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"Under The Spell Of Joy" soll verzaubern. Die kalifornische Band Joy versucht es in acht Liedern, wobei der Auftakt "Under The Spell" lediglich eine Art eineinhalbminütiges Warmspielen darstellt. Orientalisch-psychedelisches Geplänkel, nicht mehr und nicht weniger. Die akustische Gitarre klingt schön.
Bei Joy noch von Blues Rock zu sprechen, wäre untertrieben. Die Wurzeln liegen bei der Mutter der Rockmusik. Dieses Album ist so etwas wie ein Spektakel, einen psychedelisch-lautstarke Offenbarung musikalischer Fähigkeiten, das es in den Sechziger-/Siebzigerjahren zuhauf gegeben hat.
Das Kraftpaket-Trio hat sich unter anderem das Hawkwind-Gründungmitglied Nik Turner in den Hochgeschwindigkeitszug geholt. Wenn er mit seinem Saxofon in "Confusion" gegen den furiosen Joy-Strom anschwimmt, dann hat der Hörer das Zeug, auch die verbleibende Spielzeit zu überstehen.
Sieben Minuten Dramatik liegen mit "Miles Away" hinter uns. Nach knapp vier Minuten klingt sich Nik Turner in den Klingonen-Sound ein und muss um seinen Platz im Song richtig kämpfen. Kein Wunder, nach eigenen Angaben nennt Joy als Genre »shredrock«. Alphatierchen in Form von Künstlern/Bands aus der Vergangenheit sind Jimi Hendrix, der allerdings nie so archaisch-dröhnend war. Blue Cheer wird von der Plattenfirma Tee-Pee Records genannt. Wobei sich die Band nie so weit raus in den Weltraum getraut hat.
Bei dieser gnadenlos-heftigsten Gangart ist es schon erfreulich, wenn sich die Combo selbst so etwas wie Ruhe gönnt. Über "Evil" schweben auch die bedrohlich-dunklen Gitarren-Exzess-Wah Wah-Sound-Wolken der Unbarmherzigkeit. Allerdings geht hier alles etwas gemächlicher zu. Dieses Stück ist geradezu moderat, ziemlich dicht am Blues Rock, den man sich normalerweise zu Gemüte führt.
Zur Psychedelic gehört das Gitarren-Wah Wah-Pedal wie die Frischmilch in den schwarzen Tee. Ohne diese Klang-Variante wäre nichts los im abgehobenen Bereich der Mucke. Zachary Oakley ist ein Spezialist im Einsatz des geölten Fußgelenks. Klasse!
Ach, ist das schön! "Evil" endet mit einem Old School-Fade Out.
"One More Time" ist eine geradezu hitverdächtige Nummer. Es groovt, es geht, immer im Vergleich zum bisher gehörten Material melodisch zu. Dieses Stück ist Blue Cheers "Summertime Blues", nur wird dieser Track (leider) kein Hit. Joy kommt zum falschen Zeitpunkt an den falschen Platz. So ist das Schicksal der Spätgeborenen.
Verglichen mit den anderen Spielzeiten mit Ausnahme von "Under The Spell" ist "Death Hymn Blues" ein geradezu kurzes Stück. Bei etwas über dreieinhalb Minuten wird das psychedelische Ambiente doch tatsächlich balladesk. Man meint eine akustische Gitarre zu hören. Zachary Oakleys Gesang wird hier mit entsprechenden Klangeffekten verfeinert. Endlich, endlich kann der Hörer bei Querflötentönen quasi seinen gesamten Körper in einen Entspannungs-Modus versetzen. Der "Death Hymn Blues" ist ein super Track!
Dann versetzt Joy die letzte Nummer "Back To The Sun" doch noch mit dem Sound einer Jimi Hendrix-Gitarre. Dieses Stück geht relativ straight ab und wie eine sich langsam öffnende Lotusblüte wird Joy zu einer Band, die jetzt ganz besonders tief in den Sechziger-/Siebzigerjahren steckt.
Wie dem auch sei, Joys "Under The Spell Of Joy" ist sehr wohl dann eine Freude, wenn man auf eine besonders harte Gangart des bluesig-psychedelischen Rock steht. Dann und nur dann werden die acht gehärteten Nummern nicht zu einer Zerreißprobe für die Nerven.
Line-up:
Zachary Oakley (guitar, vocals)
Justin 'Nasty' Hulson (bass)
Paul Marrone (drums)
Additional Musicians:
Nik Turner
Parker Griggs
Danica Molenaar
Brian Ellis
| Tracklist |
01:Under The Spell (1:36)
02:Miles Away (7:03)
03:Confusion (7:41)
04:Evil (6:31)
05:One More Time (6:17)
06:Driving Me Insane (6:04)
07:Death Hymn Blues (3:36)
08:Back To The Sun (7:15)
(all songs written by Joy)
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