Gus McKay / Saltflat Blues
Saltflat Blues Spielzeit: 50:06
Medium: CD
Label: Eigenproduktion, 2013
Stil: Blues, Roots

Review vom 09.08.2013


Joachim 'Joe' Brookes
Gus McKay soll früher in einer Punkband gespielt haben und hat jetzt den Blues. Vornehmlich den auf der Dobro, vom Bottleneck angetrieben. Der Australier verfügt über eine feine Reibeisen-Stimme, mit der er uns von den Begebenheiten des Lebens singt. "Saltflat Blues" beinhaltet ein Dutzend Lieder. Nur "Starter Won't Start" stammt aus der Feder von Sam 'Lightning' Hopkins.
Gus McKay steht allerdings nicht nur für den Blues. Er fühlt sich auch in der Roots Music verwurzelt und kann darüber hinaus auch noch tolle Balladen schreiben. Die viereinhalb Minuten "Busking" sind ein herausgehobenes Beispiel für die langsame Ausgabe eines Songs auf der Platte. Mit dabei sind hier Pete Grandison, der die Scheibe auch produziert hat, und Ava Grandison, beide für die einfühlsamen Backing Vocals zuständig. Zusammen mit dem Protagonisten singen sie nur von der akustischen Gitarre begleitet. Dieses Stück ist eines der intensivsten auf der Platte. Toll! Auch "Murchison" siedelt sich zunächst in ruhigeren Fahrwassern an. Dann geht es flotter weiter und Phil Batleys Bass sorgt für einen klasse Anschub.
Wenn im Line-up Murray Campbell (Percussion) gelistet ist, dann spielt er mit seinen Handtrommeleinsätzen, ob dezent oder treibend, eine besondere Rolle. Bei "Caffeine" geht es mit einem richtig guten Groove flott zur Sache. Der Blues vibriert und Brad Capper spielt eine klasse Harmonika dazu. Diese Nummer macht hellhörig, zieht die Aufmerksamkeit auf das, was Gus McKay wohl noch so drauf hat. War es im Opener die Dobro, klingt es im folgenden Track "Déjà Vu" eher nach der Stromgitarre, die der Künstler ebenfalls mit dem Metallröhrchen bearbeitet. Abermals regiert der Groove. Obwohl man sagen muss, dass der Schlagzeuger Pete Smith eher zurückhaltend agiert. Das Sechssaitersolo ist eine beeindruckende Mischung aus Bottleneck-Drive und tollem Fingerpicking.
Vom Songtitel her macht "Extremley Voodoo" neugierig. Gus McKay wechselt zwischen der geslideten Akustischen und einer E-Gitarre. Mit einer auf- und abschwellenden Dynamik singt er wohl von einer Frau, die ihn kirre im Kopf macht. Ganz gleich, wie dem auch sei ... phasenweise rockt das Stück ordentlich. Verschärft wird das Tempo und der (Blues-) Rock ist in "Don't Say Goodbye" angesagt. In diesem toll arrangierten Stück ist was los! Man drückt auf die Tube und die elektrische Gitarre sortiert sich zwischen Riffing sowie klasse Solieren ein. Der Mann und seine Begleiter können überzeugen.
'Lightning' Hopkins' Song "Starter Won't Start" ist die alleinige Angelegenheit des Australiers und er bietet uns eine intensive Interpretation des Covers. Ui! Jetzt wird es verteufelt gut ... "Out Like Torch" zieht seine Kreise, eher werden einem die Ringe ins Hirn gemeißelt, denn Gus KcKay verquickt Blues und Rock'n'Roll. Vielleicht schaut er hier doch für wenige Momente zurück, als bei ihm noch der Punk regierte. Auch "Ratrod" wird von einer aufmüpfigen E-Gitarre bestimmt. Derartige Songs hätte man von dem Künstler nach den ersten beiden Nummern nicht unbedingt erwartet. Aber bei so einem Text braucht man auch den Duft von Öl beziehungsweise Benzin in der Nase:
»All I want is a Ratrod, lots of rust and repair
Running boards hanging loose, no pride left
All those new machines, leave me cold, not a speck of dust
Broken down on the freeway, they're no tone of us...
All I want is a Ratrod
All I want is a Ratrod [...]«
"Married A Snake" setzt dem Treiben die Krone auf. Der Mann wird psychedelisch. Hier ist das Bottleneck weit entfernt vom Geschehen. Der Klang der E-Gitarre wird durch viele Effekte verfremdet und Gus McKay singt manchmal fast schon so bedrohlich, wie sein Arbeitsgerät klingt. Immer mehr Sounds kommen dazu und schließlich wird selbst das Schlagzeug davon befallen. Hammer, die Kunst des Unterhaltens kommt von Können und die dreißig Sekunden Fade-Out braucht das Stück auch.
Haut er zum Schluss noch so ein Ding raus? Aus sphärischen Nebeln schält sich eine sehnsüchtige Gitarre. Alles scheint in einem schwebenden Zustand. Der Gesang erdet den Track und aus der Ferne nehmen die Handtrommeln von Murray Campbell immer mehr Formen an. Die Krone wurde schon erwähnt, muss hier allerdings abermals eingesetzt werden.
"Saltflat Blues" mag auf den ersten Blick wegen des musikalischen Spagats verwirrend wirken, aber nach weiteren Durchgängen entfaltet das Album seine, wie eine sich im Zeitraffer öffnende Blüte, volle Schönheit. Hats off, Gus McKay!
Line-up:
Gus McKay (guitar, vocals)
Brad Capper (harmonica)
Phil Bailey (bass)
Pete Smith (drums)
Murray Campbell (percussion)
Pete Grandison (backing vocals)
Ava Grandison (backing vocals)
Tracklist
01:Caffeine (3:45)
02:Déjà Vu (4:57)
03:Murchison (4:06)
04:Busking (4:32)
05:517 (4:18)
06:Extremely Voodoo (3:56)
07:Don't Say Goodbye (4:26)
08:Starter Won't Start (2:54)
09:Out Like Torch (3:03)
10:Ratrod (3:10)
11:Married A Snake (5:50)
12:Branches (5:09)
(all songs written by Gus McKay except #8 written by Sam 'Lightning' Hopkins)
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