Eleni Mandell / Artificial Fire
Artificial Fire Spielzeit: 56:10
Medium: CD
Label: Make My Day Records, 2009
Stil: Alternative Rock

Review vom 08.02.2009


Joachim 'Joe' Brookes
Respekt: Eleni Mandells erste Platte bekam sie im Alter von vier Jahren: Shaun Cassadys "Greatest Hits".
Das zuerst gekaufte Album war von den L.A.-Punk-Rockern X und für ihre Konzert-Premiere war sie bei Oingo Boingo. Da bin ich doch glatt zur Sammlung und habe "Best Of Oingo Boingo: Skeletons In The Closet" einen Spin gegönnt.
Der X-Mann DJ Bonebrake ist auch auf ihrem aktuellen Album "Artificial Fire" vertreten und die Mandell zementiert ihren sehr guten Eindruck, den sie auf den letzten Veröffentlichen hinterlassen hat.
Hinreißend, wie sie mit unterschiedlichen Musik-Stilen jongliert.
An Langeweile mangelt es hier definitiv nicht. Die Frau hat Klasse und hervorragende Musiker an ihrer Seite. Da wäre in erster Linie der Gitarrist Jeremy Drake zu nennen. Was der aus seinem Arbeitsgerät zaubert, hat Format und Eigenständigkeit. Ein mitreißender Mikro-Kosmos in Mandells Kompositionswelt.
Als Schreiberin aller Stücke hat die aus Los Angeles stammende Musikerin fünfzehn epische Stücke ans Tageslicht befördert, die allesamt eine eindeutige Sprache sprechen... die einer Eleni Mandell, aus zig anderen Platten stante pede herauszuhören.
Ihre romantischen, lyrischen sowie zum Teil auch einfach gehaltenen Songs siedelt sie im Rock, Country, Folk, Blues, Jazz und Pop an.
Ja, Pop! Und selbst der kommt mit einem unverkennbaren Singer/Songwriter-Gütesiegel daher. Einer Mandell kauft man einfach alles ab. In einigen Nummern hat die Gitarre eine herrlich jazzige Schräglage.
Gerne liest man im schlichten, aber schön gestalteten Booklet die Texte mit. Mandell gibt Statements zur (verlorenen) Liebe, Partnerschaft, und Sehnsucht ab.
Der Gitarrist Jeremy Drake bekommt ausreichend Freiraum, um sich auf seine persönliche Art auszulassen.
Geschickt hat man einigen Songs durch das Hinzunehmen von Gast-Musikern eine verstärkte Ausdruckskraft verpasst, So sollten hier Danny T. Levin (horns) als auch die gestrichene Abteilung der Klassik-Instrumente erwähnt werden. Na ja, wenn wir schon dabei sind: Bei den Backing Vocals ist Inara George klasse, ohne den anderen Sänger Charlie Wadhams im Schatten stehen zu lassen.
Geht man etwas weiter in die oben beschriebenen Genres, so bringt Mandell auch etwas Tango und Chrissie Hynde ins Spiel. Mit ihrem symphatischen Gesang kann sie höchst flexibel umgehen und jede gewünschte Stimmung transportieren.
Sowohl die balladesken als auch rockenden Parts sind herrlich anzuhören und mit der gelieferten Abwechslung kommt der Hörer voll auf seine Kosten. Ein satter Sound in den flotteren Nummern versteht sich bei einer Mandell von selbst und die ruhigeren Stücke verfügen über einen ganz besonderen Flair, wie z.B. "Don't Let It Happen" oder "In The Doorway".
Da sie in fast jedem Track eine oder mehrere Überraschungen parat hat, macht es ihre Musik in einer Weise unberechenbar.
Die elektronischen Klänge eines DJ Bonebrake fließen recht dezent in die Komopsitionen ein, sodass nicht von der Singer/Songwriter-Schiene abgewichen wird und die Band kann auch grooven. Von Anfang bis Ende passt hier einfach alles zusammen.
Einen Fehler darf man allerdings nicht begehen: "Artificial Fire" geringe Aufmerksamkeit schenken. Geht auch gar nicht. Ein- oder zweimal sollte das Album schon in aller Abgeschiedenheit intensiv gehört werden, denn dann hat man die CD sozusagen richtig abgespeichert.
Mit ihrem, auch eckigen sowie kantigen aktuellen Album ist Eleni Mandell so etwas wie ein Genie-Streich gelungen, der einen weiteren Höhepunkt in ihrer Karriere hinzufügt.
Von wegen 'künstliches Feuer'.
Ehrlicher, und damit echter, kann eine Platte fast nicht sein.
Die Künstlerin ist mit einer umwerfenden musikalischen Überzeugungskraft ausgestattet. Die findet man nicht so oft und genau deswegen kann dieses Album mir ruhigem Gewissen allen Anhängern von sehr gut gemachter Musik mit dem Umweg über den Geldbeutel ans Herz gelegt werden.
Hoffentlich bleibt die Band-Besetzung so bestehen, denn die Vier bilden eine tolle Einheit. Die gehören irgendwie zusammen, so wie das Salz zur Suppe.
Line-up:
Eleni Mandell (vocals, electric guitar, acoustic guitar)
Jeremy Drake (electric guitars, space fog)
Ryan Feves (bass)
Kevin Fitzgerald (drums)

Additional Musicians:
Harry Trumfio (shaker, finger cymbals)
Jason Borger (keyboards)
Danny T. Levin (horns)
Charlie Wadhams (backing vocals - #2)
Inara George (backing Vocals - #3,9)
DJ Bonebrake (vibes)
Jessica Catron (cello)
Robert Anderson (violin)
Natalie Brejcha (viola)
Tracklist
01:Artificial Fire (3:12)
02:God Is Love (4:43)
03:Right Side (4:14)
04:Personal (2:52)
05:Tiny Waist (4:46)
06:It Wasn't The Time (It Was The Color) (3:15)
07:Bigger Burn (3:01)
08:Little Foot (2:17)
09:Don't Let It Happen (4:07)
10:In The Doorway (4:49)
11:Needle And Thread (3:30)
12:Front Door (2:57)
13:I Love Planet Earth (5:10)
14:Two Faces (4:49)
15:Cracked (2:19)
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