Den Southern Rock muss man mit der Lupe suchen, ich kann ihn nur in wenigen Gitarrenleads erkennen, die wiederum viel zu kurz sind. In "Come On Radio" wird das Solo zu dem Zeitpunkt ausgeblendet, als es gerade richtig losgeht. Ansonsten ist das eine der wenigen Nummern, die sich der Countrymusik im traditonellen Sinne bedient, ebenso wie die gefälligen "Into Her Arms" (mit einfühlsamen Dobro-Sounds garniert) und "What's It Like" mit Pedal Steel-Einlagen - leider drischt Beau Brauer genauso auf sein Schlagzeug ein wie bei den rockigeren Songs. Ansonsten findet man noch in den Songtexten Country-Einflüsse, aber eher im Sinne von Stories aus dem texanischen Mikrokosmos. Wie heißt es treffend im vielleicht besten Lied des Albums, "I'm Gone":
»I'll stay in Texas, to hell with Tennessee. Who needs Nashville (...)«.
Das meiste aus Nashville braucht kein Mensch, ich unterschreibe es sofort. Aber um ehrlich zu sein, reißen mich die restlichen sechs Songs des Albums nicht vom Hocker, denn allzu sehr werden sie von einem melodisch-konformistischen Mainstream-Gitarrenrock-Appeal beherrscht. Besonders das Riffing und die wenig feurige Stimme von Namensgeber
Kyle Bennett, der wie eine entschärfte Version von
Shy Blakeman klingt, verschaffen einem diesen Eindruck. Das soll aber nicht heißen, dass diese sauber produzierten Songs wirklich schlecht wären, nur sind sie im Kontext von Texas Country und Southern Rock ziemlich fehl am Platze. Immerhin wurde das akustische Intro von "Donnelly Drive" geschickt bei "Sweet Home Alabama" geklaut, ist auch schon was.
Wer auf melodischen Gitarrenrock mit einigen Country-Ausflügen steht, könnte mit dieser CD glücklich werden. Für ein Debüt nicht schlecht, aber vielleicht sollten die Jungs als Vorbereitung auf die nächste Platte weniger
Reckless Kelly hören, dafür ganz oft
Johnny Cash und die
Marshall Tucker Band auflegen.