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Wer kennt ihn nicht, den Werbespot des Outdoor-Bekleidungsherstellers mit dem Pfotenabdruck im Logo. Seit einigen Jahren werden die laufenden Bilder vom The Walkabouts-Song "Devil In The Details" begleitet. Die Folk Rock-Band aus dem amerikanischen Seattle sollte man natürlich nicht nur an diesem einen Lied messen. Die Gruppe hat noch ganz andere hervorragende Kompositionen auf Lager. Was hat diese Combo mit L/O/N/G zu tun? Ganz einfach: Der Walkabouts-Frontmann Chris Eckman kollaboriert hier mit der einen Hälfte des Tosca-Duos, Rupert Huber. Tosca steht für fließende Soundkollagen, die live auch mit visuellen Elementen ergänzt werden. Ebenfalls ist solche Musik bestens geeignet für tolle Videos.
Das, was "American Primitive" zu bieten hat, entstand innerhalb von acht Jahren und so erklärt sich der Bandname von ganz alleine. Eckman und Huber trafen sich auf einer Fete und dort gab es zufällig ein Klavier sowie eine Gitarre. Man jammte und ging dann wieder getrennte Wege. Erst 2005 gab es ein Wiedersehen, weil Eckman für die Tosca-Komposition "John Lee Huber" den Gesang übernahm. Dann steckte man für weitere Sessions öfters die Köpfe zusammen und es entstanden die Stücke, die auf vorliegendem Album zu hören sind.
Elektronische Grundlagen treffen auf handgemachte Musik. So könnte man die zehn Tracks auf eine gemeinsame Basis bringen. Herausgekommen sind dabei Nummern, die höchst interessant sind und der von einem mächtigen Groove lebende erste Track mit dem provokanten Titel "Shoot Your Dog" eröffnet eine Klanglandschaft, die mich umgehend berührt hat. Da gibt es feine perkussive Anteile, herrlich frei dahinfließende Pianoläufe, dezent eingebrachte Gitarrentöne und wunderschön sanfte Bass-Riffs. Dazu serviert man toll zusammengebaute Elektronik. Der Titeltrack "American Primitive" hat ebenfalls den Groove, allerdings um ein bis zwei Stufen verschärft. Die Gitarre ist fetziger in Aktion, soliert von Beginn bis Ende und den vordergründigen Gesang hat man gleich mit vier Leuten aufgestockt. Das ist L/O/N/G-Rock!
Die Musik lebt nicht nur vom sich in den Tracks stets anders darstellenden Groove. Zu einem tief tönenden Rhythmus verschaffen sich minimalistische Banjoklänge Raum und spätestens mit "Land Of The Lost" wird klar, dass man bei "American Primitive" gut zuhören muss, sonst wird das hier nichts. Unmerklich schleicht sich das Schlagzeug ein und plötzlich ist da ein E-Gitarren-Solo zur Stelle, das einen aus der einlullenden Stimmung zerrt. Rupert Hubers Piano ist allgegenwärtig. Sehr gut gemacht! Drums sowie Percussion bestimmen das textlose "Longitude Zero". Es ist viel los in dieser Nummer. Die unterschiedlichsten Instrumente haben ihren Auftritt und ergeben dann doch einen gemeinsamen Kosmos.
Ui, "Dust" ist etwas ganz anderes. Vielleicht mehr wie sphärische Walkabouts mit akustischer Gitarre und feinfühligem Gesang. Dieses toll arrangierte Huber-Piano ist klasse und der Chorgesang ist wieder einmal super. Wow, L/O/N/G spielt den Blues in Kombination mit jazzigen Fills. "Stockerau" ist nicht tief schwarz, sondern ein rubinroter 12-Takter der anderen Art. Das Stück ist Faszination in hohen Sphären mit coolem Piano. Es swingt mit wenig Aufwand und abermals ist die E-Gitarre voll aktiv. Eine geheimnisvolle Atmosphäre umgibt "Night Fishermen". Das Duett von Eckman mit Chantal Acda ist etwas zu lasziv geraten. Das vokale Miteinander war in "Wrong Train Comin'" besser. Das abschließende "Run Of Days" ist ungemein intensiv. Zunächst begleitet Huber auf dem Piano Eckmans Gesang und dann halten Wiener Streicher das wohltemperierte Geschehen in Gang.
Das Treffen von zwei Künstlern, die aus ganz unterschiedlichen Richtungen kommen, trägt mit "American Primitive" erfolgreich Früchte und vielleicht dauert es ja nun keine acht Jahre mehr, bis ein weiteres Album veröffentlicht wird. Mir sagt die Musik etwas und man muss sich diesen Klängen öffnen.
Line-up:
Chris Eckman (vocals, lead guitar, rhythm guitar, kalimba, e-bow guitar, electronics)
Rupert Huber (grand piano, keyboards, rhythm guitar, bass, electronics)
Blaz Celarec (drums - #1,2,4,5,7,8, percussion - #4,8)
Sergej Ranzelovic (drums - #3,6,9)
Chantal Acda (vocals - #5,9)
Zoe Gadsen-Huber (vocals - #3)
Terri Moeller (vocals - #1)
Anda Eckman (vocals - #6, group vocals - #2,3,7)
Mateja Bedenik Kosir (group vocals - #2,3,7)
Irena Lesjak (group vocals - #2,3,7)
Martina Smid (group vocals - #2,3,7)
| Tracklist |
01:Shoot Your Dog (4:28)
02:American Primitive (4:45)
03:Land Of The Lost (4:30)
04:Longitude Zero (4:35)
05:Wrong Train Comin' (4:17)
06:Dust (5:14)
07:Shame This Darkness (4:38)
08:Stockerau (4:54)
09:Night Fishermen (4:27)
10:Run Of Days (5:01)
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