Der Oktober 2009 erwies sich für mich sprichwörtlich als 'golden'. Hatte ich mit Johnny Mastro und 5 Live zwei tolle Konzerte erlebt, über Van Wilks und Joe Bonamassa zwei starke DVDs besprochen, und selbst die CDs, die ich für unser Mag bewertete, waren allesamt der oberen Kategorie zuzuordnen! Nun bin ich aber nicht gerade scharf darauf, den Cup des 'Schönschreibers' zu gewinnen, und wünschte mir nun ein Scheibchen, das nicht auf so einem hohem Level anzusiedeln ist. So stöberte ich auf unserem Redaktions-Grabbeltisch nach einer No-Name-Band, die kaum einer kennt, die nicht so doll ist und wo ich mich vielleicht mal so richtig kritisch äußern könnte. Was? Wer? Horst Luksch? Der Silberling muss es sein! Zieh dich warm an Horst, zumal der Eröffnungstrack auch noch mit "Last Minute" betitelt ist, es könnte wirklich deine letzte CD sein!
Erstmal das Booklet checken: Veröffentlichung schon 2002, eine sehr kundenfreundliche Spielzeit von über einer Stunde, das Line-up weist eine Drei-Mann-Band aus und das Cover wirkt nicht gerade abstoßend. Also, rein in den Player, Kopfhörer aufgesetzt und den Verstärker auf Betriebstemperatur gebracht. Ah! Daher kommt der Braten! "Last Minute" wird im Stil von Satriani vorgetragen. Und wenn ich es nicht besser wüsste, könnte der Song auch vom amerikanischen Gitarrenmeister stammen! Aber Luksch setzt noch einen drauf, "Insanty" erinnert an einen weiteren Gitarrenhexer, Steve Vai! Oje, ich ahne, ach was, ich weiß schon jetzt, ich habe schon wieder in die Vollen gegriffen! Na klar, steht doch auf seiner Visitenkarte, Musikpädagoge, Komponist und Gitarrenlehrer! So hat er, bis auf "Heya, Heya", alle Stücke selbst komponiert! "Serenade In Paradise" ist ein Teil, das sich förmlich in den Ohren festsetzt! Spielstarke Rhythmen mit erstklassigem Tempowechsel zeichnen diesen Track aus. Dass für Horst Gitarrenzauberei in Schallgeschwindigkeit kein Problem ist, beweist "Race Against Time". Spätestens jetzt frage ich mich, warum ich noch nichts von diesem außergewöhnlichen Klampfer gehört habe? Vielleicht weil er sich mit den Vokals, obwohl im Line-up angegeben, stark zurückhält? Bisher habe ich nämlich nur instrumentale Stücke vernommen, so auch bei "Be Cool" und dem Titeltrack "Movimiento". Wobei der Letztgenannte mich wieder stark an Vai erinnert. Horst würzt das Teil mit reichlich Fusion-Elementen und könnte beim ungeübten Hörer auch auf Unverständnis stoßen.
Es folgt mit "Mystery Of Love" eine butterweiche Ballade. Der Würzburger lässt seiner Klampfe freien Lauf, die es ihm mit tollen Melodien dankt, die zum Teil auch etwas gezerrt rüberkommen, aber nie störend wirken. Mit "Just A Little Vamp" und "Guitar Highway" folgen meine persönlicher Anspieltipps, wenn man bei der Klasse von Luksch überhaupt noch von Anspieltipps schreiben kann. Er bearbeitet seine Saiten wieder mit Schallgeschwindigkeit, ohne den Faden zu verlieren. Trotz der Schnelligkeit der Tracks versprühen die Teile voller Harmonie und man spürt förmlich die verschmolzene Einheit zwischen Mensch und Instrument! Also doch!
"Hurry Up" beweist zwar wieder seine extrem geschulte Fingerfertigkeit, doch der Dixie-Einschlag kommt bei mir nicht so gut an. Dazu waren die vorherigen Stücke einfach zu prägend. Mit "One Night Boogie" kommt der Deutsche wieder auf die Erfolgsspur zurück. Setzt klasse Breaks, die nicht zu sehr abdriften, und unterstreicht noch mal sein außergewöhnliches Können an der Stromgitarre. Was denn nun? Bei "Heya, Heya" scheinen einige Indianerpfeile durch die Luft zu fliegen und man könnte meinen, Luksch hätte auch noch einen Regentanz komponiert! Es ist aber auch das einzige Stück, wie bereits oben erwähnt, das nicht aus seiner Feder stammt. Immerhin vernehme ich erstmalig seine Gesangseinlagen, die mich aber nicht wirklich vom Hocker hauen. Egal! Horsts elementares Zeichen befindet sich ganz klar im Kreis der Gitarre!
Bis auf "Hurry Up" und seinen Gesang kann ich nichts Weiteres entdecken, was es zu kritisieren gäbe! Das Tempo, das Luksch anschlägt, ist zum Teil atemberaubend! Er bewegt sich ganz klar im Genre eines Satriani mit einem Schuss Blues Rock, etwas Fusion. Das alles recht heavy gespielt und mit ein wenig Jazz angereichert. Dass der Tonträger perfekt abgemischt wurde, ist auch ein Verdienst des Bassisten Jay Pee Stables und des Schlagzeugers O.K. Simpson. Beiden gehört ein nicht unerheblicher Anteil an der hohen Qualität, für die die Platte steht! Alles in allem, kann ich nicht nur ein Reinhören empfehlen, sondern muss es geradezu verordnen. Fast wäre ich geneigt zu sagen, man muss sich den Silberling unbedingt zulegen! Doch soll der Konsument lieber selbst entscheiden.
Für Luksch hätte ich noch einen Tipp parat! Hör Dir mal Raimund Burke an! Der ist ebenfalls ein begnadeter Gitarrist, spielt auch im Stil von Satriani und stammt aus Hamburg.
Line-up:
Horst Luksch (vocals, guitar)
Jay Pee Stables (bass)
O.K. Simpson (drums)
| Tracklist |
01:Last Minute
02:Insanty
03:Serenade In Paradise
04:Race Against Time
05:Be Cool
06:Movimiento
07:Mystery Of Love
08:Just A Little Vamp
09:Guitar Highway
10:Hurry Up
11:One Night Boogie
12:Heya, Heya
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