Lärmatron / Ab durch die Mitte
Ab durch die Mitte Spielzeit: 30:01
Medium: EP (CD)
Label: Eigenproduktion, 2009
Stil: Deutschrock

Review vom 04.02.2010


Markus Kerren
Lärmatron sind eine noch relativ frische Truppe, die sich Ende 2007 im niedersächsischen Oldenburg zusammen gefunden hat. Bereits zwei Jahre später, im Dezember des letzten Jahres, legte das Quartett dann seine erste Veröffentlichung, die hier vorgestellte EP "Ab durch die Mitte" vor. Und die Norddeutschen machen ihrem Namen alle Ehre. Wenn das Wort 'Lärm' in der Regel auch negativ behaftet ist, so bezieht es sich in diesem Fall jedoch vielmehr auf ungezügelte Power und Rock bis zum Abwinken.
Wie es der Titel der Scheibe ja schon vermuten lässt, haben sich Lärmatron dazu entschieden, ihre Texte in deutscher Sprache zu verfassen. Wobei hier teilweise einfach nur unterhalten, auf der anderen Seite aber durchaus auch mal zum Nachdenken angeregt werden will. Wohin die Reise auf "Ab durch die Mitte" musikalisch geht, macht dann gleich der Opener "Nitroliebe" klar. Fette Gitarren und der kraftvolle Gesang von Patrick lassen die Band irgendwo zwischen härterem deutschen Rock und auch dem Deutsch Punk ansiedeln.
Da auch die Rhythmusabteilung mächtig Druck macht, kommt das alles richtig schön erfrischend. Klar haben auch Lärmatron das Rad nicht neu erfunden, aber das muss ja auch nicht unbedingt immer krampfhaft erzwungen werden. Mein Favorit der Scheibe ist der Song "Mofazombie", der einmal mehr die Post abgehen lässt und sich textlich mit einer dieser sonderbaren, isolierten und von allen anderen argwöhnisch und kritisch angesehenen Gestalten befasst, über die wohl jedes Dorf, bzw. jede Stadt verfügt. Hier hat Manuel einen klasse Double-Bass im Anschlag und es wird auch insgesamt sehr gut mit dem Tempo variiert.
Hat sich der "Mofazombie" schon mit sozialkritischen Dingen beschäftigt, so bleibt man mit dem "Lonesome Rider" bei den eher nachdenklichen Themen. Auch eine starke Nummer, die den Spagat schafft, eine coole Mischung aus aggressivem Gesang und vertracktem Arrangement auf den Tisch zu bringen. Schöne Heavy- bzw. Heavy Rock-Riffs werden uns bei "Bis ans Ende" präsentiert. Nein, Pause machen oder mal Durchatmen ist nicht unbedingt die Sache von Lärmatron. Da geht es kompromisslos geradeaus nach vorne. Ein Rückspiegel existiert nicht.
Und kaum habe ich es geschrieben, überrascht doch noch ein etwas gezügelterer Track - allerdings nicht ohne auf die powervollen Gitarren zu verzichten - den Rezensenten. Einmal mehr setzt man sich bei "Wach endlich auf" mit den Irrungen und Wirrungen des Lebens auseinander, in deren Fallen zu treten so unglaublich einfach ist. Ich will aber auch die ersten beiden Tracks "Nitroliebe" und "30 Grad" nicht unerwähnt lassen. Wie es sich für eine ordentliche Rockband so gehört, geht's da natürlich erstmal ans Eingemachte.
Live dürfte es bei den Niedersachsen, bei denen in der Zwischenzeit übrigens Enrice den aus beruflichen Gründen in die Ferne gezogenen Nelsen am Bass ersetzt hat, mit ziemlicher Sicherheit brennen unter dem Dach. Was schließlich auch der Titelsong noch einmal deutlich unterstreicht. Ein vor Lebensfreude berstender Track über den Beginn eines Wochenendes, an dem es kein Halten geben wird.
Mit "Ab durch die Mitte" haben Lärmatron ein starkes Debüt abgeliefert. In wie weit sich die Oldenburger damit von anderen, vergleichbaren Bands absetzen können, dazu fehlt mir zugegebenermaßen etwas der Überblick bezüglich dieser Szene. Und was die Zukunft bringt, wer mag das schon vorhersagen? Sicher ist aber, dass diese halbe Stunde Musik nicht nur richtig Spaß macht, sondern auch durch den Sound und die Produktion super in Szene gesetzt wurde. Obendrauf gibt es auch noch alle Texte im Booklet. Antesten sollte für jeden Freund des härteren Deutschrock Pflicht sein!
Line-up:
Patrick (Gesang, Gitarre)
Bernd (Gitarre)
Nelsen (Bass)
Manuel (Schlagzeug)
Tracklist
01:Nitroliebe
02:30 Grad
03:Mofazombie
04:Lonesome Rider
05:Bis ans Ende
06:Wach endlich auf
07:Ab durch die Mitte
Externe Links: