Längst werden die musikalischen Medienlandschaften des einst fleischgewordenen Dolce Vita und Sehnsuchtsziels Italien nicht mehr vom Fluss Dutzender Schmachtliedchen und barocken Pompwerken gespeist. Dennoch hat es den Anschein, dass selbst Rock'n'Roll-Tifosi allem Hang zum Überschwänglichen, nebst den süßen Versuchungen bildungsbürgerlicher Musiziertaten und matteschwingender Symphonien stets unterlegen waren. Da zählen wohl musikalisch brachialere Gangarten in der einerseits durch mafiöse Turbulenzen, andererseits mit Mama-Komplexen und Müßiggang-Klischees behafteten Nudel-Republik zur kläglichen Minderheit.
Gabriele Rustichellis Eingebung wollte 2011 dem wohl entgegenwirken, als dieser in Anlehnung an die wissenschaftliche Formel zur Berechnung der sich durch Reizverstärkung ändernden Sinnes-Wahrnehmung
S= k log R die gleichnamige Musikclique und Bande des strukturierten Krachs begründete. Von Kritikerschelten weitestgehend verschont, hat sich mittlerweile herumgesprochen, mit welch spielerisch-breitbeiniger Energie
Klogrs Griffbrett-strapazierende Bastarde renitenten Alternative Rock sowie Stakkato-geplagte Metal-Attitüden aus heimischen Speakern brettern. Wir haben hier nunmehr eine Horde Mailänder Edelstahl-Kocher, die schon beim
Debüt 2011 mit ihrer scheinbar beherrschbaren Diskrepanz zwischen schroffer Energie und feinmechanischer Virtuosität halbwegs zu beeindrucken wussten.
So propagieren diese auf "Black Snow" mitnichten düstere Endknall-Messen, sondern einen mit gesellschaftsentblößenden Textbotschaften gespickten Reigen von hundsgemeinen Nackenbrechern und melodietemperierten Zwischentönen. Dabei kanalisiert die mittlerweile drei Gitarren starke Mannschaft ihren Testosteron-Überschuss in meterdicke Riffwände sowie kompositorisches Kalkül und rockt alle Metal-geißelnden Doktrinen über den Haufen. Ganze zwölf voll gebrochener Wut, nerdigen Thrash-Ambitionen und dennoch fein getunte, von hirnentleertem Prügel-Stumpfsinn distanzierte Kompositionen sowie Rustichellis Ehrgeiz, unfertig wirkende Makel des Debüts zu vermeiden, lassen nun hoffen. Das in drei verschiedenen Studios produzierte Machwerk entsagt jeglichem Patchwork-Appeal, beweist mit seinem durchgängig muskelprotzenden Soundgewand dagegen mehr strebsame Einheit als Garagen-rockendes Gehabe. Über weite Strecken ist Abrissbirnen-Gebolze längst den Melodie-akzentuierten Brüchen gewichen und lässt nicht zuletzt Rustichellis irgendwo zwischen grungiger Erhabenheit und eisigem Zorn gepresste Gesangseinlagen im balladesken "Ambergris" gnadenlos ins schmalzige Abtropfbecken gleiten. Mit erhobenen und vor geistiger sowie physischer Umweltverschmutzung mahnenden Fäusten schuften sich die sich für Tierschutz engagierenden Italiener vorwiegend durch flanellhemdiges und ins kollektive Langzeitgedächnis gebranntes Seattle-Rock-Treibgut. Mit Ausnahme von "Zero Tolerance" und "Severed Life" wird sowohl auf Knüppel-Mentalitäten als auch dekonstruierte Strukturen wohlwollend verzichtet, suhlen sich Rustichellis exzentrische Ablässe mit Vorliebe auf derber, von geschwindigkeitsgedrosselten Gitarrenbrettern und High-Tech-Zierden angerauter Auslegware.
Ich für meinen Teil bin mir nicht ganz sicher, ob die musikalischen Grobmotoriker mit Sinn fürs gleichsam Emotionale ihr spielerisches Potential völlig auszuschöpfen vermochten, jedoch überzeugt, dass jene kampfesmutige Kombination aus zornigem Rock-Metal-Gewüchs und meterdick beschwörendem Pathos, sowie der Exoten-Bonus notorische Pressenörgler und pragmatische Hardrock-Verbraucher aufhorchen lassen.