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Die österreichische Jazzsängerin Simone Kopmajer ist noch so jung und hat noch so viel vor sich. Sie stammt aus einer musikalischen Familie und sang bereits mit zwölf Jahren in der Band ihres Vaters. Der Gesang wurde zur Passion und Simone Kopmajer trat bereits auf vielen europäischen Festivals sowie in Amerika auf. Nun ist "Didn't You Say" noch nicht einmal ihr Debüt-Album. Das erschien bereits 2004 unter dem Titel "Moonlight Serenade". Es folgten zwei weitere Platten und ihre Anerkennung in den Kreisen der Kritiker sowie Musiker stieg und stieg.
Jetzt aber widmen wir uns eine gute Stunde ihrer Musik, die sie zusammen mit dem Pianisten John di Martino, John Chirillo an der Gitarre, Richie Goods am Bass, Tim Horner an den Drums sowie Tim Quimette (Trompete, Flügelhorn) in New York eingespielt hat. Zu lesen ist, dass Kopmajer selber auch Klavier beziehungsweise Saxofon gelernt hat.
Die Chanteuse steckt ihr musikalisches Feld auf vorliegender CD sehr weiträumig ab. Ausgehend von Eigenkompositionen stoßen wir bei ihrem vierzehnteiligen Angebot auf viele bekannte Nummern, die unter anderem von dem Ehepaar Gershwin bis zu Prince reichen. Das Mehrgängemenü ist aufgetischt und jetzt muss es nur noch schmecken.
Da sie die Eigenkomposition "Didn't You Say" an den Beginn stellt, soll auch etwas über die ersten vier Minuten geschrieben werden. Der ruhig dahin groovende Track hat einen spätestens dann gepackt, wenn Kopmajer zu singen beginnt. Hammer! Enorm, welchen Swing diese junge Frau in der Kehle hat. Ihre musikalischen Begleiter sind richtig gut drauf und geben der Österreicherin ein stabiles Fundament, auf dem sie sich bestens wohlfühlen kann. Zu ihren Eigenkompositionen zählt auch die Ballade "Forgetting To Breathe". Große Gefühle werden auf ein sanftes musikalisches Kissen gebettet und die Kopmajer singt einfach traumhaft schön. Das Piano sowie die Gitarre ergeben eine feinnervige Einheit und sind in ihren Soli unschlagbar gut.
Die Coversongs haben es in sich. Was aus den Vorlagen arrangiert wurde, hat Hand und Fuß. "Pathway Out Of The Darkness" wiegt sich in einem wunderschönen Reggae-Ambiente. Mittendrin gibt es ein kurzes Intermezzo, das fast klassische Atmosphäre in sich trägt. Die Pianoklänge perlen hell und klar aus den Lautsprechern und Tim Horner liefert galante Drumspielereien dazu. Selbst eine so bekannte Nummer wie "Come Fly With Me" bekommt in den Händen von Kopmajer sowie ihrer Combo frischen Esprit eingehaucht. Eine tolle Interpretation wartet auf den Hörer. Auf identischem Niveau kommt "S' Wonderful" daher. Die herrliche Stimme ist die eine Seite der Kopmajer, aber wenn sie zum Scatgesang anhebt, dann wird die Angelegenheit zu einem vokalen Festival. In diesem Stück kommt auch die Gebläseabteilung zum Einsatz und Richie Goods sowie Horner haben ihre Soli in diesem Prachtexemplar von Lesung.
Von der Papierform her habe ich "Kiss" zunächst als einen weiteren Songtitel wahrgenommen. Erst aus dem Booklet, das alle Texte sowie weitere Informationen enthält, wurde mir klar, dass der Prince-Track gemeint ist. Spannung ist angesagt. Was macht Simone Kopmajer wohl daraus? Das bissige Tempo des Originals wird herausgefiltert, die Gitarre hat einen fast groovenden Funk und die Piano-Riffs bilden einen super Kontrast dazu. Nach dem ersten Durchgang stellt man fest, dass ihr 'Kuss' um einiges sanfter und grundlegend natürlich vom Jazz geprägt ist. Hier wird großes Kino geboten. Nicht nur bei diesem Stück findet man irgendwann blind die Repeattaste...
Wow, eine weitere Wundertüte wird mit "How Sweet It Is To Be Loved By You" aufgemacht. Handclaps sowie Fingerschnipsen bilden den Rhythmus. Sie wird ausschließlich von Goods' Kontrabass begleitet. Pure Emotionen entladen sich auf hervorragende Weise. Was aus einem Countrysong wie "Tennessee Waltz" wird, wenn Jazzer ihn zwischen die Finger bekommen, kann abermals nur bestaunt werden. Gekrönt wird "Didn't You Say" von der Billie Holiday-Nummer "Don't You Explain". Jetzt begleitet der begnadete John di Martino die Sängerin am Piano. Klasse!
Simone Kopmajer hat mit diesem Album ein ganzes Scheunentor beim Rezensenten aufgestoßen und ihr werde ich weiter auf den Fersen bleiben, weil alle Ziele, die zu bester Unterhaltung aufgestellt wurden, erreicht werden. Wenn es zur Platte einen Erwartungshorizont gab, dann ist der greifbar nahe gerückt.
Line-up:
Simone Kopmajer (vocals)
John di Martino (piano)
James Chirillo (guitar - #1,3,6,8,9,11)
Tim Quimette (trumpet, flugelhorn - #4,5,7)
Richie Goods (upright bass, electric bass)
Tim Horner (drums)
| Tracklist |
01:Didn't You Say (4:07)
02:Bauble, Bangles And Beads (3:50)
03:Ghost In The House (3:50)
04:I've Never Been In Love Before (4:30)
05:Bewitched, Bothered, Bewildered (6:20)
06:Come Fly With Me (4:30)
07:S' Wonderful (4:06)
08:Forgetting To Breathe (4:25)
09:Pathway Out Of The Darkness (4:42)
10:Everything Must Change (5:13)
11:Kiss (5:01)
12:How Sweet It Is To Be Loved By You (3:36)
13:Tennessee Waltz (4:36)
14:Don't Explain (3:19)
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