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King Howl Quartet ... da könnte man, ohne einen Ton gehört zu haben, auf Blues tippen. "Mornin'" läuft und die Vermutung bestätigt sich, nur muss hinter Blues noch ein fettes Rock ergänzt werden. Hammer, haut der Vierer rein! Man bekommt eine gehörige Portion Zwölftakter um die Ohren, aber alles mit einer Stimmung, die in keiner Phase überfrachtet oder übertrieben wirkt. Das Raubtier auf dem Coverbild symbolisiert die Bissigkeit der Combo.
Das King Howl Quartet kommt aus Sardinien. Nur wenige Kilometer von Korsika entfernt kennen die Sarden Eis wohl nur aus dem Tiefkühlfach des Kühlschranks. Der Blues Rock ist feurig. Oft ist es schwierig, Künstler, die aus verschiedenen musikalischen Richtungen (Antagonista Quintet, Giannies, Pirna Scream, Super Oil 69, Thee Oops) strömen, unter einem Hut zu bekommen. Aber dieser Gruppe ist es hervorragend gelungen, ihre Mischung aus Stoner Rock, Blues, Funk, ein wenig Jazz und Metal auf den Punkt zu bringen. Bisher erschien die "King Howl EP" und man hat bereits mit Aucan, Kamikaze Queens, King Salami, Tre Alegri, Ragazzi Morti oder Uoki Toki die Bühne geteilt. Fans des Bottlenecks kommen hier auch noch auf ihre Kosten, denn Gitarrist Marco Antagonista favorisiert das Metallröhrchen in vielen Nummern.
Neben einem Traditional ("John The Rev.") und Coversongs von Blind Willie Johnson beziehungsweise Skip James stammen alle anderen Lieder aus der Feder des Bandkollektivs. Respekt! Was sich in der Ideenschmiede vom King Howl Quartet so tut, ist lobenswert. Außerdem hat die Platte noch einen richtig fetten Sound, der so gut zur Musik passt.
Diego Pani ist ein klasse Sänger und der bereits erwähnte Gitarrenslinger Marco Antagonista steckt voller Fantasien. Er gibt der Kapelle mit seinem Riffing auch einen Anstrich zwischen Hard Rock und metallischer Härte. Diese richtungsweisende Spielkultur macht das Salz in der Suppe aus. Allerdings kann sich der Saitenhexer auch richtig in den Blues hineinversetzen und kommt dann mit echt hörenswerter Fingerfertigkeit um die Ecke. Nicht nur im Songtitel "It's The Blues, Baby" steckt der 12-Takter. Diese Nummer ist eines der groovenden Highlights und aus meiner Sicht so etwas wie die King Howl Quartet-Hymne.
Die unterschiedlichen Stilrichtungen wie Funk, Slow Blues oder Boogie hat man ebenfalls im Köcher und so bereitet das Debütalbum nicht nur höllischen Hörspaß, sondern schürt bereits die Freude auf einen Nachfolger. Apropos Slow Blues ... die Ballade "Nocturne", übrigens auch aus eigener Feder, ist eine Nummer, bei der man schon wieder eine Gänsehaut bekommt. Das King Howl Quartet lässt es ruhig angehen, die Slidegitarre wird auf sanft gestimmt, Damiano 'Dam-O' Fanti streichelt mit den Jazzbesen über die Felle seines Schlagzeugs und Diego Pani haucht den Text sehr sexy ins Mikrofon. Man wird den Gedanken an den ebenfalls sehr gefühlsbetonten Sänger Jim Morrison nicht los. Wer ist Carla?
Beim Skip James-Titel "Hard Times Killing Floor" hauen gleich zwei Gitarristen in die Saiten, denn mit Francesco Piu wird der Sechssaitersound um noch einige Stufen fetter angereichert. Wow! Diese Version ist das Edelstück der Fremdkompositionen und gehört in die oberen Regalbretter der Coversongs. Blues, Punk und Slidegitarre ... geht das zusammen? Und wie, wie die Hochgeschwindigkeits-Trinkattacke "Drunk" unterstreicht. Gut, dass die Band einen Gitarristen im Line-up hat, der auch beim Einsatz des Bottlenecks eine überzeugende Figur abgibt.
Was hat diese tolle Band wohl als Rausschmeißer zu bieten? "Wolfman's Calling" ist der King Howl Quartet-Rock'n'Roll, bei dem man vor dem geistigen Auge Marco Antagonista auf einer roten Halbakustischen spielen sieht und Alessandro Cau turnt auf dem Kontrabass. Mittendrin hat man dann auch noch einen herrlich groovenden Teil eingebaut. Nach dem Fadeout kommt die Nummer als Blitzlicht nochmals zurück. Nicht nur am Schluss sorgt das King Howl Quartet für Überraschungen und macht das Debüt zu einer dicken Empfehlung.
Line-up:
Diego Pani (vocals)
Marco Antagonista (guitar)
Alessandro Cau (bass)
Damiano 'Dam-O' Fanti (drums)
With:
Francesco Piu (additional guitar - #10)
| Tracklist |
01:Mornin' [King Howl Quartet] (4:41)
02:No Flame [King Howl Quartet] (3:15)
03:John The Rev. [Traditional] (3:53)
04:Drunk [King Howl Quartet] (2:31)
05:Trouble Soon Be Over [Blind Willie Johnson] (6:43)
06:My Lord [King Howl Quartet] (4:14)
07:It's The Blues, Baby! [King Howl Quartet] (4:08)
08:Nocturne [King Howl Quartet] (4:46)
09:Bleedin' Mouth [King Howl Quartet] (4:12)
10:Hard Time Killing Floor [Skip James] (5:07)
11:Wolfman's Cry [King Howl Quartet] (5:27)
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Externe Links:
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