Vor knapp einem Jahr sollte Eric Lindell, nach seinem Alligator Records-Debüt Change In The Weather eine zweite Chance bekommen.
"Low On Cash, Rich In Love" ist seine Gelegenheit, vielleicht Boden wett zu machen. Gegenüber dem Vorgänger ist das Line-up wesentlich kürzer ausgefallen. Lindell hat, allem Anschein nach, seine Band in Chris Mule (guitar), Aaron Wilkinson (bass) und dem Drummer Chris Plyant gefunden.
Seine Musik ist wohl im Blues verwurzelt, allerdings scheint er einer der wenigen Musiker, die bei Alligator Records unter Vertrag stehen, zu sein, der die Roots sehr weiträumig interpretiert. Hingegen ist das Album, vom Protagonisten persönlich produziert, mit einem fast intimen Flair behaftet, das der Platte einen nicht von der Hand zu weisenden Persönlichkeitsfaktor verpasst.
"Low On Cash, Rich In Love" verfügt über nur einen Cover-Song.
Fünf Tracks hat der Amerikaner geschrieben und alle weiteren wurden im Team mit dem Gitarristen Mule und Aaron Wilkinson (Bass) verfasst.
"Lay Back Down" fließt locker flockig dahin und sowohl der erst 19-jährige Blake Nolte am Saxofon als auch die Hammond von Mark Adams bereichern den Track. Lindell singt mit angerauter Stimme, die ihn auch als einen tollen Sänger ausweist.
Mit "Tried And True" spielt der Herr mit dem Zeitrad, denn er kurbelt es einige Umdrehungen zurück in die 50er-Jahre. R&B ist angesagt, wenn das Schlagzeug rumpelt und Chris Mule eine sanfte Gitarre spielt. Lindell reicht dazu einen etwas schärferen Sound.
"What I Got" nimmt Abstand vom Blues. Groovender Americana-Style ist angesagt und hier spielt ausnahmsweise Jimmy Carpenter das Saxofon. Nicht zu dick trägt die Orgel vom New Orleans-Musiker Mark Adams auf und der Song kommt gänzlich ohne Gitarrensolo aus, denn dafür ist der Holzbläser zuständig.
Ein klasse 12-Takter ist "It's My Pleasure" mit Dobro-Slide, kräftigem 6-Saitersolo und leckerem Groove. So sollte es sein: Songs mit einem angenehmen Eingängigkeitsfaktor und Überraschungsmomenten, die beim Vorgänger eher Mangelware waren. Klasse, die Bottleneck-gesteuerte Gitarre und überhaupt passt alles zusammen, weil sich Lindell auf die wenige Köche verlässt.
"It' A Pity" haut in die funkige Kerbe. Wah Wah-Gitarre und ein überragender Mark Adams, der eine super Hammond mit Leslie-Turbo spielt und auch für die Solo-Einlage sorgt.
Im folgenden "I Got A Girl" spielt der Lindell dann Harp. Nicht schlecht, Herr Specht, schön dreckig gespielt und seine Reibeisenstimme kommt sehr gut rüber. Die passt hier viel besser, als im vorherigen Track. Die Slide-Gitarre ist auch wieder am Start und so entwickelt sich der Song zu einem Highlight der CD.
"It's You", mit herrlichen Backing Vocals ist bestens geeignet, das Tanzbein zu schwingen. Dieser Jungspund von Blake Nolte ist ein Talent erster Güte. Den sollte man im Auge behalten. Bereits jetzt mit allen Wassern gewaschen, wird er bestimmt ein sehr gefragter Session-Musiker werden.
"All Night Long" hat einen Country-Touch abbekommen und auch hier ist Nolte zu hören.
Bereits angesprochen, hat Lindell auf seinem Album mittendrin eine Fremdkomposition untergebracht. "Lady Day And John Coltrane" heißt das Ding und stammt aus der Feder von Gil Scott-Heron. Mit Gitarre, Orgel und Harp satt machen Eric und Band diesen Song in seiner Lesart wirklich hörenswert.
Der funky Part des Silberlings läuft uns auch in "Low On Cash" über den Weg und man merkt, dass der Protagonist den Saxofonisten Blake Nolte so richtig puscht. Der kann seinen jugendlichen Drive ausleben.
Der Refrain von "Josephine" ist zum Mitsingen geeignet und Mark Adams spielt sein Piano in New Orleans-Stimmung. Muss man Blake Nolte noch erwähnen? Eine echte Entdeckung.
"Mind Your Business" würde auf jedem guten Roots-Album Platz finden. Die Slide-Gitarre ist beeindruckend und das gezupfte Solo hinterlässt deutliche Schatten.
Die Skepsis nach "Change In The Weather" ist gewichen und für "Low On Cash, Rich In Love" habe ich im Lager noch zwei Chronometer bekommen, die ich oben drauf packe, sodass es jetzt insgesamt 7 von 10 RockTimes-Uhren gibt.
Line-up:
Eric Lindell (vocals, guitar, harmonica, backing vocals)
Chris Mule (guitar, backing vocals)
Aaron Wilkinson (bass, backing vocals)
Chris Plyant (drums, backing vocals)
With:
Blake Nolte (saxophone)
Jimmy Carpenter (saxophone - #7)
Mark Adams (piano, organ)
Sean Carey (backing vocals - #1)
Tracklist |
01:Lay Back Down (4:33)
02:Low On Cash (2:52)
03:Josephine (2:45)
04:Mind Your Business (3:37)
05:Tried And True (3:44)
06:Lady Day And John Coltrane (3:03)
07:What I Got (3:53)
08:It's My Pleasure (4:29)
09:It' A Pity (4:02)
10:I Got A Girl (3:37)
11:It's You (3:42)
12:All Night Long (5:48)
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