Kani / Badass
Badass Spielzeit: 35:54
Medium: CD
Label: Go Down Records, 2012
Stil: Heavy Rock'n'Roll

Review vom 17.12.2012


Joachim 'Joe' Brookes
»We are like dogs on cocaine listen to Chuck Berry's r'n'r and old dear blues ... «
Dazu kommt bei der 2007 gegründeten Band nach eigenen Angaben noch eine Mischung aus Dead Kennedys, Motörhead und Nashville Pussy. Dreckig-lauter Rock'n'Roll kommt in "Badass" auf den Hörer zugerollt. Kaum hat man einen Zug gemacht, arbeitet sich die Zigarettenglut in Höchstgeschwindigkeit bis zum Filter vor. Wobei die Musik ungefilterter, erdiger Rock mit allen dazugehörigen Attitüden ist.
Die Gitarre rifft und soliert im Akkord bis zum Anschlag und Joker kann seine Stimme phasenweise vor lauter Emotionen gar nicht im Zaum halten. Alles muss raus! Der heftige Kani-Rock'n'Roll ist ein deftiger Tritt in den Hintern und trifft den Hörer voll auf die Zwölf. Die dargebotene Dynamik könnte man auch für einen Heizpilz verwenden. Für das Trio gilt Vollbeschäftigung.
Schlagzeuger Cib und Bassist Lispio geben Tempi vor, die meilenweit von einer Geschwindigkeitsbegrenzung entfernt sind. Nicht nur die Doublebass-Schlägel werden einem permanenten Härtetest unterzogen. Lispio kann allerdings auch richtig melodisch in die dicken Saiten greifen und es bleibt doch glatt auch Zeit für das eine oder andere Blitzlicht-Solo. Dazu hat Gitarren-Slinger Pante weit mehr Gelegenheiten, seine Fertigkeiten unter Beweis zu stellen. Er befindet sich quasi in einer Dauerrotation. Der Mann ist richtig gut und weiß, wo die Glocken des harten Rock'n'Roll am Besten klingen.
"Bud Is My Trainer" ist eine Ode an den Fäuste schwingenden Bud Spencer und wenn ein Sauflied fehlen würde, müsste man Kani ohrfeigen. Aber es ist nicht nötig ... auch dieses Image wird muskulös bedient. Allerdings hat "Drink'n'Drive" auch den mahnenden Zeigefinger beides getrennt von einander zu machen. Hier bearbeitet Lispio die dicken Saiten seines Tieftöners sehr extrem. An und für sich müssten ihm die um die Ohren fliegen. Dieses berücksichtigend, kann man sich danach voll und ganz dem wörtlich gemeinten "Badass Boogie" hingeben. Musikalisch hat man bereits 2009 mit dem Debütalbum "Rockabeast" das Fundament für vorliegende Platte gegossen. Die zehn Titel sind von schnell bindender Substanz und wenn man diesem Genre gegenüber offen eingestellt ist, dann erwartet einen auf "Badass" beste Unterhaltung.
Wenn bisher im Zusammenhang mit Kani von heftig, hart und schnell die Rede war, dann hat der Dreier auch hier eine Ausnahme von der Regel parat. Für das letzte Stück mit dem Titel "Dancing Star" holen sich die Musiker Barhocker, schultern die akustischen Gitarren und servieren uns einen sehr unterhaltsamen Blues der Extraklasse. Der Zwölftakter kam ja bei den unpolierten Nummern schon vorher zum Vorschein, aber in dieser Klarheit hätte man es nun nicht erwartet. Klasse, Kani!
Aber auch sonst muss man den Männern ein dickes Lob aussprechen. Denen geht in den gut fünfunddreißig Minuten nie die Luft aus und sie können richtig motivierend wirken. Boogieriffs und Groove lockern die Arrangements auf. Volle Lotte vorwärts heißt bei der Band nicht den Dampfhammer auf Biegen und Brechen auf den Amboss donnern lassen, sondern ihn so gezielt einsetzen, dass dadurch geschmiedete Kani-Kunst entsteht.
"Badass" gefällt, weil man sich doch eines guten Songwritings mit tollen Ideen rühmen kann. Das Trio ist auch handwerklich klasse drauf und schiebt einem einen überzeugenden Rock'n'Roll zwischen die Lauscher. Bei allem Tempo versteht es die Combo, ihre Riffs mit Vielseitigkeit zu versehen und Drummer Cib dürfte ein Wunder der Kondition sein.
Wie ist man überhaupt auf den Bandnamen Kani gekommen? Definitiv nicht durch diese Modemarke oder die Heilkraft von Moosbeeren. Wie dem auch sei ... das Trio fetzt sehr gut, kann einen über die gesamte Spielzeit prächtig unterhalten und wird zusammen mit diversen anderen Bands dafür sorgen, dass der Rock'n'Roll weiter leben wird. Okay, Kani kann mit der heftigeren Variante auf dem Flügel stürmen und für Unruhe sorgen.
Line-up:
Joker (vocals)
Pante (guitar)
Lispio (bass, guitars, backing vocals)
Cib (drums)
Tracklist
01:Bud Is My Trainer (2:53)
02:Electric Church Of Rock (4:30)
03:Go To Bed With Us (4:44)
04:What Doesn't Kill Me Makes Me Stronger (3:58)
05:The Power Of Money (2:32)
06:Drink'n'Drive (3:00)
07:Badass Boogie (3:24)
08:Die Hard (4:15)
09:We Bite (2:02)
10:Dancing Star (4:37)
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