Brooke Miller / Familiar
Familiar Spielzeit: 22:46 (Side A), 23:20 (Side B)
Medium: LP
Label: Stockfisch, 2012
Stil: Singer/Songwriter

Review vom 17.12.2012


Norbert Neugebauer
Brooke Millers Debüt auf dem Stockfisch-Label hat Kollege Günther Klößinger schon vorgestellt, seiner Besprechung lag die SACD zugrunde. Mittlerweile ist auch der 180-Gramm-Vinyl-Longplayer dazu bei uns eingetroffen, dem ich mich gern ergänzend widme. Mit Brooke Miller hat das deutsche Label eine neue hochkarätige Singer/Songwriterin ins audiophile Boot geholt, die zudem eine erstklassige Gitarristin ist. Sie stammt von der kanadischen Ostküste und ist in der dortigen keltischen Einwanderertradition aufgewachsen. Das hört man in den elf 'Balladen', die sie nun als Songauswahl ihres bisherigen Schaffens, neu für "Familiar" aufgenommen hat. Genauso aber auch bluesige und jazzige Grundthemen. Neben den üblichen Einflüssen, wie die der großen Kolleg/Innen Bruce Cockburn, Rickie Lee Jones oder Joni Mitchell werden vor allem Parallelen zur früheren Label-Grand Dame Sara K. deutlich. Wie letztere beeindruckt sie mit einer sehr eigenen zurückhaltenden Emotionalität und auch in der stimmlichen Phrasierung gibt es Ähnlichkeiten.
Elf Titel, in denen es in keinem über »süße Hunde« oder »Fahrten nach Kalifornien« geht, wie Brooke Miller in einem Interview zu ihren Themen gesagt hat. Natürlich aber über Beziehungen, von was handelt sonst der Großteil der 'Balladen', wie die englisch/amerikanischen Schmusesongs fälschlich pauschal bei uns genannt werden? Sie ist kein verträumtes Sensibelchen, sondern eine selbstbewusste Frau, die gut beobachtet und dies in eine sprachgewandte Lyrik umsetzt. Ihre exzellente Gitarrenarbeit ist alles andere als Begleitung, alternative Stimmungen, verschiedene Techniken, die sie meisterhaft beherrscht - sie sieht selbst eher als Instrumentalistin, die ihre Stücke mit Texten versieht. Ihrer Bio ist zu entnehmen, dass sie seit der Kindheit selbst Musik macht, bereits mit Zwölf eine Punk-Band hatte und in Kanada vier Alben veröffentlicht hat, die auch mit elektrischem Instrumentarium aufgenommen wurden.
Das 'Familiäre', eher Intime des Albums, ist wohl einmal mehr der guten Atmosphäre in Günter Paulers Gewölbe-Studio und dem Stockfisch-Team zu verdanken, wofür sich die Künstlerin warm bedankt. Das kommt auch gut rüber, es herrscht Wohnzimmer-Feeling beim Hören der Songs, die größtenteils nur von Stimme und Stahlsaitengitarre getragen werden. Die Zuarbeit von Don Ross auf einigen Titeln ist sehr subtil, der kanadische Gitarrenmeister illustriert gekonnt die Arbeit der Protagonistin mit anderen leisen Tönen (Ausnahme: das markante Klavierspiel beim Titelstück in der "Piano version"). »Eine höchst angenehme Neuerscheinung« - da stimme ich dem Kollegen Günther ohne Abstriche zu.
Ob man die SACD auflegt und in einem Guss hört, oder sich einen 'altmodischen' zweiteiligen, aber nicht minder audiophilen Hörgenuss via LP gönnt, ist sicher Geschmackssache, sofern beides samt erforderlichem Equipment vorhanden. In dem Fall greife ich zur großen Scheibe und schenke beim Umdrehen mein Weinglas noch einmal voll - auf die schönen Dinge des Lebens!
Line-up:
Brooke Miller (vocals, guitar)
Don Ross (bass, piano, Fender Rhodes)
Tracklist
Side A:
01:What You Know (3:20)
02:You Can See Everything (4:33)
03:There You Are (5:39)
04:Everywhere (5:22)
05:Familiar - Piano version (3:52)
Side B:
01: Shake It Off (4:15)
02:A.M. Song (3:51)
03:Two Soldiers (4:58)
04:Say That Dear (4:12)
05:Familiar - Guitar version (2:43)
06:Quiet Night (4:41)
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