Es ist mir eine Ehre, Janiva Magness vorstellen zu dürfen.
Bei der Blues Foundation ist sie schon Stammgast, was Nominierungen sowie Awards angeht. So ist sie nach Koko Taylor erst die zweite Frau, die den 'B.B. King Entertainer Of The Year'-Preis bekam. Das war 2009 und in den Jahren davor wurde sie in der Kategorie 'Contemporary Blues Female Artist Of The Year' geehrt.
Allerdings befand sich ihr Leben nicht immer im strahlenden Licht der Öffentlichkeit. Mit sechzehn Jahren verlor sie ihre Eltern und verbrachte viel Zeit obdachlos auf der Straße oder wechselte von einem Pflegheim ins nächste. Nur zwölf Monate später wurde sie Mutter, gab ihren Nachwuchs aber zur Adoption frei. In Detroit geboren, landete sie schließlich in Minnesota. Dort sah sie in einem Club Otis Rush und nun wusste die Jugendliche, worin sie ihre Energie investieren wollte... den Blues. Sie arbeitet als Praktikantin in einem Plattenstudio und dort bat sie der Chef, Backing Vocals zu singen.
Die örtliche Unstetigkeit verschlug sie schließlich nach Phoenix. Dort lernte sie Bob Tate, den musikalischen Direktor von Sam Cooke kennen. Mit seiner Unterstützung gründete sie ihre erste Band und wieder zog sie um. Dieses Mal war Los Angeles ihr Ziel. Dort heiratete sie den Musiker und Songwriter Jeff Turmes. Ihre ersten veröffentlichten Aufnahmen unter dem Titel "More Than Life" wurden als Kassette auf den Markt gebracht und mit ihrem Mann nahm sie ihre zweite Platte auf. Durch ihre Zusammenarbeit mit Colin Linden öffnete sich für sie auch der kanadische Markt und schwups, schon gab es dort ebenfalls Anerkennung sowie Preise. Wen wundert es bei ihrem Lebenslauf, dass sich die Magness auch mit sozialkaritativen Dingen Kinder betreffend beschäftig.
Jetzt soll es aber um ihr aktuelles Album "The Devil Is An Angel Too" gehen.
Selbstredend ist ihr Mann Jeff Turmes an der Gitarre mit von der Partie. Der Kreis wird durch Dave Darling ( Brian Setzer, Meredith Brooks), Zach Zunis ( Floyd Lee, William Clarke, Billy Boy Arnold) und Gonzalo Bergara ( Lynwood Slim) erweitert.
Den Auftakt der fast ausschließlich aus Coversongs bestehenden Tracklist macht eine Julie Miller-Komposition. Zwei Songs hat Turmes ihr auf den Leib geschrieben. Der Opener "The Devil Is An Angel Too" offenbar nur eine erste Facette ihres Könnens als Sängerin. Wobei gesagt werden muss, dass ihre Band sie bei den zwölf Stücken hervorragend in Szene setzt. Julie Millers Song hat eine herrlich swampige Atmosphäre und diese Gitarren beeindrucken stante pede. Magness' Stimme steht dem in nichts nach. Rau wie sanft kann sie die Töne modellieren. Mein lieber Schwan, wenn die CD schon so losgeht, dann darf man auf etwas gefasst sein.
Magness & Konsorten können tatsächlich noch viel mehr.
Die Wiese des Blues wird perfekt abgegrast und als Chor haben die Männer auch noch Gospel in der Kehle. R&B steht an, wenn es zum zweiten Track kommt. Wow, die Keyboards sind in der Songparade eben falls sehr gut vertreten und mischen neben den Gitarren gut mit. Dieser Jeff Turmes zupft ja auch noch Bass! In "Slipped, Tripped And Fell Ion Love" regiert den Sound ein Baritonsaxofon. Und wer spielt es? Richtig, auch Turmes. Was hat der nicht alles drauf! Hier geht es von einem Highlight zu nächsten. "I'm Feelin' Good" (richtiger wäre "Feeling Free") eröffnet sie a cappella. Es gibt so viele Verästelungen des Blues zu hören und alle Stile fließen in Magness toller Stimme zusammen.
Auch Balladeskes nimmt sie fast mit einer selbstverständlichen Leichtigkeit.
Da gibt es zum Beispiel das von Turmes geschriebene "Weeds Like Us". Eine E-Gitarre, eine Akustische, ein wenig Drums und dann wieder diese Stimme. Sparsamkeit ist angesagt und heraus kommt eine Nummer mit grenzlosem Effekt. Im Gegensatz dazu setzt man in "I Want To Do Everything For You" auf großes Besteck. Die Wirkung bleibt und wieder glänzen die Gitarren im Verbund oder solo. Ganz am Schluss ist es "Turn Your Heart In My Direction", ebenfalls von Turmes geschrieben, das als eine nicht so sehr im Blues verwurzelte Ballade glänzt. Die Streichereinheiten von Stevie Blacke geben dem Song das besondere Flair. Hinreißend gut! "Your Love Made A U-Turn" brilliert durch einiges an Percussion und aktiviert automatisch die Fußwippe.
Dieses Album lässt keine Wünsche offen und beim Rezensenten stellte sich ein Shakura S'Aida-Effekt ein. Mit ihrer zweiten Alligator-Platte haut Janiva Magness den Hörer um. Hier werden auch Puristen ihre Freude haben. Sehr gelungen und auf den Punkt gut!
Line-up:
Janiva Magness (vocals, backing vocals)
Jeff Turmes (guitar, bass, baritone saxophone)
Dave Darling (guitar, acoustic guitar, keyboards, backing vocals)
Zach Zunis (guitar)
Gonzalo Bergara (acoustic guitar)
Ted Andreadis (Wurltzer, Hammond)
Arlan Schierbaum (Farfisa, piano)
Stenie Blacke (strings)
Gary Davenport (bass)
Stephen Hodges (drums, percussion)
Ernie Perez (backing vocals)
Brie Darling (percussion, backing vocals)
Spanky D (backing vocals)
| Tracklist |
01:The Devil Is An Angel (3:09)
02:I'm Gonna Tear Your Playhouse Down (4:07)
03:Slipped, Tripped And Fell In Love (4:15)
04:I'm Feelin' Good (3:10)
05:Weeds Like Us (3:23)
06:Walkin' In The Sun (3:56)
07:End Of The Road (3:20)
08:Save Me (3:41)
09:I Want To Do Everything For You (3:28)
10:Your Love Made A U-Turn (2:49)
11:Homewrecker (3:37)
12:Turn Your Heart In My Direction (3:29)
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Externe Links:
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