Derek Meins / The Famous Poet
The Famous Poet Spielzeit: 25:19
Medium: CD
Label: 1965 Records, 2008
Stil: Indie-Poetry

Review vom 08.12.2008


Norbert Neugebauer
Die britische Kunstszene ist immer noch für Überraschungen gut und das mögen wir!
Von Derek Meins oder seiner früheren Jugend-Band Eastern Lane werden wiedermal nur absolute Insider was gehört haben, im RockTimes-Redaktions-Camp aber sicher niemand. Der Junge ist grad mal 21 Jahre alt und da steht ihm auch noch jede Art von Verrücktheit zu.
Auch, dass er nicht nur großspurig seine erste Mini-CD "The Famous Poet" nennt, sondern darauf tatsächlich neben mit schrägen Lyrics versehenen Songs auch vier unvertonte Gedichte sehr exaltiert zum Besten gibt. Das macht richtig Lust auf seine Live-Auftritte, die eine Mischung zwischen Pogo Happening und Poetry Slam sein dürften!
Bei den Liedern zeigt er eine bemerkenswerte Stilbreite. "The Freud Song" ist astreiner Post-Punk mit Johnny Rotten-Gebrüll. Trotz ebensolch rüder Ansage säuselt er den "Gin Song" dann trunken-sanft zu Akkordeon- und Mandolinenbegleitung dahin. Das auf der Label-Website zum Download bereitgestellte "Oh! You Pretty Woman" rumpelt dagegen mit derbem Honky Tonk-Charme recht fröhlich daher und lädt zum Mitgröhlen ein.
In "Richard" und "A City Called Hell" gibt er den wahnsinnigen Dichter mit unterschwelliger Sturmbegleitung und schepperndem Rummelplatz-Schlagwerk, irgendwo zwischen William Shakespeare, Patty Smith und Jim Morrison. Feinster, klasse gesungener Britpop mit Pianobegleitung, ist dagegen "End Of Man", während er uns mit "Honeygirl" dezent-folkig kommt. "Modernity" und "Ex-Her-Size" schnorrt er mit Grammophon-Stimme wie ein viktorianischer Schauspieler daher. Das abschließende "Over Yonder" röhrt als ordinäre Spelunken-Ballade aus den Schalltrichtern.
Der Herr Poet stammt von der englisch-schottischen Grenze und das hört man am Dialekt mit knorrig rollendem R. Offenbar kommt seine Performance im Heimatland gut an, war er doch schon mit diversen Indie-Kollegen (u.a. The Maccabees) auf Tour. Außerdem hat er monatlich zwei feste Gigs in London und Brighton und veranstaltet in einer Bar in Soho den 'Soapbox Club'. Dort treten er und weitere ähnlich geartete Künstler bei freiem Eintritt unbegleitet und ohne Mikrophon auf, erfahren wir von seinem Promoter.
Jedenfalls ist diese erste Veröffentlichung eine beachtliche Probe des Multitalents Derek Meins, der auch in seinen Gedichten den Rock'n'Roll hat. Uns Rockenglisch-Eleven werden wohl die Feinheiten seiner Lyrik nicht ohne weiteres aufgehen, aber die dramatisch-skurrilen Rezitationen verfehlen auch so ihre Wirkung kaum. Mit viel englischem Humor versehen bringt diese Mischung frischen Wind in die rockende Kleinkunstszene und erinnert den altgedienten Rezensenten an das, was früher mal unter 'Underground' lief. Wär schön, wenn der Junge seine künstlerische Originalität behalten würde und auch auf Dauer davon leben könnte.
Leider finden sich weder auf dem Cover der Promo-Version noch im Beipackzettel weitere Informationen zu Mitmusikern oder Aufnahme. Aber das tut dem Genuss dieser abgedrehten Scheibe keinen Abbruch!
Tracklist
01:The Freud Song
02:The Gin Song
03:Oh! You Pretty Woman
04:Richard
05:End Of Man
06:Modernity
07:Honeygirl
08:Ex-Her-Size
09:Over Yonder
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