Boris McCutcheon, 31.10.2010, Cultureel Podium Roepaen, Ottersum (NL)
Cultureel Podium Roepaen Boris McCutcheon
Cultureel Podium Roepaen, Ottersum (NL)
31. Oktober 2010
Konzertericht
Stil: Americana


Artikel vom 05.11.2010


Joachim 'Joe' Brookes
Boris McCutcheonUrsprünglich kommt Boris McCutcheon aus Massachusetts. Momentan lebt er in den Bergen von New Mexico. Seit 2001 hat er vier Alben auf den Markt gebracht. Die ersten beiden Platten, "Mother Ditch" sowie "When We Were Big" (2003) erschienen in Eigenproduktion. 2005 folgte "Cactusman vs. Blue Demon" und 2008 "Bad Road, Good People". Sein momentan brandneues fünftes Album heißt "The Wheel Of Life".
Boris McCutcheon trat im Nightclub auf Roepaen mit seiner Begleitband The Salt Licks auf. Der vielseitige Saitenmann Brett Davis und Bassistin Susan Holmes waren die weiteren Musiker in einem Trio ohne Schlagzeuger.
Boris McCutcheonGleich zu Beginn hatte der Dreier Kostproben aus dem neuen Album auf der Setlist. Man kreierte auch ohne Drummer einen ganz feinen Groove. Brett Davis war beim Konzert mehr als die halbe Miete für Boris McCutcheon. Was der Gitarrist mit seinen diversen Saiteninstrumenten auf die Beine stellte, war einfach super. Tolle E-Gitarrensoli und klasse Überleitungen in den Songs hatte er wie selbstverständlich auf dem Plan. Mit dem Einsatz der elektrischen Gitarre wurde es auch schon mal laut im gut gefüllten Nightclub.
Boris McCutcheonDie Atmosphäre des Gigs war sehr intim. Ein bei anderen Bands ansonsten üblicher Szenenapplaus bei Solos war Fehlanzeige. Anscheinend wollte niemand die zum Teil sehr filigranen Tracks stören. Die Auslöser einiger Kameras waren fast immer zu hören. An ihren Tieftönern war Susan Holmes locker drauf und sie mischte sich, wie auch Davis in die Moderationen des Protagonisten ein. Bei McCutcheon hatten wohl einige ihre Probleme, dieses bei ihm typische Kaugummi-Amerikanisch zu verstehen. Darüber hinaus brachte der Frontmann in seinen gesprochenen Überleitungen kaum vollständige Sätze zusammen.
Boris McCutcheonDer Groove war Bestandteil der ersten Songs, die alle in kaum wechselnder Rhythmik vorgetragen wurden. Da stellte sich die Frage, wann es denn endlich rocken würde. Durch Davis' Wechsel seiner Arbeitsgeräte brachte er mächtig viele Farbtupfer in die Nummern. McCutcheon hatte ab und an Harps in verschiedenen Tonarten im Einsatz und erinnerte dabei an
Bob Dylan oder Bruce Springsteen. Die Backing Vocals der beiden Begleiter waren erste Sahne. Nicht immer sangen sie die Chorusse alle gemeinsam. Mal waren es die zwei Männer zusammen, dann wieder Holmes mit McCutcheon.
Boris McCutcheonNach den ersten drei oder vier Kompositionen wurde endlich die Taktung erhöht, man rockte im Country-Genre und Holmes hatte den elektrischen Bass geschultert. Lustig anzusehen war, wie die beiden Begleitmusiker nach jedem Song McCutcheon auf die Pelle rückten, um zu erfahren, welche Komposition als nächste dran war. Die Pause hatte die Band dazu genutzt, weitere Setlisten zu schreiben.
Nur ganz selten gönnte der Mann aus den Bergen New Mexicos seinem Plektrum eine Pause. Fingerpicking war eher weniger angesagt. Die Rhythmusarbeit auf seiner akustischen Gitarre war gut. Auf Solopfaden war er nur mit der Harp unterwegs. Thematisch hatte man es unter anderem mit dem Mississippi River, einem See, in dem ein Besoffener ertrank, Kalifornien oder Nachbarschaftsgeschichten zu tun.
Boris McCutcheonEs gab Leute im Publikum, die meinten, schon bessere Konzerte (mit einem Schlagzeuger) von dem Mann gesehen zu haben. Nach einer längeren Pause als angekündigt, hatte der zweite Set jedenfalls wesentlich mehr Fahrt drauf. "Waiting For The Demons To Die" war ein richtiger Killer-Song und gleich danach sorgte "Pony Ride" für erfrischend lockere Stimmung. Das Publikum trug die Band eh auf Händen. Jeder Track wurde am Ende laut beklatscht. Zu McCutcheons brandneuem Hut: Den Grund, warum er ihn bei manchen Tracks trug und bei anderen nicht, wusste wohl nur er ganz alleine.
Am Ende des Gigs brandete, von lauten Pfiffen der Zustimmung begleitet, geradezu frenetischer Beifall auf. Da ließ sich die Band natürlich nicht zweimal bitten und gab noch ein Songduo zum Besten. Boris McCutcheon & The Salt Licks spielten ein ordentliches bis gutes Konzert auf Roepaen und der Protagonist hat mit Brett Davis einen klasse Saitenzauberer an seiner Seite.
Wir bedanken uns bei Chris Tangelder vom Cultureel Podium Roepaen für die problemlose Akkreditierung.
Line-up:
Boris McCutcheon (acoustic guitar, harps, vocals)
Brett Davis (electric guitar, banjo, steel guitar, backing vocals)
Susan Holmes (upright bass, electric bass, backing vocals)
Externe Links: