Manches ist schon relativ oder liegt im Auge des Betrachters (bzw. im Ohr des Hörers) und manchmal wundert man sich.
Da steht im Infozettel der mir bisher völlig unbekannten Band The Last Warning (die sich aufgrund einer Namensgleichheit mit einer italienischen Band im April diesen Jahres umbenannt hatten von zunächst Last Warning) etwas vom »next big thing to come over Europe«. Weiter wird berichtet von der Tour, die Bali, Jakarta und Sumatra umfasste und deren Highlight ein Auftritt auf dem Soundrenaline Festival in Padang war, bei dem die Band auf der Hauptbühne als einer der Hauptacts vor 20.000 Besuchern spielte.
Zunächst dachte ich, ich habe etwas verpasst. Bei der Menge an Bands - vor allem an Nachwuchs - kann das schon vorkommen. Manchmal gilt der Prophet im eigenen Land nichts, hier wäre dann der Fall, dass dies ebenso für das Nachbarland Deutschland gilt, denn The Last Warning kommen aus Österreich.
Ein Blick in die bei Youtube eingestellten Videos relativiert dann schon einiges: Bei den Clubshows war nur wenig Publikum zu erkennen und seit wann spielen Headliner am helllichten Tag, während bei einem der Songs sogar noch die Besucher ins Gelände strömen? Unglücklicher Zusammenschnitt oder traten The Last Warning als erste Band auf, die auch nur verhaltene Reaktionen erntete?
Belassen wir es bei der Feststellung einer empfundenen Diskrepanz und halten fest, dass die Band wirklich in Asien unterwegs war, was für Newcomer keine Selbstverständlichkeit ist, aber auch nicht völlig ungewöhnlich.
Wenden wir uns lieber der Musik zu, denn auf die kommt es an. "Elegance Of Bloodiness" (auf der Seite von 7Hard wird ein "Elegance Of Blodiness" daraus - nein, ich wollte doch nicht mehr kritisieren) ist bereits die dritte CD nach "Face 2 Face" (2005) und "Chainbreaker" (2006).
Geboten wird hier eine Mischung aus Metal und Hardcore, ganz ordentlich gezockt und mit einer passenden Stimme. Die Musik stürmt nicht permanent darauf los, sondern wird durch Breaks aufgelockert. "Interlude" - etwa in der Mitte der Spielzeit ist sogar, wie der Name schon andeutet, ein kurzes Zwischenspiel auf einem Tasteninstrument.
Hans-Jürgen Moitzi benutzt nicht immer die gleiche Stimmlage und verfällt zum Glück nicht in übertriebenes Aggro-Gebrülle und klingt recht angenehm. Dass "Last Warning" auch mal ein Albumtitel der US-Hardcore/Crossover-Band Agnostic Front war, dürfte den Österreichern sicher nicht unbekannt sein, ebenso wenig deren Musik.
Also liegt man näher an den Wurzeln als am aktuellen Metalcore, das ist schon lobenswert. Der Retro-Gedanke hat durchaus etwas - wer genug hat von dem modernen Kram, schätzt womöglich die Abwechslung, die Älteren mögen es nostalgisch finden. Kids, die aufgrund ihres Alters nicht damit aufgewachsen sind, können ihren Horizont erweitern.
Da kommt doch sicher noch ein Haken? Ja, leider, ich wollte es wäre anders, ich möchte die Band nicht niedermachen. Denn wirklich schlecht sind sie nicht, kann man sich anhören, wenn man die Richtung mag, jedoch ist die Musik ziemlich unspektakulär, das Songwriting erzeugt nicht gerade viel Spannung.
Im Verhältnis zu dem, was an Erwartung aufgebaut wurde, ist das dann schon enttäuschend.
Weniger versprechen, mehr halten und interessantere Songs schreiben, vielleicht wird es dann ja doch noch etwas mit dem »big thing«.
Neugierige sollten dennoch mal reinhören und selbst entscheiden, ob sie "Elegance Of Bloodiness" brauchen/kaufen.
Line-up:
Hans-Jürgen Moitzi (vocals)
Roland Sattler (guitar, vocals)
Stefan Lanz (guitar)
Stefan Reiter (bass)
Markus Zuber (drums)
Tracklist |
01:The Rising
02:We All Are Murderer
03:Lash
04:Buried Alive
05:Collapse
06:Interlude
07:When Angels Fall
08:Drive Far Away
09:Dark Rock Song
10:Discredit
11:Life Screws Us All
12:Confrontation
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