The Leeches / Eat The Leeches
Eat The Leeches Spielzeit: 24:45
Medium: CD
Label: Tre Accordi Records (Radar Music), 2009
Stil: Punk Rock

Review vom 12.01.2009


Markus Kerren
Wenn man es sich mal genauer betrachtet, dann stand der Punk Rock in den letzten 25 Jahren schon wesentlich öfter als nur einmal mit mehr als einem Bein im Grab. Klar gab es immer Bands wie die (sporadischen) The Exploited oder Sham 69, The Sex Pistols geben alle (geschätzte) fünf Jahre mal irgendwelche Jubiläumskonzerte, die deutschen Slime hatten zwischendurch mal ein Comeback und selbst die Strassenjungs (HAH! Kennt eigentlich noch jemand das Album "Dauerlutscher" als damalige deutsche Antwort zu "Never Mind The Bollocks" von den Pistols??) sollen gerüchteweise irgendwo in Hessen noch den ein oder anderen Club-Gig spielen.
Aber abgesehen von der Underground-Szene ist dieser Stil (und jetzt komm mir bitte keiner mit Namen wie Die Toten Hosen, Die Ärzte, Green Day und Konsorten) über die Jahre einfach nur drastisch abgetaucht. Wohlgemerkt jedoch nur aus dem öffentlichen Auge bzw. Ohr. Denn im Untergrund ist diesbezüglich nach wie vor noch jede Menge los und wohl genauso wenig totzukriegen, wie die unvermeidlichen Parasiten auf der Haut bzw. Spinnen im Keller. Und das ist gut so!!
Eine recht frische Band, die sich diesem Stil verschrieben hat, ist das italienischen Quartett The Leeches. Gegründet in Como, ganz nah an der schweizerischen Grenze, ging es ab 2003 in die Vollen. Nach einer Split-CD mit den Good Ol' Boys und der Single "The Leeches" kam im Jahr 2006 endlich das Debüt-Album "Fun Is Dead" auf den Markt. Und für Ende diesen Monats steht der Nachfolger "Eat The Leeches" in den Startlöchern. Und das ist auch gut so!!!
The Leeches klingen frischer als ofenfrisches Brot, rocken sich unverbraucht mit Ramones-Riffs und etwas aggressiverem Gesang durch ihren zweiten Silberling, lassen es richtig punkmäßig krachen und dennoch den Rock'n'Roll, einen feinen Sinn für Melodien und (Schock!!) gar Gitarren-Soli nicht zu kurz kommen. Um es mal ganz salopp auszudrücken: Das geht richtig schön in die Fresse UND ins Bein!! Der Opener "Just A Little Love" bricht überfallmäßig auf einen ein. Ein Tempo, von dem man sich bis zum Ende des Albums kaum erholen kann, da die Geschwindigkeit durchgehalten wird.
Dazu bringen die Süd- bzw. Mitteleuropäer auch noch eine, dem Punk Rock oft (teilweise unberechtigterweise) abgesprochene, Filigranität an den Start. Im Speziellen die präzise Rhythmus-Abteilung und die Solo-Gitarren lassen aufhorchen. Dazu macht Sänger Mass seine Sache einwandfrei, neben der punk-typischen Aggression außerdem noch jede Menge Melodien und Feeling einzubringen. Wofür einmal mehr die Ramones Pate gestanden haben dürften.
Höhepunkte gibt es auf diesem Album erstaunlich viele. Angefangen mit dem Opener "Just A Little Love", gefolgt von "Dead People Are Dead", "Live Fat Die Young", dem coolen "Just A Bad Dream", "Hail! Hail! To R'n'R" oder "Chop Chop II".
Dass ein Punk-Album kurz und knackig sein muss, ist nichts Neues. Aber bei aller Güte, noch nicht einmal 25 Minuten Spielzeit sind nicht erst heutzutage schon eine Frechheit. Oder handelt es sich hier gar nicht um ein Album, sondern vielmehr um eine EP? Bei insgesamt dreizehn Titeln sicherlich Auslegungssache.
Wie dem auch sei, die dreizehn Punkrocker, die die vier Italiener vorlegen, machen auf jeden Fall tierisch Spaß und stehen am ehesten für rockigen Punk im Sinne der (und da wiederhole ich mich gerne) Ramones, plus Gitarren-Soli. Wenn die Geschichte bloß nicht so kurz geraten wäre….
Man kann es sehen, wie man will und es ist sicherlich auch eine Frage, zu welchem Preis das Teil angeboten wird. Rein musikalisch ist "Eat The Leeches" auf jeden Fall ein Bringer, geht auf die Zwölf und wird in jede Party ein Stückchen mehr Leben verfrachten. Frisch, frei, unbekümmert, geht ab und ist gut!!
Line-up:
Mass (vocals, bass, organ & longhair)
Mexicano (guitars, coffee, cigarettes & backing vocals)
Freddy (guitars & backing vocals)
Mone (drums & cereals)

With:
Depla (additional vocals)
Faz Waltz (additional vocals)
Tracklist
01:Just A Little Love
02:No Sport
03:Dead People Are Dead
04:King Kong
05:Live Fat Die Young
06:Zombies Are Coming
07:Just A Bad Dream
08:Somebody Is Killing Me
09:Ant Music
10:Reign In Food
11:Hail! Hail! To Rock'n'Roll
12:Mirror Of My Love
13:Chop Chop II
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