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Das Debütalbum der dänischen Rocker Karma Cowboys gibt es in ihrem Heimatland schon seit geraumer Zeit. Genauer ist es Anfang September 2009 dort erschienen. Nun bekommt der Plattenzirkel einen größeren Radius und das Quartett macht sich daran, weitere europäische Länder von ihrem Hard Rock zu überzeugen.
Wie fast nicht anders zu erwarten, muss man dem fetten Aufkleber zustimmen, wenn dort steht: »For fans of kick ass rock'n'roll«. Das Kleingedruckte mit » AC/DC meets Led Zeppelin« erheischt zwar Aufmerksamkeit, stimmt allerdings nur bedingt. Die Aussie-Rocker sind eine Randerscheinung in der Mucke und das Luftschiff passt streckenweise schon eher. An und für sich hat die Band eine solche Kategorisierung nicht nötig. Es wäre auch ohne diesen Hinweis okay gewesen.
Allgemein ist die Musik der Karma Cowboys mit einem Pfund Blues Rock ausgestattet.
Dass die Musik mit einem »Scandinavian flavour« getränkt ist, steht außer Frage. Man mag da vielleicht noch an Großbritannien denken, aber so viel Platz war auf dem Sticker nicht mehr. Mit dem Frontmann Thomas Klovn Carlsen hat der Vierer einen klasse Sänger in seinen Reihen. Da kann man schon den Begriff Gesang in den Mund nehmen. Carlsen verfügt über ein klein wenig Metallspäne auf den Stimmbändern und lässt in keiner Weise einen überdrehten Shouter raushängen.
Der Berg an Gitarrensounds ist mächtig hoch und gut gerifft wird, was das Zeug hält.
Die Musterläppchen des Songwritings sind ziemlich unterschiedlich und wenn die Dänen ein leckeres Boogiemonster namens "Slammed Shut" in ihre Songreihe aufgenommen haben, dann sind sie sehr dicht an den Ausläufern des gerockten Blues. Nimmt man noch den nächsten Track "Crazy Woman", in dem einmalig die Bluesharp zum Einsatz kommt, hinzu, dann kommt die bekannte Freude beim Hörer auf. Gerade dieses Stück ist gut arrangiert, denn die Gruppe versteht es, Breaks und Rhythmuswechsel einzubauen.
Die dreiunddreißig Sekunden "Joe's Remote" sind nur ein kleines Gimmick.
Mit dem Sendersuchknopf werden einige Radiostationen angesteuert. Nicht mehr und nicht weniger. Mit den heimischen Erfolgen konnten die Karma Cowboys bereits als Support für Deep Purple auf großen Bühnen in Aktion treten. Bei dem mitreißenden Rock kann man sich sehr gut vorstellen, dass die Jungs live noch eine Nummer größer auftragen.
Interessant ist ebenfalls der Fakt, dass die Gruppe zur Promotion ihres Dänemark-Debüts sechs Konzerte innerhalb von zwölf Stunden spielte. So etwas wird im Informationsblatt zur Platte als eine »one-day tour« bezeichnet.
'Ungewollt' hatten die Cowboys bei den Aufnahmen auch noch Pech.
Man hatte in Nordvest, einem Ort in der Nähe von Kopenhagen bereits vier Tracks im Kasten, als das Studio niederbrannt. Die Bänder konnten gerettet werden und kurzerhand zog man in die Medley Studios um. Die Platte hat einen fetten Sound und passt entsprechend zur Musik. Auch wenn es über die zwölf Songs verteilt ruhigere Momente gibt, serviert man mit dem Rausschmeißer "Take Me" ein Glanzstück. Die Halbballade erstreckt sich über ungewöhnliche siebeneinhalb Minuten. Andere Stücke haben eine knackige Länge von um die vier Minuten. Die Karma Cowboys belegen, dass ihnen bei dem letzten Track nicht der Atem ausgeht. Jetzt darf sich die Gitarre länger austoben und plötzlich hat der Vierer auch das psychedelische Terrain entdeckt. Die Komponente ist im wahrsten Sinne des Wortes vorher zu kurz gekommen. Mit diesem Richtungswechsel befindet man sich beim Stoner Rock. Die Nummer ist sehr gut und unterstreicht nur, was die Gruppe zu leisten in der Lage ist.
"Shake It!" ist summa summarum ein gelungenes Debüt.
Die Karma Cowboys sind noch nicht am Gipfel angekommen, schlagen allerdings schon einige beachtliche Wellen im Basiscamp des Hard Rock. Da ist noch Luft nach oben und man darf gespannt sein, wie das gut rockende Konzept auf der Bühne umgesetzt wird.
Line-up:
Thomas Klovn Carlsen (vocals)
Morten Lundsgaard (lead guitar)
Nikolaj Storr (bass)
Jakob Roenlov (drums)
| Tracklist |
01:Joe's Remote (0:33)
02:Bad TV (3:22)
03:Shine On Tomorrow (4:03)
04:Shake It (4:39)
05:Slammed Shut (4:44)
06:Crazy Woman (3:44)
07:Shooting Star (5:24)
08:Chant No. 1 (2:54)
09:Keen On Gasoline (2:49)
10:Why Did You (3:59)
11:Wishing Well (4:14)
12:Take Me (7:22)
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