Die im italienischen Pavia ansässige Band
Lowlands wandert musikalisch durch unterschiedliche Welten. Ihre Melange aus Folk, Roots und Rock wurde oft mit dem trinkseligen Irish Punk der
Pogues in einen Topf geworfen, doch trifft dieser Vergleich nicht unbedingt den Kern.
Sicher - die ungestüme Power vieler Stücke und die zuweilen düster-realistischen Lyrics haben ihre Wurzeln im frühen Garagenpunk der achtziger Jahre. Die Folkharmonien, die vor allem durch Akkordeon, akustische Gitarren und Lap Steel verbreitet werden, atmen die Seele anglo-amerikanischer Traditionals. Der Rockanteil ist jedoch insgesamt sehr geradlinig und gitarrenorientiert. Er zieht seine Inspiration aus den seligen Seventies, während die berühmten Kollegen von der grünen Insel rocktechnisch eher in den frühen Eighties wildern. Wenn man schon Vergleiche anstellen will, könnte man die italienischen Folkrocker am ehesten als Seelenverwandte der
Hooters ansehen - in den Abgehnummern eine härtere Variante und in soften Momenten eine sogar noch zartere und lyrischere. Dennoch sind "Lowlands" keine Epigonen. Insgesamt klingt das neue Werk von
Lowlands so, als ob Americana durch europäische Folktraditionen belebt wird. Die Seele des Ganzen bleibt dennoch südländisch.
Kopf der Gruppe ist der in England gebürtige
Edward Abbiati, der für alle Kompositionen des Silberlings verantwortlich zeichnet. Seine Vorliebe für Bands wie
Wilco und
Soul Asylum zeigt sich auch darin, dass für die Produktion des vorliegenden Werks
Joey Huffmann, Keyboarder der letztgenannten Combo, rekrutiert werden konnte. Der Sound ist klar, trocken und straight und ergänzt somit kongenial die Songs.
Hatten sich
Lowlands auf dem Vorgänger
Better World Coming auf rein akustische Pfade begeben, um dem großen
Woody Guthrie zu huldigen, lassen sie hier wieder den Rock röhren, ohne aber balladeske Streicheleinheiten zu vernachlässigen. Auffällig ist bei allen Stücken, dass
Abbiati und seine Kumpane ein untrügerisches Händchen für eingängige und fesselnde Melodien haben. Egal, ob sie nun in "Angel Visions" drauflos preschen oder im "Waltz In Time" dem Dreivierteltakt frönen, die Harmonien setzen sich in den Gehörgängen fest und wollen eigentlich gar nicht mehr heraus. Dabei reizen
Lowlands die Stilmerkmale von Gitarrenrock, Punk und Folk gnadenlos aus. Sie bewegen sich in diesen Gefilden so traumwandlerisch, dass die 10 Songs allesamt homogen klingen. In seiner Dichte könnte "Beyond" gar als Konzeptalbum durchgehen.
Die Texte
Abbiatis schwanken zwischen Aggression und Sentimentalität, wobei sie die Realität zeitweise so schonungslos abbilden wie ein früher
Charles Bukowski. Angesichts trister Vorstadtszenen, menschlicher Gleichgültigkeit inmitten urbanen Lichtergeflimmers fragt sich der Sänger, ob er denn nun tot geboren wurde. Das besungene Ambiente wirkt apokalyptisch, entspricht aber ganz und gar unserer Wirklichkeit und so sehnt sich der Sänger nach "Angel Visions". Diese Nummer ist ein adäquater Opener für ein mitreißendes Album, das mit seinen ruppigen Momenten ebenso zum Nachdenken reizt, wie in den eher zarten Miniaturen aus Text und Melodie. In "Homeward Bound" klingt das Heimweh so herzzerreißend durch, dass man
Paul Simons Song gleichen Namens kontrastierend dazu fast für ‚ne fröhliche Globetrotter-Hymne hält.
Dass
Lowlands mit ihrer eigenwilligen Melange aus Rock à la "God's Own Country", Punk aus englischen Hinterhöfen, Folk aus Low- und Highlands und typisch italienischem Temperament einen Nerv getroffen haben, zeigt ihr Erfolg: Sie erhalten regelmäßig Airplay nicht nur in ihrer Heimat, britische, irische, und amerikanische Radiostationen featuren sowohl "Beyond" als auch "Better World Coming" mit schöner Regelmäßigkeit. Und hier geht's nicht nur um kleine Alternativsender - in England widmete sich gar die große BBC dem Schaffen der Band.
Ein ähnlicher Erfolg ist
Lowlands auch hierzulande zu wünschen. Vielleicht spielen sie sich ja bei ihren ausgedehnten Live-Aktivitäten noch weiter in die Ohren und Herzen eines hoffentlich weiter wachsenden Publikums.