Die Musik aus der Webmaschine von Leather Alive läuft nicht nur auf Stoner Rock-Sprit. Die italienische Band mischt das Genre mit Punk, alternativem Rock und Psychedelic. Nichts Neues, oder? Allerdings kommt es bei Songwriting auch in diesem Fall immer darauf an, in welchem Verhältnis die Zutaten gemischt werden.
Da sind die Ergebnisse aus der Leather Alive-Giftküche ganz gut anzuhören. Die Gruppe aus Cesena verwendet darüber hinaus auch Trennmittel. Zuweilen zieht man den Blues in seiner extrem rockenden Ausgabe hinzu und nicht selten versetzt man das hochoktanige Material mit fast schon klassischen Komponenten des Hard Rock, die alle zusammen eine relativ feste Bindung mit den grauen Zellen im Oberstübchen eingehen.
Musikalisch kann man sich über die insgesamt acht Nummern auf der Platte mit dem Titel "Loom" nicht beklagen. Zum Stoner Rock in seiner hier beschriebenen Form gehört bestimmt auch ein Gesang, der über einen konsequenten Charakter und Direktheit verfügen muss. Leather Alive hat mit Riccardo Guidi ein Bandmitglied, das ausschließlich die Rolle des Sängers einnimmt.
"The Russian Chopper" ist ein Instrumental und beginnt mit einem aufgeräumten Basssolo, das schon von den ersten Tönen an mit deutlich hörbaren Schneidezähnen ans Werk geht. Die Nummer gewinnt in ihrem Verlauf immer mehr an Dramatik und das Interagieren der Saiteninstrumente ist von einer tollen Gruppendynamik geleitet.
Mittendrin bricht quasi der gesamte Stoner Rock-Bau in sich zusammen und vom Tieftöner an der Spitze nimmt das Stück dann ganz langsam wieder Fahrt auf. Dabei ist die Beschleunigung zunächst eher ökologisch zurückhaltend. Im Vergleich dazu endet der Track im Fiasko.
Die Texte zu den Songs sind im bebilderten Booklet nicht abgedruckt. Man versteht den Sänger über längere Phasen aber auch nicht. Zu jedem Lied gibt es eine Illustration. Im Fall von "The Russsian Chopper" sitzt eine Art Werwolf auf einem Motorrad und auf dem Tank steht Sheriff geschrieben.
"Bonehead" ist musikalisch beste Genre-Kultur, allerdings nervt hier der Riccardo Guidi-Gesang oder besser emotionales Geschreie besonders. Schade! "Orwell" ist eine Welt von emotional eher dunkler Gemütslage.
Klar denkt man bei dem Songtitel direkt an George Orwell und seine in Worte gefasste Vision "1984". Natürlich gibt es von ihm auch "Farm der Tiere". Bei Leather Alive unterliegt Riccardo Guidi seinem selbstauferlegten Artikulationsschema, bei dem man nichts versteht. Die Booklet-Zeichnung setzt einen ins Bild. Die Menschen sind dazu verdammt, in einem Käfig zu leben und Fluchtversuche landen frei fallend im Nirgendwo.
Mit "Journey" packt man noch eine zeitliche Schippe drauf. Oh Wunder, Leather Alive kann auch geschmeidig, wie weiches Leder auftreten. So machen es ja viele Stoner Rock-Combos ... irgendwann haut man einen Track raus, der genau die entgegengesetzte Seite der aggressiv-rauen Medaille beleuchtet. So ist es auch beim Rausschmeißer.
Das Quintett wird sanftmütig. Die E-Gitarre klingt beruhigend und überhaupt ist "Journey" fernab von jeglicher hektischen Betriebsamkeit. Da integriert sich sogar eine herrlich klingende Querflöte in den entspannten Betrieb und die Stimme des Sängers gibt keinen Anlass zur Kritik. Wenn die Gruppe heftiger wird, ändert sich diese allerdings ins Negative, weil Riccardo Guidi abermals etwas ungeschickt growlt.
Der gesangliche Lotusblüteneffekt ergibt sich aber auch erst nach einigen Tracks. Zu Beginn ist das Outfit vom Sänger noch ohne Fettflecken. Erst mit zunehmender Spielzeit verlieren die Stimmbänder-Einstelllungen ihre Wirkung.
Mit einem Groover wie "The Sniper" macht Leather Alive richtig gute Stimmung und wenn sich Riccardo Guidi vom Growlen fernhält, sind seine Einsätze sogar gut. Die Combo aus Italien hat mit dem Album "Loom" ein gutes Stück Eisen im Feuer. Man muss es bezogen auf den Gesang nur noch in eine bessere Form bringen.
Line-up:
Riccardo Guidi (vocals)
Davide Sasselli (guitars)
Paride Placuzzi (guitars)
Marco Pirini Casadei (bass)
Nicolò Faedi (drums)
Tracklist |
01:Last Man Standing (2:57)
02:The Sniper (4:30)
03:Stegosaurus (4:19)
04:Stream Of Consciousness (5:07)
05:The Russian Chopper (4:45)
06:Bonehead (4:48)
07:Orwell (4:36)
08:Journey (6:11)
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