Tasty! hatte beim Kollegen Markus einen faden, vielleicht auch bitteren Beigeschmack. Er schrieb allerdings auch, dass die schwedische Combo Jump4Joy live »wohl eine Macht« seien. Davon kann man sich nun anhand von "Made In Norway" überzeugen. Das Quartett um den Frontmann Ulf Sandström (Hammond, Piano, Lead Vocals) trat im Januar 2010 an zwei Tagen im Rica Hotel, Hamar auf. Das ohne Booklet ausgestattete Digipak enthält einen Text, in dem unter anderem steht: »This material was recorded live during two intensive evenings in Norway with close to a thousand exorbitant dancers ...«
Ob es so viele waren, sei dahingestellt und ob getanzt wurde, lässt sich mit einer Audio-CD nicht feststellen. Sehr wohl kann man aber davon sprechen, dass Jump4Joy Tanzmusik spielen. Oder sollte ich besser schreiben: Musik zum Tanzen.
Das Quartett ohne Gitarristen spielt sich durch ein Repertoire, das zum allergrößten Teil aus Coversongs besteht. Lediglich "Sweet Little Woman" sowie "Ride It" stammen vom Band-Vorsteher Sandström. Beide Stücke fügen sich nahtlos ein. Die Zuschauer sind begeistert und tragen die Gruppe bildlich auf Händen. Sandström ist ein guter Sänger. Richtig punkten kann man mit dem Gesang, wenn die drei anderen Musiker mitmachen.
Bei den Songs, die es auf die Platte geschafft haben hat man nicht unbedingt irgendwelche ausgelatschten Gassenhauer ausgesucht. Okay, "Jambalaya ..." ist ein schon ziemlich durchgenudelter Track und bei Jump4Joy kann man nun nicht unbedingt vor Freude hüpfen, denn die Gruppe besohlt die Nummer nicht gerade neu. Das Piano honkt klasse und der Saxofonist Bo Gustafsson hat eh sehr viele Trümpfe in seinem Ärmel, aber außergewöhnliche Erkenntnisse bringt die Nummer nicht. Wenn die Zuschauer schon tanzen, werden sie bei diesem Track nicht gerade das Parkett verlassen.
Boogie Woogie und Rock'n'Roll sind die Hauptzutaten der Musik. Jump4Joy hat eindeutig einen relativ großen Stempel, mit dem sie den Vorlagen ihre eigene Komponente aufdrücken. Ganz versiert sind Sandström und besonders Gustafsson im Einflechten von Zitaten in die Zitate, wie zum Beispiel in "Diggin' My Potatoes". Blues hatte man ebenfalls im Programm der beiden Auftritte. Einerseits ist es Hank Williams' "Your Cheatin' Heart" und anderseits gibt es keine weitere Ballade.
Gustafsson ist ein ganz famoser Holzbläser. Der spielt eine sehr überzeugende Partie. Durch das Piano, die Hammond und dem Wechsel des Bassisten zwischen Kontrabass beziehungsweise E-Bass kommt Vielfalt in die Tracklist. Jump4Joy hat genügend Kohle im Tender und versteht es live, ordentlich einzuheizen.
Es lohnt sich, die gesamte CD in einem Rutsch durchzuhören. Wie bereits geschrieben, hat man den Publikumsapplaus beibehalten, allerdings gibt es hier nicht einen Kommentar oder eine Ansage. Na ja, muss auch nicht unbedingt sein. Nebenbei sei erwähnt, dass man von Ende November bis Anfang Dezember 2010 elf Termine in China absolviert hat.
Meiner Meinung nach kommt "Made In Norway" wohl wesentlich geschmackvoller rüber, als das Studioalbum "Tasty!". Die Live-Atmosphäre hat Rune Nordal sehr gut eingefangen und am Klang des Silberlings gibt es nun gar nichts auszusetzen. Mich würde interessieren, wie die Schweden abschneiden, wenn sie den Tracklist-Spieß umdrehen und statt der Covernummern viele eigene Songs spielen würden.
Nichtsdestotrotz darf die Live-Action von Jump4Joy empfohlen werden. Allerdings muss man den Boogie Woogie mögen und damit zurechtkommen, dass es statt einer Gitarre viel Saxofon auf die Lauscher gibt.
Line-up:
Ulf Sandström (piano, Hammond organ, lead vocals)
Bo Gustafsson (saxophone, backing vocals)
Surjo Benghi (upright bass, electric bass, backing vocals)
Kenneth Björnlund (drums, backing vocals)
| Tracklist |
01:Walk (5:59)
02:Diggin' My Potatoes (3:58)
03:The Fat Man (3:44)
04:Boogie Woogie Country Girl (3:45)
05:Jambalaya (On The Bayou) (3:30)
06:Your Cheatin' Heart (4:07)
07:Sweet Little Woman (4:13)
08:El Capitan (4:21)
09:Nosey Joe (4:44)
10:My Baby Is Boogying (2:59)
11:Ride It (5:30)
12:Barefootin' (4:53)
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