Einen richtig großen Namen hat sich der Amerikaner Kevin Jones - der so ziemlich alles spielt, was Saiten und Bundstäbchen hat - noch nicht gemacht. Nach seinem Debüt "Nobody's Father", auf dem er (gemäß einem Interview) die Lead Vocals Mary Chapin Carpenter und John Jennings überließ, hatte er genau diese beiden im vergangenen Jahr erneut ins Studio eingeladen, um den Nachfolger "Raising The Ebenezer" einzuspielen. Wobei Frau Carpenter auf der neuen Scheibe lediglich zweimal vor dem Gesangs-Mikro steht und John Jennings sich auf die Einspielung der Instrumente konzentriert hat, die Jones nicht oder nicht ganz so gut beherrscht.
Die Lead Vocals hat Jones hier also komplett höchstpersönlich übernommen. Und das alles andere als schlecht, wenn man seine Stimme auch nicht unbedingt aus vielen wieder heraushören könnte. Stilistisch hat er sich im Americana-Bereich mit einer ganz fetten Breitseite Folk niedergelassen. Die Gitarren sind überwiegend akustische und im sehr homogenen Gesamt-Sound tut sich neben den elektrischen Gitarren-Soli ansonsten vor allem Jones' Harmonika hervor. Die Songs kommen meist sehr beschwingt und mit einem federnden Groove unterlegt, was diese Angelegenheit zu einer locker-luftigen, im Gegenzug allerdings auch nicht sehr tiefgehenden werden ließ.
Das Lick der Elektrischen zu Beginn des Openers "You Know I'm Here" erinnert an das (allerdings wesentlich vehementer vorgetragene) von Steve Earles "The Other Kind". Insgesamt geht es bei dieser Nummer eine Spur rockiger zu, als auf den restlichen Stücken des Silberlings. Neben dem schmissigen Refrain kann ein (leider etwas zu leiser) Hammond-Sound gefallen. Die erste Nummer mit Mary Chapin Carpenter vor dem Mikro ist das folkige "Death To Life", wenn sie auch nur sehr dezent agiert. Ihre Background Vocals unterstützen die Lead-Stimme von Jones allerdings optimal und bringen außerdem ein zusätzliches Flair ins Spiel.
Sehr stark an die traditionelle Country-Musik angelehnt kommt "Sympathetic Partner". Der Song ruft das Bild eines Scheunen-Tanzes im Amerika der fünfziger Jahre vor dem geistigen Auge hervor. "Couldn't Say I Blame You" wartet mit dezenten Rockabilly-Einflüssen auf, wobei die Zügel jedoch straff gehalten werden, damit dieser Gaul sich nicht in einen Geschwindigkeitsrausch galoppiert. "Bow Down To The Master" ist erneut sehr dem Folk verhaftet und punktet durch tolle wie atmosphärische Saiten-Arbeit, während "Oh My, What A Day It's Been" mit echtem Ohrwurm-Charakter das Ziel als Sieger überquert.
Noch einmal Mary Chapin Carpenter bei "Girl From Lancaster" und auch hier ist die Chanteuse lediglich im Background tätig, von wo aus sie es aber nichtsdestotrotz erneut schafft, dem Song eine zusätzliche Farbe zu spendieren. Waschechter und authentischer Rockabilly wird bei "Dirty Rotten Dad Blame Blues" geboten. Eine ganz feine Nummer, die dem Hörer einmal mehr das Gefühl gibt, eine Hand voll Dekaden in die Vergangenheit verpflanzt worden zu sein. Als Live-Song ist auf dem Cover zwar nur "I'm Not To Blame" gekennzeichnet, aber auch schon zu Beginn von "With A Little Faith" eröffnet Publikums-Applaus diese Nummer.
"Raising The Ebenezer" ist kein lautes, sondern vielmehr in sich gekehrtes Album, das sich den Stimmungen amerikanischer Country- und Folk-Musik einer vergangenen Zeit widmet, ohne dabei introvertiert oder gar eigenbrötlerisch zu wirken. Zum Reinhören würde ich "You Know I'm Here", "Death To Life" oder auch "Dirty Rotten Dad Blame Blues" empfehlen. Wobei auch die Ear-Catcher "Sympathetic Partner" und "Oh My, What A Day It's Been" bei weitem nicht von der Hand zu weisen sind. Sicherlich kein Pflicht-Kauf oder gar essenziell, aber immerhin jederzeit nett und sehr angenehm anzuhören.
Line-up:
Kevin Jones (vocals, guitars, harmonica)
John Jennings (guitars, bass, keyboards, drums, percussion, vocals)
Mary Chapin Carpenter (vocals - #3,6)
| Tracklist |
01:You Know I'm Here
02:Bow Down To The Master
03:Death To Life
04:Sympathetic Partner
05:Drive In Song
06:Girl From Lancaster
07:Couldn't Say I Blame You
08:Love Song For You
09:If You're Good To Your Guitar
10:Oh My, What A Day It's Been
11:Dirty Rotten Dad Blame Blues
12:With A Little Faith
13:I'm Not To Blame (live)
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