghton an seiner Seite. Beide waren bereits im Line-up des JJ-Debüts "Look Sharp!" aus dem Jahr 1979. Oh Mann, wie die Zeit vergeht. Für "Live Music" zieht der Pianist glatt zwei Stücke aus der Tracklist seiner ersten Platte. Auch bei den weiteren Eigenkompositionen kann man die Ringe förmlich zählen, denn Alben wie "Night And Day" (1982) oder "Blaze Of Glory" (1989) haben auch schon einige Jährchen auf dem Buckel. Einzig Tracks aus "Volume 4" (2003) schaffen es ins neue Jahrtausend.
Macht sich Joe Jackson mit einer solchen Song-Auswahl, auch wenn die eine oder andere Nummer vielleicht nicht so oft live gespielt wurde, zum Sklaven der Konzertbesucher, die nur seine Hits und einige bekanntere Stücke drumherum hören wollen? Beim Betrachten der reinen Tracklist-Fakten muss die Frage bejaht werden.
Aus den Höreindrücken heraus muss die Frage negiert werden, denn der blasse Brite bringt Farbe ins Spiel. Joe Jackson hat in seiner über dreißigjährigen Karriere ja schon viele Stil-Farben benutzt. Bei seinem neuesten Album ist es die des Jazz und monochromatisch ist hier nichts. "Tomorrow's World" hat der Mann in seinem hinlänglich bekannten Gefüge belassen, aber mit "Another World" tickt der Takt schon anders. Der kreative Künstler löst sich persönlich von seinen eigenen Kompositionsstrukturen und arrangiert die Songs mit ganz geschickter Hand um. Die von ihm bekannten perlenden Pianoläufe und –riffs sind geblieben, aber wie stark verästelt die Wurzeln eines Joe Jackson sind, stellt er mit seinen eigenen Songs beeindruckend unter Beweis.
Selbstredend sind Mayby sowie Houghton gestandene Musiker. Die können alle Facetten ihres Könnens abrufen und ergänzen die neu gestalteten Tracks mit viel Feeling. Dabei stehen sie an verschiedenen Stellen persönlich im Spotlight. "Chinatown" unterlegt Mayby mit einem eleganten, von Handtrommel-Klängen bestimmten Rhythmus. Selbst "Sunday Papers", die hymnische Abrechung des Ex-Punk-Rockers mit der Boulevardpresse wird zu einem neuen und interessanten Track, der aus seinen Grundstrukturen zu einem beeindruckend renovierten Gebäude umgestaltet worden ist.
Mit "Girl" von den Beatles, "Inbetweenies", einem Ian Dury-Song und der David Bowie-Komposition "Scary Monsters" bekommt der bereits überzeugte Hörer gleich drei Cover am Stück geboten. Das von Lennon/ McCartney zu Papier gebrachte Lied sowie die beiden anderen Tracks erhalten eine deutliche Joe Jackson-Authentiziät. Etwas anderes erwartet man auch nicht von ihm. Der Mann kann das Innenleben von Fremdkompositionen erforschen und mit großer Außenwirkung zu Gehör bringen.
Einer meiner Lieblingssongs muss noch erwähnt werden: Immer noch kann man sich in den verführerischen Groove des Originals von "Steppin' Out" verlieben. Auf "Live Music" wirkt das Stück wie nach einer Entschlackungskur. Das großartig-melodiöse Piano im Refrain ist geblieben, gewichen ist der Groove und trotzdem ist das aktuelle Hörempfinden wie nach besagter Behandlung ... man fühlt sich wohl. Zum Abschluss wird mit "A Slow Song" auch noch eine einfühlsame Ballade geboten. Dabei konzentriert sich der Protagonist ausschließlich auf die schwarzen und weißen Piano-Tasten und wie der Anfang, so ist auch das Ende ein guter Bekannter.
Für den Herbst 2011 ist bereits ein Duke Ellington-Tribute-Album angekündigt und da kommt der Joe Jackson-Jazz auf "Live Music" als klasse Appetit-Happen gerade zum richtigen Zeitpunkt. Oder: Vielleicht pflanzt der einfallsreiche Jackson die Vorlagen auf ganz anderem Terrain.
Line-up:
Joe Jackson (vocals, piano, synthesizer)
Graham Mayby (bass, vocals)
Dave Houghton (drums, vocals)
| Tracklist |
01:Tomorrow's World (5:37)
02:Another World (4:23)
03:Still Alive (4:18)
04:Chinatown (5:41)
05:Sunday Papers (4:36)
06:Cancer (5:36)
07:Girl [Lennon/McCartney] (5:19)
08:Inbetweenies [Ian Dury, Charles Jankel] (5:14)
09:Scary Monsters [David Bowie] (3:23)
10:Got The Time (3:27)
11:Steppin' Out (4:51)
12:A Slow Song (6:41)
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Externe Links:
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